FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2014
106 www.fondsprofessionell.de | 4/2014 se Nische längst für sich entdeckt. Im institu- tionellen Bereich gilt Muzinich aus NewYork als führend. In Europa hingegen ist die Stra- tegie recht neu. In Deutschland ist der Phai- dros der einzige Publikumsfonds, der sein Portfolio hauptsächlich mit diesen Papieren bestückt. Ganz allein steht er dennoch nicht da. „Er fügt sich in einen relativ jungen Trend ein, der als Crossover bezeichnet wird“, sagt German Reng, Inhaber des Münchner Ver- mögensverwalters GR Portfolio Consulting. Unterschiedliche Strategien Bei Crossover-Fonds investieren die Mana- ger gezielt in Anleihen, die sich am Übergang zwischen den Ratingzonen „BBB“ und „BB“ bewegen. In Deutschland sind fünf Crossover- Fonds aktiv. „Die meisten nehmen außer Bonds, deren Rating gesunken ist, auch An- leihen auf, die von vornherein eine Bonität unter ‚BBB–‘ hatten“, sagt Reng. Auch an- sonsten unterscheiden sich die Crossover- Portfolios in ihrer Investmentstrategie. Jan Sørensen, Manager des Nordea 1 Euro- pean Cross Credit, legt wie Ernst Konrad in Papieren aus den Ratingbereichen „BBB“, „BB“ und „B“ an. Anders als Konrad, der weltweit unterwegs ist, beschränkt er sich allerdings auf europäische Corporate Bonds. Sofern das Ausfallsrisiko eines Schuldners nicht extrem steigt, hält der die Anleihen bis zum Laufzeitende. Der Ampega Crossover Plus Rentenfonds ist ebenfalls auf Bonds europäischer Unternehmen ausgerichtet. Er in- vestiert zu etwa 57 Prozent in „BB“-Anleihen. Die beiden Fondsmanager Marcus Prella und Christian Hendker steuern Zins- und Ausfalls- risiken gesondert und orientieren sich dabei an verschiedenen Krisenszenarien. Der BNY Mellon Crossover Credit investiert weltweit und hat derzeit zwei Drittel des Portfolios in Papiere mit Investment Grade investiert. Der Lombard Odier Euro BBB-BB Funda- mental wartet mit einer Besonderheit auf: Fondsmanager Kevin Corrigan gewichtet die Sektoren nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach ihrem Beitrag zum Bruttoin- landsprodukt. „Es ist widersinnig, dass die traditionellen Benchmarks die am höchsten verschuldeten Unternehmen am stärksten ge- wichten“, sagt er. Bei der Einzeltitelauswahl kommen dann Fundamentaldaten zum Tra- gen. „Entscheidend dafür ist nicht nur, wie hoch die Schulden eines Unternehmens sind, sondern etwa auch dessen Umsatzstärke oder der frei verfügbare Cashflow“, so Corrigan (siehe auch das ausführliche Interview mit Corrigan in FONDS professionell 2/2014). Wacker geschlagen Die Performance der Fonds kann sich se- hen lassen, seit Jahresbeginn bis Mitte Okto- ber legten sie zwischen 2,9 und 5,7 Prozent zu (siehe Tabelle). Zum Vergleich: Fonds der Kategorie „Anleihen Europa hochverzinslich“ kommen Morningstar zufolge im gleichen Zeitraum nur auf magere 1,5 Prozent – schuld daran ist die jüngste Marktkorrektur, die frü- here Gewinne zunichtemachte. „Um zu beurteilen, wie sich Crossover-Pro- dukte dauerhaft entwickeln werden, sind sie allerdings noch zu jung“, gibt Vermögens- verwalter Reng zu bedenken. Anhaltspunkte kann hier vielleicht ein Blick auf Fonds lie- fern, die ähnlich wie die neuen Trendportfo- lios verstärkt in „BBB“- und „BB“-Bonds an- legen. Dazu gehört der schon 1991 aufgelegte DWS High Income Bond Fund. Die Manager Markus Wiedemann und Christof Richter in- vestieren derzeit weltweit in Anleihen, die zu fast 75 Prozent in dieser Ratingzone liegen. Auf lange Sicht schneidet der DWS-Fonds fast genauso gut ab wie waschechte High- Yield-Produkte, zuletzt hielt er sich jedoch deutlich besser: Seit Jahresbeginn steht trotz der jüngsten Verluste noch ein Plus von gut fünf Prozent zu Buche. Die Botschaft ist klar: Auch wenn Turbulenzen am Hochzinsmarkt nicht spurlos an diesem Rating-Segment vor- beigehen, verlieren solche Anleihen doch deutlich weniger als klassische Junkbonds. Den volatilen Sommer- und Herbstwochen an den Finanzmärkten lässt sich sogar ein weiteres Argument für die Crossover-Fonds abgewinnen: Mit klaren Signalen für eine Anhebung der Leitzinsen werden sich die No- tenbanken wohl nach wie vor zurückhalten – was Papiere mit vergleichsweise hohen Kupons attraktiv erscheinen lässt. FP markt & strategie I crossover-rentenfonds Foto: © Erste AM, Eyb & Wallwitz Alexander Fleischer, Erste AM: „Corporate Bonds mit ‚BB‘- Rating bieten das attraktivste Risiko-Ertrags-Verhältnis.“ Ernst Konrad, Eyb & Wallwitz: „Wir bewegen uns am oberen Ende des High-Yield-Segments.“ Ausgewählte Crossover-Rentenfonds Volumen Agio Verwaltungs- Performance in % Fondsname KVG ISIN Auflage in Mio. Euro in % 1 gebühr in % 1 2014 1 Jahr BNY Mellon Crossover Credit A EUR BNY Mellon AM IE00BFRSSR40 Dez. 13 169,0 5,26 1,00 5,66 k.A. 2 Lombard Odier Euro BBB-BB Fundam. Lombard Odier Funds LU0563303998 Dez. 10 550,8 5,00 0,50 5,23 6,52 Nordea-1 European Cross Credit Nordea Investment LU0733673288 Feb. 12 738,2 3,00 1,00 2,94 4,84 Phaidros Funds – Fallen Angels A IP Concept (Lux) LU0872913917 Feb. 13 11,1 4,00 0,79 2,87 4,57 Ampega Crossover Plus Rentenfonds Ampega Investment LU0905727250 Jan. 14 18,2 3,00 0,90 k.A. 2 k.A .2 Sortiert nach Performance 2014 | 1 maximal | 2 zu kurz am Markt Quelle: Morningstar, Anbieter; Stichtag: 16. 10. 2014
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