FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2018

128 www.fondsprofessionell.de | 4/2018 roundtable I aktiv/passiv Hans Heuser (FONDS professionell): Es ist eine Tatsache, dass passiv gemanagte Fonds nach wie vor deutliche Zuflüsse haben, während der aktive Bereich zu- letzt mit erheblichen Abflüssen zu kämp- fen hatte. Wo stehen wir aus Ihrer Sicht heute in der Diskussion um aktiv versus passiv? Oliver Lang (Jung, DMS & Cie.): Die Dis- kussion um die Frage aktiv oder passiv führt meiner Ansicht nach immer noch häufig in die falsche Richtung. Im Grunde geht es gar nicht um ein „Entweder-Oder“, denn am Markt hat sich längst so etwas wie ein „Sowohl-als- Auch“ etabliert. Im Grunde weiß doch jeder, dass es nicht ausreichen kann, nur einfach irgendein Produkt zu haben, um im Vertrieb er- folgreich zu sein, denn am Ende entscheidet der Anlageerfolg des Kunden. Mein Plädoyer geht deshalb in eine ganz andere Richtung: Es müsste viel mehr unternommen werden, damit Men- schen überhaupt investieren. Denn die Aktien- quote oder die Investmentquote sind insgesamt noch immer viel zu gering. Die Frage, ob aktiv oder passiv, ist sicher wichtig zu entscheiden, aber wenn wir die Menschen davon überzeugen könnten, mehr in die Kapitalmärkte, mehr in Sachwerte zu investieren, wäre schon sehr viel gewonnen. Heuser: Aber aus Ihrer Sicht als Verant- wortlicher in einemMaklerpool: Stimmt denn immer noch die simple Aufteilung, dass Honorarberater ETFs verwenden und Provisionsberater weiterhin aktive Fonds vermitteln müssen, damit sie über- haupt etwas verdienen? Lang: So pauschal lässt sich das sicher schon lange nicht mehr sagen. Es gibt sehr viele Berater, die vor allem aktive Produkte vermitteln, in bestimmten Bereichen oder aus Kostengründen aber bewusst auch auf passive Produkte wie ETFs setzen. Wenn ein Makler sich eines aktiven Produkts bedient, dann in erster Linie in Märkten, in denen er für seinen Kunden einen Mehrwert erwartet oder in denen ein passives Produkt keinen Sinn ergibt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch noch eine Art Generationswechsel unter den Beratern. Unter den älteren Maklern, die immer noch einen Großteil unserer Partner ausmachen, ist die Bin- Standort bestimmung Die Diskussionsteilnehmer (v. l. n. r.): Sebastian Külps (Vanguard), Ali Marsawah (Morningstar), Sascha Specketer (Invesco), Christian Machts (Blackrock), Ferdinand Haas (DWS), Thorsten Schrieber (DJE Kapital), Alexander Schmidt (Alexander Schmidt Honorarberatung), Ulrich Zorn (CSR Beratungsgesellschaft), Oliver Lang (Jung, DMS & Cie.) Fotos: © Christoph Hemmerich Fragen rund um das Thema aktives versus passives Investieren beschäftigen die Branche nach wie vor. Die Redaktion hat in einer Runde von ausgewiesenen Investmentexperten darüber diskutiert. » Im Grunde geht es gar nicht um ein › Entweder-Oder ‹ , denn am Markt hat sich längst so etwas wie ein › Sowohl-als-Auch ‹ etabliert. « Oliver Lang, Jung, DMS & Cie.

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