FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2014

markt & strategie I mittelzu- und -abflüsse 116 www.fondsprofessionell.de | 4/2014 Foto: © DAWM D as Kurs-Gewinn-Verhältnis ameri- kanischer Aktien, berechnet nach der Methode des Nobelpreisträgers Robert Shiller, wird weltweit beobachtet. Der letzte Tiefstwert wurde im März 2009 erreicht, damals lag es bei 13. Der lang- jährige Durchschnitt – rückgerechnet bis 1881 – liegt bei 16, und seit etwa einem Jahr liegt es konstant über 24, Mitte No- vember sogar bei 26,70. Werte über 25 gel- ten als Warnsignal, weil so hohe Bewertun- gen nur selten erreicht und bisher stets durch einen Aktiencrash oder eine lang- jährige Baisse beendet wurden. Das war der Fall: 1901, 1929, 1966 und im Jahr 2000. Damals gab es bekanntlich einen bösen Crash, das Shiller-KGV fiel in den Jahren danach dennoch kaum mehr unter 25, erst die 2008er-Korrektur ließ die Kurs- Gewinn-Verhältnisse tiefer sinken, inzwi- schen sind wir aber schon geraume Zeit nahe der 25er-Marke. Interessanterweise erwartet derzeit aber nicht einmal der Erfinder dieser Kennzahl einen Crash. Allein die Tatsache, dass viele Anleger ihr Geld während der jüngsten Abwärtsbewegung an den Aktienbörsen in „sichere Häfen“ brachten, beweist, dass wir derzeit nicht von einer gefährlichen Aktieneuphorie sprechen können. Auch die Tatsache, dass aktuell von allen Seiten negative Konjunkturprognosen eintrudeln, lässt erwarten, dass die Notenban- ken weiterhin alles Mögliche tun werden, um die Wirtschaft in Gang zu setzen – und auch wenn das nicht beabsichtigt sein dürf- te: Aktien sollten davon weiterhin profi- tieren können. Es dürfte daher nur eine Frage der Zeit sein, dass sich der Trend „Raus aus Aktien“, wie ihn die „Mittelzu- und -abflüsse“-Statistik von software- systems.at derzeit signalisiert, umkehrt. Der Oktober bescherte Aktienfonds Nettomit- telabflüsse in Höhe von 6,2 Milliarden Euro, das war der höchste Abverkauf seit Juni vergangenen Jahres. Profiteure dieser Panikattacke waren Anleihen- sowie Geld- marktfonds auf der Einkaufsliste der An- leger (siehe Tabelle nächste Seite). Die spannende Frage lautet nun: Wann wandelt sich die Angst vor Kursverlusten bei Dividendenwerten in die Sorge, weitere Kursgewinne zu verpassen? Profis sahen die jüngste Talfahrt amAktien- markt ohnedies als notwendige Korrektur nach einem längeren Aufwärtstrend. Dieser Meinung war etwa Asoka Wöhrmann, CIO Deutsche Asset & Wealth Management, der angesichts des Rücksetzers im Oktober an den Aktienmärkten in weiterer Folge zwar mit mehr Volatilität rechnete, die Aussichten für Aktien dennoch weiterhin gut ein- schätzte: Bei den negativen Konjunktur- meldungen wird leicht übersehen, dass die Weltwirtschaft weiterhin wächst, wenn auch moderat. Aktien, die von dem Wachs- tum profitieren und zudem attraktive Divi- dendenrenditen bieten, sollten dement- sprechend gefragt bleiben“ , schrieb er im CIO-View der Deutschen Asset & Wealth Management. Wöhrmann favorisierte ins- besondere Aktien zyklischer Unternehmen, die von einer Wachstumsbeschleunigung stärker profitieren dürften. Schwäche zum Kauf nutzen Als äußerst treffsicherer Marktkommen- tator erwies sich auch Trevor Greetham, Leiter taktische Asset Allocation bei Fide- lity. Er erwartete bereits Mitte Oktober un- mittelbar nach den Kurskorrekturen wieder steigende Aktienmärkte und nutzte die Schwächephase zum Nachkauf, wie er da- mals in einem Kommentar verriet. Die Fi- delity-Experten erwiesen sich auch geo- grafisch als zielsicher. Sie rechneten vor allem bei amerikanischen Papieren mit guten Ge- winnchancen. Der Kapitalmarktstratege Cars- ten Roemheld meinte dazu: „Der S&P 500 Index hat seit seinem September-Hoch bis 14. Oktober rund sieben Prozent verloren. Be- trachtet man die historische Entwicklung, hat der S&P 500 seit 1950 in 24 Fällen in einem Drei-Monats-Zeitraum mehr als 13 Prozent eingebüßt. In 15 dieser 24 Fälle hat er in den folgenden zwölf Monaten danach um mehr als 20 Prozent zugelegt.“ Bereits vier Wochen danach, am 13. November, notier- te der S&P 500 Index mehr als 9,5 Prozent über dem Wert vom 14. Oktober, womit bereits die Hälfte des wahrscheinlichen Jahresgewinns imAnschluss an den Kurs- rutsch angefallen war. Für die meisten Pri- vatanleger dürften solche Betrachtungen derzeit aber eher akademischer Natur sein: Wie die Statistik zeigt, investieren sie nach wie vor in erster Linie in gemischte Fonds. FP Die Tabellen zu dem Artikel finden Sie auf der nächsten Seite. Aktienfonds sahen im Oktober die höchsten Nettomittelabflüsse seit Juni 2013, für die Beurteilung der weiteren Marktchancen ist das eher positiv zu werten. Guter Einstiegszeitpunkt Deutsche-AWM-CIO Asoka Wöhrmann: „Die Aussichten für Aktien bleiben gut, doch die Volatilität ist gestiegen.“ Mittelzu- und -abflüsse Aktien Im Oktober verzeichneten Aktienfonds die stärksten Nettomittel- abflüsse seit Juni vergangenen Jahres. Anleger parkten ihr Geld lieber in sicheren Häfen wie Anleihen- oder Geldmarktfonds. Bieten die Rücksetzer bei Aktienfonds gute Einstiegschancen? 2010 2012 2013 2014 0 2 -2 -4 -6 -8 4 6 8 Mrd. Euro

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