FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2020

Foto: © Christoph Hemmerich D ie jüngsten Kursrückgänge an den Kapitalmärkten sind auch an den Fonds der DWS nicht spurlos vor- übergegangen. Im Bereich der von der Gesellschaft in passiven Instrumenten ver- walteten Gelder sind die Assets von 156 Milliarden Euro Ende 2019 auf 133 Mil- liarden Euro Ende März zurückgegangen. Dennoch bleibt die DWS in diesem Sek- tor der größte europäisch domizilierte An- bieter innerhalb Europas. Im Interview er- klärt Simon Klein, Leiter Vertrieb für Europa, Afrika, den Nahen Osten und Asien, warum es unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten einen erheb- lichen Unterschied macht, ob Anleger sich für einen europäischen Anbieter oder ein US-Haus entscheiden. Herr Klein, können Sie nachvollziehen, dass viele Beobachter daran zweifeln, dass speziell bei passiven Investments Aktionärsrechte und ESG-Kriterien aus- reichend Berücksichtigung finden? Simon Klein: Ich kann es nur bedingt ver- stehen, denn man muss hier durchaus diffe- renzieren. Zum einen wird dabei sozusagen die Vergangenheit in die Gegenwart extrapo- liert, zum anderen muss man schon feststellen, dass es nach wie vor deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern von ETFs und anderen passiven Investments in Bezug auf diese Frage gibt. Einmal der Reihe nach: Was meinen Sie mit „in die Gegenwart extrapolieren“? Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass vie- le ETF-Anbieter sich in der Vergangenheit in Bezug auf die mit ihren Investments verbun- denen Aktionärsrechte im wahrsten Sinne des Wortes passiv verhalten haben. Passives In- vestieren wurde deshalb schnell gleichgesetzt mit Gleichgültigkeit. Das hat sich inzwischen zwar deutlich verbessert, wenn auch noch lan- ge nicht bei allen Anbietern. Im Grunde fra- gen Anleger doch heute zu Recht, ob mit ih- ren Stimmrechten bei Unternehmen positive Veränderungen in Bezug auf Umwelt, Sozia- les und Corporate Governance unterstützt oder eher verhindert werden. Auch beim In- vestieren geht es doch um Themen, die weite Teile der Gesellschaft und der Umwelt betreffen, und das wollen sehr viele Investo- ren inzwischen einfach auch berücksichtigt sehen, bevor sie sich für die Anlage in einem ETF oder einem Indexfonds entscheiden. Die- se Entwicklung wird nach unseren Beobach- tungen noch deutlich an Dynamik zulegen. Was macht Sie so zuversichtlich? Einmal abgesehen von dem nach wie vor hohen Wachstum, das passive Investments generell innerhalb unserer Industrie verzeich- nen, wollten wir mehr wissen über die Erwartungen von Anlegern und haben be- reits 2018 das unabhängige Analysehaus Create Research mit einer umfassenden Studie zum Thema passives Investment und Stewardship, sprich die Wahrneh- mung von Aktionärsinteressen, beauftragt. Seit Sommer vergangenen Jahres liegen uns die Ergebnisse der zweiten Studie in diesem Rahmen vor. Eine der wesentli- chen Erkenntnisse daraus ist, dass passi- ves Investieren keineswegs gleichzusetzen ist mit Gleichgültigkeit gegenüber dem Verhalten der Unternehmen, in die inves- tiert wird. Was wurde untersucht, und was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie aus der Studie gewonnen haben? Für die Studie wurden rund 130 Pensionsein- richtungen in insgesamt 20 Ländern anhand eines umfangreichen Fragenkatalogs befragt. Entsprechend hat dieser Forschungsbericht eine Fülle von interessanten Ergebnissen zutage gefördert. Aus meiner Sicht besonders bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass 98 Prozent, im Grunde nahezu alle Umfrageteil- nehmer, angegeben haben, dass ihnen das Thema Stewardship wichtig, mehrheitlich sogar sehr wichtig ist. 84 Prozent der Pen- sionsverantwortlichen halten eine entspre- chende Praxis ihres Investmentanbieters für entscheidend, um die Qualität der Investment- erträge in ihren passiven Anlagen zu verbes- sern und gleichzeitig positive Auswirkungen auf Umwelt, soziale Belange und nicht zuletzt die Unternehmensführung zu erzeugen. Sehen Sie denn die DWS auf diese Anfor- derungen ausreichend vorbereitet? Ich denke schon, dass wir das für unsere Gesellschaft in Anspruch nehmen dürfen. Wir profitieren dabei davon, dass wir mit unserem Passivgeschäft Teil eines immer noch mehr- heitlich aktiven Managers sind. Das Corpora- te-Governance-Team der DWS besteht im- merhin bereits seit mehr als 20 Jahren. Was Anleger, die in passive Instrumente wie ETFs und Indexfonds investieren, müssen heutzutage nicht mehr in Kauf nehmen, dass Nachhaltigkeitsaspekte keine Berücksichtigung finden. Darauf weist Simon Klein hin, der bei der DWS den Vertrieb passiver Investments in der EMEA-Region und Asien verantwortet. „Passives Investieren und ESG, » Passives Investieren ist keineswegs gleichzusetzen mit Gleichgültigkeit gegen- über dem Verhalten der Unternehmen, in die investiert wird. « Simon Klein, DWS Simon Klein Seit gut sieben Jahren arbeitet Simon Klein für die DWS, er leitet dort den Vertrieb Passive Investments in der EMEA-Region und Asien. Bevor er zur DWS kam, verantwortete er Vertrieb und Produktentwick- lung bei Lyxor Asset Management, einer 100-Pro- zent-Tochter der Société Générale. Zu seinen weiteren beruflichen Stationen gehören die Hypovereinsbank und die Bayern LB. Sein Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg hat Klein als Diplomkaufmann für Bank- und Finanzdienstleistungen abgeschlossen. 364 www.fondsprofessionell.de | 2/2020 esg-spezial I simon klein | dws

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