FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2015

264 www.fondsprofessionell.de | 1/2015 vertrieb & praxis I vermögensverwalter Foto: © Geotrac | Dreamstime.com S chon die alten Phönizier wussten: „Jammern ist der Gruß der Kaufleute.“ Aber das lauter werdende Jammern der unabhängigen Vermögensverwalter über die überbordende Regulierung sollte nicht als der übliche Kaufmannsgruß abgetan werden – es scheint mehr dahinter zu stecken. Die zuneh- mende Regulierung hat inzwischen Ausmaße angenommen, die es kleineren Finanzport- folioverwaltern fast unmöglich macht, ihre eigentliche Aufgabe zu erfüllen – nämlich die Betreuung und Mehrung der Kundenvermö- gen. Spricht man mit Betroffenen, wird rasch klar, wie lästige Reporting-Pflichten, höhere Versicherungsbeiträge und skurril wirkende Vorgaben aus dem Arbeitsrecht ihr Geschäft bremsen – und welche ungewollten Konse- quenzen diese Bürokratie hat. 15.000 Euro für Meldesoftware Schon das EU-Regulierungswerk MiFiD i, das seit 2007 umgesetzt wurde, führte dazu, dass einige Vermögensverwalter kapitulierten oder Deutschland verließen. Heinrich Morgen ist einer von ihnen: Er verkaufte sein Haus und seine Vermögensverwaltungsfirma in Oberursel – und wanderte 2008 mit seiner Familie in die Schweiz aus. „ich habe eine Allergie gegen Überbürokratie“, sagt Morgen. „Damals habe ich meinen Schritt in einem Abschiedsbrief an Freunde und Kollegen aus- führlich erläutert. Aber dass seitdem der Er- findungsreichtum der Bürokraten immer neue Vorschriften mit noch mehr Momentum schaffen würde, hatte ich damals nicht erahnt.“ Morgen erläutert, dass MiFiD i eine „schlimme Regulierung“ war, die viele lästige Pflichten für Vermögensverwalter enthielt, oh- ne dass ein Nutzen für die Kunden erkennbar war oder weitere Betrugsfälle und Pleiten ver- mieden werden konnten. „MiFiD ii ist nun noch viel schlimmer, weil das Werk noch mehr Regeln enthält“, meint Morgen. „Mit Dokumentation, Reporting und sonstigen Vor- schriften sind deutsche Vermögensverwalter oft länger beschäftigt als mit ihrer eigentlichen Arbeit. Das ist doch kein Kundenschutz!“ Einen ähnlichen Tenor haben viele Gesprä- che mit Vermögensverwaltern. Auch iCM- Vorstand Norbert Hagen, der den Leonardo- Ui-Fonds managt, beschwert sich über die zu- nehmend schwieriger werdende Situation für seinen Berufsstand: „Das Meldewesen wird zur immer größeren Belastung. Wir füllen pro Quartal mittlerweile fast 100 Einzelmeldebö- gen für die nationale und die europäische Auf- sicht aus. Dabei verlangt die Bundesbank ein anderes Datenformat als die European Ban- king Authority, sodass man am Ende an einer speziellen Meldesoftware nicht vorbeikommt. Allein für diese werden Preise von bis zu 15.000 Euro pro Jahr aufgerufen.“ Das Haupt- problem seien allerdings die Daten selbst: Allein die deutsche „Bedienungsanleitung“ für die seit 2014 fälligen Meldungen an die europäische Aufsicht, die als Verordnung im EU-Amtsblatt veröffentlicht wurde, habe mehr als 1.600 Seiten, erklärt Hagen. Dieses Dokument diene nur dazu, Fragen zu klären, die die in Englisch verfassten und zu befül- lenden Formulare aufwerfen. EdW: „Finanzielles Debakel“ Als weiteren Knüppel, den die Bürokratie den Vermögensverwaltern zwischen die Füße wirft, nennt Hagen die Entschädigungsein- richtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW). Zum Hintergrund: Die Phoenix-Pleite im Jahr 2005 hatte den Kunden rund 600 Mil- lionen Euro Schaden beschert. Da der Ent- schädigungstopf der EdW aber noch kaum gefüllt war, müssen nun alle Vermögensver- walter gemeinsam die Suppe auslöffeln – und über viele Jahre die Entschädigungsbeträge für die Phoenix-Kunden aufbringen. „Für das Jahr 2014 haben wir von Kollegen gehört, dass sie bis zu 45 Prozent ihres Ergebnisses nach Steuern bei der EdW abliefern mussten“, sagt Hagen. „Wir konnten bislang durch die Bildung eines Fonds für Bankrisiken den EdW-Beitrag gering halten, da eine solche Dotierung als Abzugsposten vom Ergebnis gilt. Aber das ist durch die letztjährige Ände- rung der Beitragsverordnung nun passé.“ Jetzt werde die EdW auch für die größeren unter den freien Vermögensverwaltern zum „finan- ziellen Debakel“. Auch ihnen bleibt nichts anderes übrig, als die EdW-Mittel auf ihre Ge- bühren und Honorare umzulegen. Letztlich zahlt sie also der Kunde. Hagen erklärt, dass neben den EdW-Kosten auch die Prämien für die Vermögensschaden- haftpflichtversicherung (VSH) steigen. Zudem würden immer mehr Bereiche aus der Versi- Immer mehr Vermögensverwalter ächzen unter der überbordenden Regulierung. Sie bringt Kunden kaum mehr Sicherheit, behindert aber den Wettbewerb. Über reguliert Wer in Deutschland Vermögen verwalten will, muss sich vor allem mit den unterschiedlichsten Vorgaben der umfassenden Regulierung beschäftigen; für die eigentliche Aufgabe bleibt dabei deutlich weniger Zeit als früher.

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=