FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2014

80 www.fondsprofessionell.de | 4/2014 Dirk Söhnholz: Wenn wir vom Begriff Nach- haltigkeit ausgehen, dann steht dieser für mich zunächst für ökologische Nachhaltigkeit. Die- sen Ansatz halte ich grundsätzlich für gut in Bezug auf Umwelt, Verbraucher und Gesell- schaft, nicht aber notwendigerweise für Kapi- talanleger. Unter dem weiter gefassten Kon- zept der sogenannten ESG-Kriterien, also den drei Aspekten Umwelt, Soziales und Unter- nehmensführung, zeigt sich, dass ESG statis- tisch betrachtet nicht unbedingt nachteilig für Kapitalanleger ist, das „E“, sprich der Um- weltaspekt, aber tendenziell schon. Alfred Platow: Uns geht es schon seit Lan- gem nicht mehr um bestimmte Begriffe. Das Wort Nachhaltigkeit benutzen wir ungern. Denn es ist ein von der Politik und den Medien immer wieder transportierter Marke- tingbegriff, der mangels besseren Wissens in eine völlig falsche Richtung führt. Meine Eingrenzung ist eher eine politische, die et- was mit Ethik zu tun hat, eine auf einem hu- manistischen Weltbild fußende Ökologie, die den Menschen in den Vordergrund stellt. Auf der anderen Seite wurde der Gummibegriff Nachhaltigkeit erlernt, und wir müssen ihn daher in der Kommunikation verwenden. Allerdings erläutern wir die drei Säulen Ethik, Ökologie und Soziales, damit es nicht zu aussagelos daherkommt. Heuser: Klingt aber extrem theoretisch. Platow: Wir müssen den Anlegern die Mög- lichkeit geben, ihrem Geld eine ethische, ökologische und auch soziale Richtung mit- zugeben. Und wir müssen sie konsequent und transparent darüber aufklären, dass über fondsgebundene Rentenversicherungsproduk- te wie auch die Direktanlage in Aktien oder via Investmentfonds bestimmte Unternehmen und Produkte mitfinanziert werden und damit deren Existenz erst möglich gemacht wird. Die Anleger sollen daher bewusst selbst ent- scheiden, ob sie Miteigentümer eines Atom- kraftwerks oder einer Waffenfabrik sein wol- len beziehungsweise ob sie mit ihrem Geld auch umweltunverträgliche, Menschen dis- kriminierende und ausbeuterische Unterneh- mungen unterstützen möchten, um daraus ihren finanziellen Gewinn in Form von Ren- dite zu ziehen. Das politische Statement ist in der Geldanlage ein ganz entscheidender Faktor: Unmündig sind diejenigen, die in ihrer persönlichen Geldanlage ihre politischen, ethischen, ökologischen und sozialen Wert- vorstellungen mit Füßen treten oder über den Haufen werfen. Mitglied im Bund für Um- welt und Naturschutz zu sein sollte sich nicht damit vertragen, sein Geld in BP-Aktien und Rüstungstreiber zu investieren. Heuser: Hier müssten Sie, Herr Dr. Söhnholz, doch widersprechen, wenn Sie eingangs festgestellt haben, dass Ökolo- gie gut für Verbraucher und Umwelt, aber nicht für Kapitalanlager ist? Söhnholz: Ich beschäftige mich vor allem da- mit, wie man als Fondsmanager die Perfor- mance der Anleger verbessern beziehungswei- se die Risiken ihrer Kapitalanlage reduzieren kann. Denn auch wenn wir Nachhaltigkeit und ESG-Investments prinzipiell gut finden, dann haben wir als Fondsgesellschaft doch in erster Linie den Auftrag, für die Anleger un- serer Fonds eine möglichst gute Rendite zu erwirtschaften beziehungsweise auf diesem Weg nur akzeptable Risiken in Kauf zu neh- men. Deshalb haben wir versucht, das Thema quantitativ in den Griff zu bekommen, indem wir aus insgesamt 148 Datenpunkten, die wir über unseren Datenlieferanten zum Thema ESG bekommen, jene herausfiltern, die für unser Modell in dieser Hinsicht einen echten Mehrwert bieten. Das Ergebnis ist nun einmal so, dass nur sehr wenige dieser Kriterien sich tatsächlich dazu eignen. Und in Bezug auf eine Optimierung von Rendite und Risiko waren nun einmal ökologische Aspekte nicht besonders hilfreich. Platow: Das nehme ich Ihnen aber so nicht ab. Ihr Argument, dass Sie den gesetzlichen Auftrag haben, für Ihre Anleger stets eine op- timale Rendite zu erwirtschaften, lässt sich doch durch nichts belegen. Einmal abgesehen davon, dass in den vergangenen zehn Jahren sowohl auf Seiten der institutionellen wie auch der privaten Anleger bei der Reflexion der Erwirtschaftung von Performance eine echte Einstellungsveränderung bereits stattge- funden hat, stehen Sie aus meiner Sicht in er- ster Linie unter dem Druck Ihrer Eigentümer, weil wir uns immer noch in einem Markt be- finden, in dem vor allem Performances ver- glichen werden. Und wenn Ihre Fonds bei solchen Vergleichen immer oben stehen, dann sind Ihre Eigentümer bereit, neues Geld zu geben, damit Sie damit durch entsprechende Skaleneffekte möglichst noch mehr Geld ver- dienen können. In der Investmentwelt von heute mögen Sie mit dieser Einstellung rich- tigliegen, aber zukunftsorientiert ist das nicht, weil Sie schon jetzt in einer Sackgasse sind. Die Menschen, vor allem die jüngeren Gene- rationen, werden intelligenter hinterfragen und damit ein anderes Verständnis dafür bekom- men, was mit ihrem Geld passiert. Fotos © Oliver Schmauch Alfred Platow (Ökoworld): „Das Argument einer guten Unternehmensführung zieht nur deshalb so vortrefflich, weil man sich gut daran festhalten kann, weil Regierungen und Universitäten es als besonders vorteilhaft abgesegnet haben.“ » Der entscheidende Punkt im Umgang mit dem Geld Dritter ist doch, als Erstes einmal genau zu hinterfragen und zu verstehen, was der Investor eigentlich will. « Alfred Platow, Ökoworld markt & strategie I alfred platow | dirk söhnholz

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