FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2014
bank & fonds I interview karsten rusch | postbank 254 www.fondsprofessionell.de | 4/2014 Foto: © Wolf Heider-Sawall D ie Zentrale der Postbank in Bonn ist kein in den Himmel wachsender Glas- palast. Auch Kunst in repräsentativ überdimensionierten Räumen sucht man hier vergebens. Der schlichte Bau am Ende der Museumsmeile kommt im Vergleich zu den großen Adressen im Frankfurter Bankenviertel eher bodenständig daher. Täuschen lassen sollte man sich davon aber nicht. Seit der Übernahme durch die Deutsche Bank weht auch in den Fluren der Postbankzentrale ein frischer Wind. In den letzten vier Jahren hat die neue Konzernmutter die meisten zentralen Positionen mit Mitarbeitern aus der eigenen Kaderschmiede besetzt. Karsten Rusch ist einer von ihnen. Herr Rusch, Hand aufs Herz, wie viel Deutsche Bank steckt vier Jahre nach der Übernahme in der Postbank? Die Antwort auf diese Frage muss man diffe- renziert in einer Innen- und einer Außensicht betrachten. Zunächst einmal sind wir weiter- hin „gelb“, haben einen eigenen Markenauf- tritt, und auch unser Logo hat sich nicht ver- ändert. Nach innen ist die Verbundenheit deut- lich stärker zu erkennen. Insbesondere bei In- frastrukturthemen wie zum Beispiel im IT-Be- reich ist die Zusammenarbeit mit der Deut- schen Bank ausgeprägt. Die Postbank ist ein börsennotiertes Unternehmen mit eigenen Vorschriften und einer eigenen Rechnungsle- gung. Zusammenfassend kann man sagen, dass die größten Veränderungen da zu sehen sind, wo unsere Kunden sie am wenigsten wahrnehmen und spüren. Der deutsche Bankenmarkt ist umkämpft. Hat sich das Profil der Postbank durch den Eigentümerwechsel verändert bezie- hungsweise wofür steht die Postbank? Nein, das Profil hat sich nicht verändert. Wie schon in der Vergangenheit möchten wir im Wesentlichen die Erstbankverbindung für un- sere Kunden darstellen. Unsere neue Kampa- gne „Eine Bank fürs Leben“ ist daher nur eine Bestätigung unserer Position im Markt. Wir sind traditionell sehr einlagenstark und im Verständnis der Kunden eher die Bank, bei der man sein Festgeld anlegt und über den Spargedanken den Vermögensaufbau voran- treibt. Unser Produktsortiment ist insgesamt nicht breit, sondern sehr fokussiert – auch auf der Investmentseite. Der klassische Spargedanke hat auf un- absehbare Zeit ausgedient. Müssen Sie angesichts des Nullzinsniveaus ihr Profil nicht gerade im Investmentgeschäft schärfen? Hinsichtlich der Frage, wie unsere Kunden Vermögen sinnvoll aufbauen können, erfor- dert das Niedrigzinsumfeld natürlich eine andere Strategie. Wir müssen und wir wer- den uns stärker in Richtung Wertpapieran- lage bewegen, sowohl im Rahmen der Ein- mal- als auch der Sparanlagen. Die Post- bank steht auch künftig nicht für ein aus- uferndes Wertpapiergeschäft. Hier gibt es strategisch keine Annähe- rung an die Deutsche Bank? Was im Markt gut funktioniert – wenn ich das aus meiner Erfahrung sagen darf –, ist die Be- ratungsleistung auf Portfoliobasis. Da sind wir als Postbank noch lange nicht. Wir kommen eher über den freien Teil des Einkommens und überlegen uns gemeinsam mit dem Kun- den, was wir damit anfangen können. Der An- satz unterscheidet sich signifikant von einer Depot- und Portfolioberatung, wie sie das Standardmodell bei anderen Anbietern ist. Den deutschen Kleinsparer nachhaltig für die Wertpapieranlage zu gewinnen gilt ja seit jeher als eher aussichtsloses Unterfangen. Natürlich ist es keinesfalls einfach, die sichere Einlagenwelt in einen Bereich zu transfe- rieren, der per se erst einmal mit Risiken ver- bunden ist. Daher muss man sich mit dem Wertpapiergeschäft intensiv auseinanderset- zen. Und das tun wir gemeinsam mit unseren Kunden. Wir müssen ihnen vor Augen führen, dass es außerhalb des Sparbuchs Alternativen für eine zusätzliche Rendite gibt, und wollen sie auf die ihnen bereits bekannten Alterna- tiven hinweisen. Das ist ein langwieriger Prozess. Was heißt das in der Praxis, über welche Anlageformen sprechen wir hier? Ein Sparer, der aus der Einlagenwelt kommt, hat dies bisher aus dem Sicherheitsaspekt heraus gemacht. Insofern muss eine entspre- chende Alternative ebenfalls das konservative Moment bieten. Für uns sind das in der Regel Investmentfonds mit Fokus auf deutsche Ak- tien und festverzinsliche Wertpapiere in Europa. Damit haben wir zwei Risikobaustei- ne, die sich im Kundenangebot zudem sehr gut verknüpfen lassen. Kommen dabei ausschließlich konzern- eigene Produkte der Deutsche Asset & Wealth Management oder auch Pro- duktlösungen Dritter zum Einsatz? In der Filiale setzen wir sehr stark auf das, was unsere Kunden nachfragen. Das ist neben Deutschland und Europa das klassische The- ma Dividenden. In diesen drei Segmenten sind wir mit den Fonds der Deutsche Asset & Wealth Management bestens aufgestellt. Die Unterschiede zu anderen Anbietern sind aus Seit März leitet Karsten Rusch den Bereich Produktmanagement Investment & Insurance der Postbank. Im Interview spricht er über neue Wege bei der Wertpapierberatung, schlechte Testnoten und das Ende der Parallelwelten Online- und Filialbanking. » Für mich drängt sich nicht zwangsläufig ein Grund auf, das Wert- papiergeschäft mit der Altersvorsorge- planung zu verweben. « Karsten Rusch, Postbank „Wir müssen uns stärker in Rich
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