FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2021

Stuart Dunbar , einer der Partner bei Baillie Gifford , spricht über die in der jüngeren Zeit sensationellen Performanceerfolge seines Hauses und erklärt, was hinter dem Begriff „Actual Investing“, zu Deutsch „wirkliches Investieren“, steckt. E ine außergewöhnliche Geschichte: Ursprünglich als Kanzlei zweier Rechtsanwälte gegründet, befindet sich die schottische Investmentgesellschaft Baillie Gifford heute vollständig im Besitz von 46 Partnern mit einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von über 20 Jahren. Die Gesellschaft, die unter anderem den Scottish Mortgage Trust, den größten im FTSE-100-Index notierten britischen Invest- ment Trust, managt, ist anfangs im institu- tionellen Geschäft gestartet, bietet aber seit zehn Jahren auch eine Palette an irischen UCITS-Fonds für Privatanleger. Im vergan- genen Jahr hat das Unternehmen, das ins- gesamt mehr als 370 Milliarden Euro ver- waltet, regelrecht Investmentgeschichte geschrieben. Gleich mehrere der vornehm- lich in Wachstumswerte des Technologie- sektors investierenden Fonds landeten mit Wertzuwächsen zwischen 60 und 110 Pro- zent unter den besten zehn aktiv gemanag- ten Aktienfonds. Wir haben mit dem für Finanzintermediäre und Consultants zu- ständigen Partner Stuart Dunbar über die Hintergründe gesprochen. Herr Dunbar, Ihre Gesellschaft war im ver- gangenen Jahr gleichmit mehreren Fonds unter den Top Ten der besten Aktienfonds. Worin besteht Ihr Investmentgeheimnis? Stuart Dunbar: Natürlich freuen auch wir uns über ein hervorragendes Jahr 2020. Aber hinter unserem Erfolg gibt es nicht das große Investmentgeheimnis, nach dem Sie gefragt haben. Denn diese Ergebnisse sind im Grunde eigentlich eher zufällig zustande gekommen. Eine Performance von zum Teil mehr als 100 Prozent in einem Jahr soll ein Zufalls- treffer sein? Das müssen Sie schon ein wenig erläutern. Durch das Aufkommen der Coronakrise sind unsere längerfristigen Erwartungen in Bezug auf Veränderungen in der Welt sehr viel schneller eingetreten als erwartet. Und so erfreulich das auch sein mag, uns ist wichtig zu betonen, dass wir nicht auf ei- nen besonders hohen Kurzfristerfolg aus sind. Unser Investmenthorizont liegt viel- mehr auf Zeiträumen von fünf bis zehn Jahren. Daher freue ich mich sehr viel mehr über die Ergebnisse, die wir über so langfristige Zeiträume erzielt haben. Die konkret wie aussehen? Mit den meisten unserer Strategien haben wir den jeweiligen Vergleichsmarkt in den vergangenen sieben Jahren um 50 bis 100 Prozent übertroffen. Das hat für uns eine sehr viel größere Bedeutung als eine zuge- geben sehr gute Performance über eine Zeitspanne von zwölf oder 18 Monaten. Unser Ziel ist nicht, stets ein kleines biss- chen besser zu sein als ein Index oder eine Benchmark.Wir versuchen vielmehr, groß- artige Unternehmen zu finden, die über besagte langfristige Zeiträume beständig und in einigen Fällen auch sehr schnell wachsen können. Deshalb hat die zuletzt extrem starke Performance unsere Aufgabe im Prinzip sogar ein wenig schwieriger gemacht. Inwiefern? „Unsere Erfolge sind eher zufällig entstanden“ » Uns ist wichtig zu betonen, dass wir nicht auf einen besonders hohen Kurzfristerfolg aus sind. « Stuart Dunbar, Baillie Gifford MARKT & STRATEGIE Stuart Dunbar | Baillie Gifford FOTO: © MIKE WILKINSON 168 fondsprofessionell.de 1/2021

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