FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2019

Foto: © Robert Kneschke | stock.adobe.com, Ideenwerk E s klingt wie eine Werbung der privaten Krankenversicherer, gibt aber den Ernst der Lage wieder: Die gesetzlichen Krankenkassen interessieren sich beim Zahn- arzt nur noch für zwei Dinge: Regelversor- gung und Festzuschüsse. Wer mehr will, muss den eigenen Geldbeutel öffnen. Dabei ist mehr Leistung überhaupt kein Luxus, sondern einfach die nachhaltigere Lösung, insbeson- dere beim Zahnersatz. Der aktuelle Zahngesundheitsatlas der Bar- mer Ersatzkasse weist aus, dass Kassenpatien- ten für Zahnersatz im Schnitt 58 Prozent der Kosten selbst tragen müssen. Die Preise schwanken dabei regional kräftig – zwischen durchschnittlich 628 Euro in Sachsen-Anhalt und 1.228 Euro in Bayern. Barmer-Chef Christoph Straub hält die sogenannte Regel- versorgung bei der zahnärztlichen Behandlung von gesetzlich Versicherten für ausreichend. „Sie wird aber regional sehr unterschiedlich in Anspruch genommen“, so Straub weiter. Zum Hintergrund: Die Kassen haben ihre Leistungen beim Zahnarzt massiv abgespeckt – auch für Patienten, die regelmäßig zur Kon- trolle gehen und eifrig ihr Bonusheft abstem- peln lassen. Seit 2005 werden nur noch Fest- zuschüsse gezahlt. Das ist allenfalls die Hälfte dessen, was als ausreichende, notwendige und wirtschaftliche Basistherapie definiert ist, heißt es bei der Verbraucherzentrale Nord- rhein-Westfalen. Ab zehn Jahren lückenlos dokumentierter Vorsorge im Bonusheft steigt der Festzuschuss auf maximal 65 Prozent. Der Rest ist Privatsache. Bei einer einfachen Kro- ne etwa zahlt die Kasse trotz Höchstbonus nur noch rund 200 Euro – bei Gesamtkosten, die sich auf grob 630 Euro belaufen. Bei einem Inlay steuert die gesetzliche Versicherung bloß 50 Euro zum Gesamtbetrag von etwa 660 Euro bei. Noch teurer wird es beim Implantat: Mit Krone sind fast 4.000 Euro fällig, doch die Kasse zahlt davon maximal 472 Euro. Da kann einem das Lächeln schnell vergehen. Einen Ausweg aus der Kostenfalle sehen Marktteilnehmer nur in einer privaten Zahn- zusatzversicherung. Nach Angaben des Ver- bandes der privaten Krankenversicherung (PKV) wurde 2018 erstmals die Marke von 16 Millionen Zusatzversicherungen übertrof- fen, nachdem 343.00 Verträge hinzugekom- men waren (siehe Grafik nächste Seite). Auf Sicht von zehn Jahren ist die Zahl der Policen um fast fünf Millionen oder ein gutes Drittel gestiegen – entweder über individuelle Ver- träge oder über Gruppentarife im Rahmen der betrieblichen Krankenversicherung (bKV). „Der Trend zu mehr privater Vorsorge ist ungebrochen“, erklärt PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Er kritisiert zugleich, dass Arbeitgeber die gewährten Zuschüsse zur bKV seit 2013 als Barlohn versteuern müssen, obwohl der Bundesfinanzhof dies verworfen hatte (Az.: VI R 13/16). Die Finanzverwal- tung reagierte darauf bisher nur mit einem ihrer umstrittenen „Nichtanwendungserlasse“ und plant nun, im Jahressteuergesetz die Bei- träge zur bKV generell als steuerpflichtigen „Barlohn“ einzuordnen. Unstrittig ist der Vorteil von Zahnzusatz- policen aus Kundensicht dennoch: Selbst mit schlechtem Tarif muss der Patient nur ein Viertel der Restkosten für seinen Zahnersatz berappen. Kein Wunder, dass Finanzberater ihre Kunden zunehmend auf Handlungsbedarf aufmerksam machen. Der Absatz ist reißend: Zahnpolicen finden sich bei sämtlichen 49 privaten Krankenversicherern im Angebot – und bieten von allen Zusatzversicherungen das größte Wachstumspotenzial. Dickicht an Tarifen Bei hunderten Tarifen drängt sich allerdings die Frage auf, wie gut die Angebote sind. „Marktweit existiert ein breites Angebot an kundenfreundlichen Versicherungsbedingun- gen, mit denen Berater ihren Kunden zu zweckmäßig erweitertem Zahnschutz verhel- fen können“, stellt Reiner Will fest. Grund- sätzlich habe sich der Leistungsumfang der Zahntarife in den zurückliegenden zehn Jah- ren deutlich verbessert, lobt der Geschäftsfüh- rer der Ratingagentur Assekurata in Köln. Während bei früheren Tarifgenerationen meist Die Zahnversicherung hat sich zur wichtigsten PKV-Zusatzversicherung entwickelt. Doch die Suche nach einer geeigneten Privatpolice birgt für Makler manche Tücke. Damit der Kunde lächeln kann Von einem solchen Gebiss träumen wahrscheinlich die meisten. Ohne professionelle Zahnreinigung geht das kaum. Wohl dem, der eine Versicherung hat, die auch diese Kosten übernimmt. » Marktweit existiert ein breites Angebot an kundenfreundlichen Versicherungsbedingungen. « Reiner Will, Assekurata 266 www.fondsprofessionell.de | 3/2019 fonds & versicherung I zahnzusatz

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