FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2014

262 www.fondsprofessionell.de | 4/2014 passgenau, denn einzelne Fintechs besitzen mehr personenbezogene Informationen über ihre Kunden und ihr Konsumverhalten als die Kreditinstitute und nutzen diese für maßge- schneiderte Angebote. Schneller als die Bank Die „jungen Wilden“ erfinden das Rad jedoch nicht neu: „Fintechs bieten keine voll- kommen neuen Produkte und Dienstleistun- gen an, sondern grenzen sich von klassischen Finanzdienstleistern in erster Linie durch eine spürbar höhere Kundenorientierung ab“, so Ingo Kipker, Partner bei Horváth & Partners. Die Unternehmensberatung analysiert in ihrer aktuellen Studie „Fintechs – Angriff auf die Geschäftsmodelle von Banken“ 50 erfolg- versprechende Konzepte aus dem aufstreben- den Bereich. „Die Produkte sind leicht ver- ständlich erklärt, und der größte Teil der Prozesse läuft vollautomatisch ab. Daraus ent- steht ein Schnelligkeits- und Preisvorteil gegenüber den etablierten Anbietern. Die Fin- techs bringen den Spaß zurück ins Bank- geschäft“, erklärt Kipker. So bieten beispiels- weise die Unternehmen CurrencyFair und TransferWise Währungstransfers zu deutlich niedrigeren Preisen an als die etablierte Kon- kurrenz. Und in Sachen Tempo ist Kreditech nicht zu schlagen: Wer positiv eingeschätzt wird, erhält innerhalb von sechs bis zehn Minuten nach Antragstellung das Geld auf sein Konto überwiesen. Auch das 2011 in Dresden gegründete Unternehmen seedmatch gehört zu den „jun- gen Wilden“. Bei Seedmatch stellen Gründer ihre Geschäftsideen online und suchen nach Finanzierungen für ihre Projekte. Potenzielle Investoren können über die Plattform direkt in Kontakt mit den Gründern treten, Business- pläne einsehen oder auch Fragen stellen. Ab einer Summe von 250 Euro kann somit jeder- mann Venture Capital vergeben. „Die Spiel- regeln der Crowdfunding-Plattformen sind relativ einfach. Dadurch erfüllen sie exakt die derzeit hoch im Kurs stehenden Wünsche der netzaffinen Bürger nach ,Convenience‘ und ,Partizipation‘“, erläutert Dapp in seiner im September erschienenen Studie „Fintech – Die digitale (R)Evolution im Finanzsektor“. Die Sachsen finanzieren bislang 68 Projekte mit einem Volumen von knapp 20 Millionen Euro. Aktuell können die 32.000 registrierten Nutzer beispielsweise in die Firma Riboxx, die Medikamente gegen das Krebsrückfall- risiko entwickelt, investieren. Oder man setzt auf Bonaverde: Das Unternehmen hat eine Kaffeemaschine erfunden, die imstande ist, sowohl zu mahlen als auch zu rösten. Wertpapierbereich Im Wertpapierbereich tut sich die neue Konkurrenz noch schwer. Die ansonsten von den Bankvorständen beklagte hohe Regu- lierungsdichte behindert den Markteintritt und ist somit als Wettbewerbsvorteil für die Etablierten zu sehen. Doch zarte Pflänzchen sind auch hier zu finden: So kann man mitt- lerweile bei Anbietern wie nutmeg, wikifolio oder ayondo online per Mausklick eine Vermögensverwaltung abschließen. Und dies kostengünstig: Die Gebühren bei nutmeg liegen bei rund 0,3 bis einem Prozent der verwalteten Beträge. Und wer auf einen Berater nicht verzichten will, greift auf den Online-Chat oder telefonische Unterstützung zurück. Auch Anbieter wie moneymeets, vaamo und easyfolio arbeiten an Spar- und Anlagelösungen und setzen dabei auf den bequemen Zugang durch mobile Endgeräte. Nicht jeder ist jedoch über die Entwicklung erfreut: „Sie sind aktiv, und sie stehlen Kunden von uns“, so Hein van der Loo von ABN Amro Private Banking. Er befürchtet, dass die Kreditinstitute den Anschluss ver- passen. „Die Bankenbranche hat die Tendenz, bank & fonds I fintechs Foto: © Kipker, Diemer, Samwer Sebastian Diemer: „Fünf Milliarden Menschen kommen an keine oder nur sehr teure Kredite.“ Ingo Kipker: „Fintechs stellen ernstzunehmende Wett- bewerber dar.“ Oliver Samwer von Rocket Internet plant, verstärkt in Fintech-Aktivitäten zu investieren. Erträge im Privatkundensegment 2012 Korrespondierende FinTech-Leistungen Kredite: 20,5 Mrd. Peer to Peer, Crowdfunding, Kreditgeschäft mit kleinen und mittelst. Unternehmen, Factoring Einlagen: 19,7 Mrd. Privatkonten, Vermögensverwaltung Wertpapiere: 10,7 Mrd. Vermögensverwaltung Gebühren: 5,1 Mrd. Devisengeschäft, mobile Zahlungen, persönliche Finanzplanung Sonstige: 2,8 Mrd. Gesamt: 58,8 Mrd. Erträge von Geschäftsbanken und korrespondierende FinTech-Leistungen Quelle: Horvath & Partners

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