FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2014
240 www.fondsprofessionell.de | 4/2014 Angabe der Gesamtkostenquote eines Fonds – die Total Expense Ratio (TER). Diese beträgt im Durchschnitt des untersuchten Universums etwa zwei Prozent. „Alles darun- ter ist eher günstig“, so Petersmann, „alles darüber eher teuer. Insofern haben wir uns bei der Beurteilung und Kommentierung einiger Fondsanbieter an dieser Art ,magischen‘ Grenze von zwei Prozent Gesamtkostenbe- lastung orientiert.“ Im Vorfeld hatte der Ex-Metzler-Partner die einschlägigen Branchenkenner nach ihrer Ein- schätzung hinsichtlich der Transaktionskosten in Fonds befragt. Journalisten, Geschäftsführer von Kapitalverwaltungsgesellschaften, Invest- ment-Consultants, Vermögensverwalter sowie wissenschaftliche Begleiter der Investment- industrie waren sich in ihrem Tenor allesamt einig: Für Transaktionskosten in überwiegend in Aktien investierende Fonds müsse man mit Sätzen zwischen 0,1 und 0,3 Prozent rechnen, je nachdem, wie hoch der Kassebestand eines Fonds sei und wie aktiv ein Manager agiere. „Für einen Kostenblock, der sich im Rahmen sämtlicher veröffentlichungspflichtigen, dem Kunden auszuhändigenden Unterlagen nicht auf Anhieb erschließt und auch auf den zwei- ten Blick nur schwierig herauszulesen ist, hiel- ten wir hier die Grenze bei 0,5 Prozent auf die durchschnittlichen Assets für angemessen“, so Petersmann. Eine um diese Kostenart ergänzte Kennzahl dürfe also insgesamt durchschnitt- lich nicht über 2,5 Prozent im Jahr betragen. Aus dem Tabellenanhang ist auf Fondsanbie- ter- und auf Fondsebene ersichtlich, wie hoch die jeweiligen Gebühren tatsächlich ausfallen. Dabei müsste der Preis für eine Trans- aktion, den eine Fondsgesellschaft an ihre Depotbank zahlt, nach den Gesetzen des Marktes mit zunehmendem Volumen eher sin- ken. Auch sollten milliardenschwere Flagg- schiffe in der Lage sein, gute Konditionen zum Wohle ihrer Kunden mit ihren Depot- banken auszuhandeln. „Insofern lag unser Augenmerk auch auf den absolut in Euro belasteten Summen der jeweiligen Fonds“, erklärt Petersmann. Marktgesetze außer Kraft Als ein eher trauriges Beispiel dafür, was Anlegern ungefragt zugemutet wird, nennt er dabei den Carmignac Investissement E Euro Acc, der für 2013 auf eine „Erweiterte TER“ von 3,26 Prozent kommt und damit zu den teuersten Fonds seiner Klasse gehört. „Einmal abgesehen davon, dass die Performance des Fonds vor seinem Erfolgszug durch Deutsch- land im Vergleich zu seinen Mitbewerbern noch wesentlich besser war, wurden mit der zunehmenden Größe offensichtlich manche Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt.“ Der Fonds habe allein im Jahr 2013 über 42 Mil- lionen Euro an Transaktionskosten entnom- men. Auf das Volumen gerechnet mache das zwar nur ein halbes Prozent aus, in Summe sei das aber eine gehörige Rechnung, die der Kunde da präsentiert bekomme. In den ver- gangenen drei Jahren kamen gemäß der Rechenschaftsberichte insgesamt über 100 Millionen Euro an Transaktionskosten zusam- men. Auf das Fondsvolumen (6,9 Milliarden Euro per Ende August 2014) bezogen habe der Fonds als Großkunde seiner Depotbank Caceis damit höhere Transaktionkosten berechnet, als ein Privatanleger bei seiner Direktbank bezahlt hätte. „Das gehört für uns schon eher in die Kategorie ,fahrlässig‘, was das Aushandeln tragbarer Konditionen an- geht“, urteilt Petersmann. Wie man mit Flaggschiffen auch anders umgehen kann, zeige dagegen die Deutsche AWM. Der Akkumula, der Top Dividende und der Vermögensbildungsfonds haben mo- derate Managementgebühren von 1,45 Pro- zent, berechnen keine Performancegebühren, und die Transaktionskosten liegen bei 0,1 bis 0,3 Prozent. „Auch wenn die Depotbank na- türlich noch günstiger sein könnte“, so Peters- mann, „dieses Gesamtpaket ist aus Sicht des Kunden absolut akzeptabel.“ Dabei dürfte das Geschäft für die Deutsche Bank in Summe immer noch sehr einträglich sein, denn abso- lut betrachtet liegen die Transaktionskosten dieser Fonds insgesamt immer noch im zwei- stelligen Euro-Millionenbereich. Wer laut der Studie positiv überrascht, ist Dimensional Fund Advisors. Extrem niedrige Managementgebühren, keine Performance Fees, und was die Transaktionskosten angeht, erkläre Dimensional explizit, diese so niedrig wie möglich zu halten, damit beim Kunden auch wirklich die Marktperformance so voll- ständig wie möglich ankomme. „Die Zahlen, sprich niedrige Gesamtkosten und daraus fol- gend eben auch die Performance, sprechen eine eindeutig positive Sprache“, so Peters- mann. „Das erscheint uns der richtige Weg, vom großen Kuchen etwas an die Anleger abzugeben.“ Ein dickes Pluszeichen vergibt Petersmann auch für das Angebot von Threadneedle im Universum der global anle- genden Aktienfonds: moderate Management- gebühren, keine Performancegebühr und auch keine bösen Überraschungen auf der Seite der Transaktionskosten. Kaum verwunderlich, ergibt sich ein zum Teil identisches Bild auch im Bereich der in Europa investierenden Aktienfonds. Die marktübliche Managementgebühr beträgt hier zwischen 0,9 und 1,75 Prozent, im Durch- schnitt entspricht das einem Satz von 1,5 Pro- zent im untersuchten Universum und damit auf gleicher Höhe wie der Satz fürs Managen eines globalen Portfolios. „Rein aufwands- technisch betrachtet müsste der Preis für ein europäisches Aktienportfolio eigentlich nied- riger liegen, weil der zu beobachtende rele- vante Markt kleiner und die Zahl der in Frage kommenden Titel um ein Vielfaches geringer ist“, kommentiert Petersmann. Ein eher bei- läufiges Ergebnis seiner Studie besteht des- halb in der Erkenntnis, dass Europa-Aktien- vertrieb & praxis I fondskosten Ein Depotbankenproblem Aus der Analyse des Petersmann Instituts wird noch etwas deutlich: Für den Anleger gerät nämlich etwas geradezu zum Nachteil, was eigentlich seinem Schutz dienen soll und von den Anbietern – übrigens nicht einmal zu Un- recht – auch gern als besondere Sicherheitskomponente des offenen Investmentfonds angepriesen wird. Denn eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit den teilweise unverschämt hohen Transaktionskosten spielen schließlich am Ende die Depotbanken der Fondsanbieter. Die aber sollen eigentlich mit ihrer Doppelfunktion als Verwahr- und gleichzeitig Kontrollstelle der jeweiligen Fonds- gesellschaft den Status eines Sondervermögens – ein sicher nicht zu unterschätzendes Kennzeichen eines Investmentfonds im Vergleich zu anderen Anlageformen – sicherstellen. Man muss deshalb das bei Banken durchaus beliebte Ge- schäftsmodell der Depotbankfunktion für Fonds ja nicht gleich in Frage stellen – auch wenn zunehmend offen- sichtlich wird, dass das mit großen Fondsvermögen und noch größeren Wertpapiertransaktionsvolumen eigentlich ein extrem lukratives Geschäftsfeld für relativ einfache Geschäftsvorfälle darstellt. Das könnte bei manchem Be- obachter den Eindruck erwecken, dass das für manche Bank – ganz egal ob groß, ob klein, ob privat oder öffent- lich-rechtlich – der Hauptgrund ist, eine eigene Kapital- anlagegesellschaft zu unterhalten, weil man die eigene Tochtergesellschaft nämlich nicht unbedingt lang umwer- ben muss, bis sie ihr Wertpapiergeschäft an die eigene Muttergesellschaft vergibt. Aber eines dürfte auch klar sein: Wenn es weiterhin zu unverkennbaren Übertreibun- gen aufgrund von zu hohen Transaktionkosten kommen sollte, dann wird das früher oder später nicht ohne Konsequenzen bleiben. Deshalb sollte die Branche hier selbst aktiv werden, bevor es der Gesetzgeber tut.
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