FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 2/2020

Foto: © Ulrike Schmidt für FONDS professionell D ie derzeit geltende Ausbildungsord- nung für angehende Bankkaufleute hat mittlerweile 22 Jahre auf dem Buckel – und erscheint somit wie ein Regelwerk aus einer anderen Zeit. Die damalige Bankenwelt zeichnete sich noch durch ein flächendecken- des Filialnetz aus. Online-Überweisungen wa- ren eine Seltenheit, und an Firmen wie N26 oder Scalable hat man noch nicht einmal im Traum gedacht. Anfang August beginnt jetzt eine neue Zeitrechnung: Für die nächste Generation von Auszubildenden gilt eine neue Ausbildungsordnung, die Ende vergangenen Jahres von der Kultusministerkonferenz be- schlossen wurde. Gut anderthalb Jahre arbeiteten die Sozial- partner, also die zuständige Gewerkschaft sowie die Arbeitgebervertreter der privaten Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen, an der neuen Richtlinie. Diese orientiert sich stärker an den aktuellen Rah- menbedingungen des Bankgeschäfts und legt besonderes Augenmerk auf die Beratung und die zunehmende Digitalisierung. „Die kom- petente Kundenberatung stellt ein Herzstück des Berufsprofils dar, daher wurden die Berufsbildpositionen entlang der Handlungs- felder einer Kundenbeziehung gestaltet mit dem Ziel, eine umfängliche ganzheitliche Beratungskompetenz aufzubauen“, berichtet Gabriele Jordanski, wissenschaftliche Mitar- beiterin am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. „Die Beratung erfolgt nicht mehr mit Fokus auf Produktverkauf, sondern in Form einer qualifizierten Beratung, die die Gesamtsituation des Kunden im Blick hat, in Kombination mit einem zuvorkommenden Umgang im Kundengespräch.“ Digitale Kompetenzen Angehende Banker möchte man befähigen, die digitalisierten Arbeits- und Geschäfts- prozesse qualitativ hochwertig und für den Kunden überzeugend zu bewältigen. „Bei- spielsweise sollten die Bankkaufleute in der Lage sein, die Kundschaft in der Nutzung der Online-Angebote anzuleiten, zu unterstützen sowie bei Schwierigkeiten Lösungen bereit- zustellen“, so die Bonner Bildungsexpertin, die an der neuen Ausbildungsordnung mitge- arbeitet hat (siehe Interview Seite 408). Beim Stichwort Digitalisierung stellt sich jedoch die Frage, wer den größeren Nachhol- bedarf hat: die Jugend oder die etablierten Banker? „Ich schätze das digitale Know-how der jungen Generation sehr hoch ein. Wir Ausbilder können viel von unseren Azubis in diesen Angelegenheiten lernen“, sagt Thomas Hockenbrink, Bereichsleiter Ausbildung bei der Kreissparkasse Köln. Das öffentlich-recht- liche Institut gehört zu den größten Sparkas- sen in Deutschland und beschäftigt derzeit 309 Azubis. Der jüngste ist 16, der älteste 24 Jahre alt. Der Ausbildungsleiter begrüßt die neue Richtlinie, etwa die Vermittlung „kunden- orientierter Schlüsselqualifikationen“ wie die ganzheitliche Beratung. „Das Thema Digita- lisierung berücksichtigt man an vielen Stel- len“, lobt er. „Und Berufsbildpositionen, die moderne Arbeitsformen und Arbeitsmethoden wie das ‚Agile Working‘ vermitteln, sind neu hinzugekommen. Die Inhalte sind der prak- tischen Berufstätigkeit angepasst.“ Am 1. August beginnen wieder viele junge Menschen eine Ausbildung zur Bank- kauffrau oder zum Bankkaufmann. Auf die Azubis kommen neue Inhalte zu. Aus Alt mach Neu In den 1950er-Jahren erlebten Sparclubs einen Boom. Heute sind Sparschränke wie dieser hier, der in der Raiffeisen- bank Struvenhütten hängt, ein Nischenphänomen. Die Bankenwelt ändert sich eben – und mit ihr die Bankausbildung. » Ich schätze das digitale Know-how der jungen Generation sehr hoch ein. Wir Ausbilder können viel von unseren Azubis lernen. « Thomas Hockenbrink, Kreissparkasse Köln 404 www.fondsprofessionell.de | 2/2020 bank & fonds I bankausbildung

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