FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2016

226 www.fondsprofessionell.de | 4/2016 telzu- oder -abflüsse in Fonds kommen durch Ausgabe und Rücknahme der Anteilsscheine zustande. Um die Zuflüsse zu reduzieren, muss also die Ausgabe der Anteilscheine ein- geschränkt werden. „Damit fällt die Umset- zung eines Soft Close in den Bereich der so- genannten Anteilsscheingeschäftssteuerung“, erläutert Michael Koschatzki, Head of Product Platform Engineering bei der Deutschen Asset Management. Gemeint ist die Kontrolle des Weges, den der Euro des Anlegers nimmt, bis er in den Fonds investiert ist – von der Kauf- order über die Bank und den „Transfer Agent“ bis hin zur Verwahrstelle des Fonds (eine genaue Beschreibung des Anteilsscheinge- schäfts lesen Sie in FONDS professionell 2/2016 ab Seite 224). Die verschiedenen Möglichkeiten eines Soft Close greifen direkt bei der Kauforder des Anlegers. Eine geläufige Variante ist es, keine Kaufaufträge mehr anzunehmen und den Fonds so zu schließen. Ausnahmen gibt es nur für bestehende Sparpläne. „Das ist ein sinnvoller Weg, da die Fondsgesellschaften so die Mittelzuflüsse genau kalkulieren können“, sagt Ralf Reusch, Gruppenleiter Open Archi- tecture Institutional bei der Fondsdepot Bank. „Außerdem ist das für die Anleger und deren Berater, die sich langfristig mit einem Spar- plan für einen Fonds entschieden haben, die fairste Lösung.“ Ein andere Möglichkeit ist es, nur die Anteilsklassen für institutionelle Investoren zu sperren. Allerdings ist das nicht effektiv: Die Investoren würden dann einfach Retailtranchen kaufen, wie Abwicklungs- spezialisten unisono berichten. Agio einbehalten Weit verbreitet ist auch, den Fonds grund- sätzlich offen zu lassen, den Ausgabeauf- schlag aber nicht wie sonst üblich an den Ver- trieb weiterzuleiten, sondern in voller Höhe dem Fondsvermögen gutzuschreiben. „Das Einbehalten des Agios für den Fonds bremst natürlich den Vertrieb und hält institutionelle Anleger wie Dachfonds gänzlich ab“, erklärt David Gaschik, Deutschlandchef von First State. „Auch die Fondsplattformen und ande- re depotführende Stellen erhalten keine Ver- gütung mehr, sodass sie den Fonds oftmals von ihren Listen streichen.“ Dass First State bei einem Soft Close die- sen Weg wählt, liegt an den Regeln für briti- sche Fonds. „Ein nach britischem Recht auf- gelegter Fonds darf Anleger nur aus ,sachge- rechten‘ Gründen ablehnen“, so Gaschik. Das betreffe etwa US-Staatsbürger, da die Ausgabe von Anteilsscheinen an einen Amerikaner steuerlich komplex und daher mit hohen Kos- ten für den Fonds verbunden wäre. Die An- teilsausgabe zeitweise generell einzustellen, sei für einen britischen Fonds dagegen keine Option, so Gaschik. Abhängig von den Plattformen Bei Fonds aus Deutschland oder Luxem- burg dagegen ist es sogar möglich, ein Port- folio lediglich für neue Kunden zu sperren. Möglich ist auch, Orderhöchstgrenzen einzu- ziehen: Kunden können pro Tag, Woche oder Monat nur Anteile in bestimmter Höhe zeich- nen. Mitunter werden beide Maßnahmen kombiniert – wie beim Nordea Stable Return. Welche Form des Soft Close gewählt wird, hängt nicht allein von der KVG ab. Da sie selbst gar nicht Teil der Abwicklungskette ist, muss sie sich hierfür auf ihre Vertriebspartner wie Fondsplattformen oder Banken verlassen. „Die Plattformen erörtern mit den Fonds- gesellschaften, was diese möchten. Dann wird geschaut, ob und wie das umgesetzt werden kann“, so Nonner. Hier kann es zwischen den Parteien auch „knirschen“, wie zu hören ist. Ein Soft Close stellt die Abwickler hin und wieder nämlich vor große Herausforderungen. Einige Platt- formen stoßen dem Vernehmen nach mitunter an ihre technischen und organisatorischen Grenzen. Sie können die gewünschte Umset- zung eines Soft Close nicht oder nur einge- schränkt anbieten, etwa weil ihre Systeme bei Kauforders nicht zwischen neuen und alten Kunden unterscheiden können. Das erklärt auch, warum es zum Ärger vieler Vermittler und ihrer Kunden passieren kann, dass ein Fonds während eines Soft Close bei einer Plattform erhältlich ist, bei einer anderen aber nicht: Letztere hat den Fonds wegen Umset- zungsproblemen von ihrer Liste genommen. Das Mittel wirkt Die Plattformen sind aber nicht nur für die technische Umsetzung des Soft Close verant- wortlich. Sie sind auch ein wichtiger Teil der Informationskette. „Die geplante Reduzierung der Mittelzuflüsse muss schließlich auch den Vertriebspartnern und Depotbanken mitgeteilt werden. Diese sind für die Kommunikation mit den Kunden verantwortlich“, so Ko- schatzki. Dabei informiert die KVG die Ban- ken und Plattformen, die wiederum die Nach- richt an Endkunden, Pools und Berater wei- terleiten. Die Kaufbeschränkungen werden auch in den Factsheets und anderen Doku- menten vermerkt. Eine wichtige Rolle spielen auch die Maklerpools. Einige von ihnen bau- en in ihren Beratungssystemen Vermerke ein und sperren einen Fonds. Der Berater muss dann zuerst prüfen, ob die gerade beratene Person ein Bestands- oder Neukunde ist. Beim Nordea Stable Return jedenfalls haben die Schritte offenbar gewirkt: Im Oktober flossen dem Fonds nur noch gut 250 Millio- nen Euro zu. JENS BREDENBALS | FP vertrieb & praxis I soft close Foto: © Marlene Fröhlich Peter Nonner, FFB: „Ein Soft Close meint, dass ein Publikumsfonds nicht komplett geschlossen wird.“ Keine Statistik Die Zahl der Fonds, für die ein Soft Close gilt, ist nicht bekannt. Eine Auswertung von Morningstar für FONDS professionell ergab, dass rund 150 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Anteilsklassen von Fonds geschlos- sen sind (Soft und Hard Close). Die Zahl ist aber allen- falls eine Näherung: Den Gesellschaften ist es freigestellt, ob sie Morningstar eine Schließung melden, sodass die Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Der bekannte Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen , für den seit Mai dieses Jahres ein Soft Close gilt, fehlt in der Aufzählung des Datenanbieters jedenfalls. Zu den bekannteren Fonds mit Soft Close auf der Liste zählen der MFS Meridian Prudent Wealth , der JP Morgan Europe Equity Plus , der JOHCM Global Select und der JOHCM European Select Values . AK TUE L L ER H I NWE I S : Verpassen Sie nicht den Vortrag „Gibt es Stable Return 2?“ von Nordea-Portfoliomanager Karsten Bierre am FONDS professionell KONGRESS , Mannheim, 25. + 26. Januar 2017 Anmeldung: www.fondsprofessionell.de

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