FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2015

240 www.fondsprofessionell.de | 1/2015 vertrieb & praxis I publikumsfonds Foto: © Allianz Global Investors I n die alten Büros will bei Allianz Global Investors (AGI) wohl niemand zurück. Schon das große Foyer des revitalisierten Triton-Hauses im Frankfurter Westend ver- deutlicht, dass hier keine kleine Fondsbude, sondern ein weltweit operierender Asset Ma- nager seine Zentrale hat. Auch die anderen Räumlichkeiten sind deutlich heller und freundlicher als etwa in der Mainzer Land- straße, wo große Teile des Teams bis Frühjahr 2013 untergebracht waren. Vor allem aber sind die Mitarbeiter nicht mehr auf verschie- dene Standorte verteilt: Im Triton ist auf zehn Stockwerken mit mehr als 30.000 Quadrat- metern Bürofläche Platz für alle. Vielleicht hat auch diese neue Atmosphäre ihren Teil dazu beigetragen, dass das Geschäft zuletzt so gut lief: Allein mit Publikumsfonds sammelte AGI 2014 fast 15,7 Milliarden Euro in Deutschland ein – mehr als jedes andere Mit- glied des Branchenverbandes BVI. Dass ein Anbieter binnen eines Jahres so viel frisches Geld einwerben konnte, gab es seit demAus- bruch der Finanzkrise 2007 nicht mehr. AGI ist zwar die Nummer eins, aber kei- neswegs ein Einzelfall, auch für viele andere Fondsanbieter war 2014 ein gutes Jahr. In Summe vertrauten Anleger den Wertpapier- publikumsfonds der BVI-Mitglieder 33,8 Mil- liarden Euro an, so viel wie zuletzt 2005. Rechnet man andere Fondskategorien mit ein, etwa Spezialfonds für institutionelle Investo- ren, blickt die Branche dem Verband zufolge sogar auf ein Rekordjahr zurück. Doch ganz so rosig, wie der BVI es gern hätte, ist die Lage nicht – zumindest nicht im Geschäft mit aktiv verwalteten Wertpapierpu- blikumsfonds. Die BVI-Statistik erlaubt streng genommen keine Vergleiche über längere Zeiträume hinweg, denn sie erfasst Monat für Monat nur die Zahlen der meldenden Vollmit- glieder. Verlässt ein Anbieter den Verband, zeigt die Statistik ein Minus – kommt einer hinzu, werden unter Umständen Zuwächse suggeriert, die real gar keine waren. Weil die Zahl der BVI-Vollmitglieder über die Jahre deutlich gestiegen ist, fällt der Trend daher insgesamt zu positiv aus. Hinzu kommt eine weitere mögliche Fehlerquelle: Eigentlich sol- len die BVI-Zahlen das Deutschlandgeschäft der Anbieter abbilden. Bei ETFs ist das je- doch nicht möglich, weil die meisten dieser Fonds europaweit börsengehandelt werden. Um für einen Rückblick bis ins Startjahr der Finanzkrise mit vergleichbaren Daten zu ope- rieren, hat FONDS professionell die Zahlen jener 39 Anbieter ausgewertet, die dem BVI seit mindestens 2007 konstant Daten zur Ver- fügung stellen. Während sich die jährlichen Zuflüsse der unbereinigten BVI-Statistik seit 2007 auf 61,8 Milliarden Euro summieren, kommen die „konstanten Zahlenmelder“ nur auf ein Plus von 5,1 Milliarden Euro. In dieser Summe stecken allerdings 36,6 Milliarden Euro Zuflüsse in ETFs, die wie erwähnt nur europaweit erfasst werden können. Aus aktiv verwalteten Wertpapierpublikumsfonds der 39 untersuchten Investmenthäuser flossen unterm Strich also 31,5 Milliarden Euro ab. Damit hat jeder Bundesbürger seit 2007 im Schnitt fast 400 Euro aus Fonds der langjährigen BVI- Mitglieder abgezogen – in einer Zeit, in der private Altersvorsorge und Vermögensaufbau immer wichtiger werden. Diese Auswertung darf nicht zu dem Schluss verleiten, dass sich Deutschlands Fondsbranche nach außen feiert, während sie innerlich darbt. Populäre Vermögensverwalter wie Flossbach von Storch oder Ethenea, denen Anleger seit Jahren Milliarden anver- trauen, melden ihre Zahlen dem BVI erst ver- gleichsweise kurze Zeit. Ihre Erfolgsgeschich- ten bleiben in der Analyse daher unberück- sichtigt. Die Rechnung zeigt eher, wie schwer viele der etablierten Anbieter von der Finanz- und Vertrauenskrise getroffen wurden. Ein Blick auf die Zahlen der acht größten BVI-Mitglieder, die jeweils mehr als zehn Milliarden Euro in Wertpapierpublikumsfonds verwalten, untermauert diese Beobachtung (siehe Grafiken nächste Seite): Längst nicht alle konnten die hohen Abflüsse der Finanz- krisenjahre kompensieren – obwohl Aktien- und Rentenmärkte von einem Hoch zum nächsten eilen. Aus Sicht der Anbieter ist es nur ein schwacher Trost, dass ein großer Teil des Minus auf eher margenschwache Geld- marktfonds zurückzuführen ist. AGI gehört dank der hohen Zuflüsse 2014 zu den wenigen großen Häusern, die inzwi- schen deutlich mehr Geld verwalten als vor der Finanzkrise. „Bereits seit geraumer Zeit Dem BVI zufolge warb die Investmentbranche 2014 so viel Geld ein wie nie zuvor. Doch die Statistik zeichnet ein zu positives Bild – zumindest für Publikumsfonds. Rekordjahr mit Fragezeichen Allianz Global Investors zog seine Frankfurter Einheiten vor knapp zwei Jahren im runderneuerten Triton-Komplex zu- sammen. Seither stimmen auch die Absatzzahlen: Publikumsfonds der Allianz-Tochter verkauften sich 2014 prächtig.

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