FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2019

Er betrachtet sein Musterdepot mit aktiv gemanagten Fonds (siehe nächste Seite) aus einer eher unüblichen Perspektive: Das „Ba- sisportfolio“, das hauptsächlich aus Aktien- fonds besteht, macht 65 Prozent der Anlage- summe aus. Hinzu kommt ein 20 Prozent gro- ßer „Risikoglätter“-Baustein, in dem sich Renten- und Mischfonds, aber auch ein Divi- dendenfonds finden. Die restlichen 15 Prozent entfallen auf „Renditekicker“: zwei chancen- reiche, allerdings auch volatile Aktienfonds. Suche nach Outperformern Tim Bröning, der das Investmentgeschäft der Fonds Finanz verantwortet, stützt sich bei der Portfoliokonstruktion auf die vierteljähr- liche Kapitalmarkteinschätzung des Makler- pools. Für Fondsanalyse und Depotüberwa- chung greift er auf Morningstar Direct zurück. „Alle Portfolios verfolgen eine langfristige Strategie, das heißt, es findet keine kurzfristige Allokation oder Absicherung statt“, sagt er. Die Wertentwicklung resultiere aus der über- geordneten Asset Allocation und der Auswahl überdurchschnittlicher Fonds. „Dabei halten wir nach aktiv gemanagten Fonds Ausschau, die mittel- bis langfristig in der Lage sind, risikoadjustiert ihre Vergleichsgruppe zu schlagen“, so Bröning. Jung, DMS & Cie. (JDC) und BCA schla- gen auf die Anfrage von FONDS professio- nell standardisierte Vermögensverwaltungen vor, die zum vorgegebenen Kundenprofil passen. Gesteuert werden sie von den haus- eigenen Finanzportfolioverwaltern. Bei JDC ist das die BB-Wertpapier-Verwaltungsgesell- schaft aus Augsburg. Deren Geschäftsführer Antonio Biondo wendet für seine Strategie- depots keine Softwaretools an. „Vielmehr ver- folgen wir einen antizyklischen Ansatz und übergewichten im Verhältnis günstig bewer- tete Märkte und Themen“, erläutert er. Hauseigene Strategien Marc Sattler, Vorstand der BCA-eigenen Bank für Vermögen (BfV), schlägt als Port- folio mit aktiv verwalteten Fonds die „BfV Futuretrends Strategie“ vor. „Bei der Portfo- liozusammenstellung liegt der Schwerpunkt auf der Beteiligung an Unternehmen, die als zentrale Treiber des Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft für globalen Fortschritt und Innovation sorgen“, sagt er. Grundlage sei die Trend- und Zukunftsforschung, also die sys- tematische Beobachtung, Beschreibung und Bewertung neuer Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft – sei es im Gesundheits- wesen, mit Blick auf Konsumgewohnheiten, Medien, Kultur oder Arbeitswelt. „Technolo- gische Entwicklungen und der demografische Wandel weltweit gestalten die Zukunft ent- scheidend mit“, sagt Sattler. „Genau durch solche Megatrends sind Unternehmen und ganze Branchen neu entstanden oder auch verschwunden.“ Bei der passiven Strategie schlägt Sattler das „Portfolio ETF-VV global“ vor. „Ziel ist es, die Bereiche und Branchen der Weltwirt- schaft herauszufiltern, die ein nachhaltiges sowie konjunktur- und marktunabhängiges Wachstum bieten“, erläutert er. „Durch unse- ren Auswahlprozess entsteht ein Portfolio, das sich aus breit gestreuten ETFs für wachstums- starke Regionen einerseits und spezifischen Branchen- und Länder-ETFs andererseits zusammensetzt.“ Bei der ETF-Selektion ach- ten Sattler und seine Kollegen einerseits auf quantitative Kriterien wie die Liquidität, die Abweichung vom Index und die Kosten. Foto: © Axel Gaube; Daniel Ingold Tim Bröning, Fonds Finanz: „Die Wertentwicklung resultiert aus der Asset Allocation und der Fondsauswahl.“ Martin Eberhard, Fondskonzept: „Wir als Maklerpool sind produktneutral und empfehlen selbst keine Fonds.“ Portfolios für einen Musterkunden Erhebung: Maklerpools sind nicht nur reine Abwickler, viele unterstützen ihre Vermittler auch mit Fondsresearch und Portfolio-Tools. Doch wie kann eine solche Hilfestel- lung konkret aussehen? Das wollte FONDS professionell von den Pools mit großem Investmentgeschäft wissen – und bat sie, konkrete Beispielportfolios für einen Mus- terkunden zu konstruieren. Portfolios: Die Redaktion bat die Maklerpools, für diesen Beispielkunden bis zu drei Musterportfolios beizusteuern: eines mit aktiv verwalteten Fonds, ein Portfolio mit passi- ven Produkten (ETFs, Indexfonds) und ein Portfolio mit Nachhaltigkeitsfonds. Weitere Restriktionen, etwa mit Blick auf Währungen oder Kosten, gibt es nicht. Musterkunde: Der erfahrene Anleger ist 50 Jahre alt und möchte 250.000 Euro aus einer Erbschaft anlegen. Er benötigt das Geld auf absehbare Zeit nicht für andere Zwecke, es soll für mindestens zehn Jahre angelegt sein und der allgemeinen Vermögensbildung dienen. Der Kun- de beschreibt seine Risikobereitschaft als offensiv. Theo- retisch kann er den Verlust des eingesetzten Kapitals ver- kraften, er gibt jedoch zu Protokoll, dass die zwischen- zeitlichen Verluste 30 Prozent nicht überschreiten sollten. Teilnehmer: Sechs Maklerpools beteiligten sich mit je- weils zwei bis drei Musterdepots. Bei BCA, Fondsnet, Fonds Finanz und Netfonds konstruierten die hauseigenen Investmentspezialisten die Beispielportfolios. Zum Teil ver- wiesen sie auch auf bestehende Strategien, die beispiels- weise in einer standardisierten Vermögensverwaltung um- gesetzt werden. Jung, DMS und Cie. wies den Auftrag an den mit dem Konzern verbundenen Vermögensverwalter, die BB-Wertpapier-Verwaltungsgesellschaft, weiter. Fonds- konzept betont, produktneutral zu arbeiten und deshalb keine Produkte zu empfehlen oder Portfolios zu entwerfen. Die Musterportfolios stammen daher von Fondsfueralle, einem angebundenen Maklerunternehmen. » Im Kern der Optimierung steht die sinnvolle Diversifikation, die insbesondere über stabile Korrela- tionen erreicht werden soll. « Sasa Perovic, Netfonds 270 www.fondsprofessionell.de | 4/2019 vertrieb & praxis I maklerpools

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