FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2021

Entspannt auf ewig Wer aus einer Einmalzahlung eine Sofortrente erzielen möchte, die bis zum Lebensende läuft, kann das mit passenden Fonds und Fondspolicen schaffen – und sogar noch Geld vererben. So geht’s. M it einem solchen Anliegen mögen Kunden nicht gerade jeden Tag auf ihren Financial Planner zukommen, aber es kann passieren: Ein Unternehmer hat seine Firma zu einem sehr guten Preis ver- kauft und möchte sich im Alter von 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Damit er bis zu seinem Tod ganz entspannt sein tägliches Leben finan- zieren kann, muss nun eine monatliche Rentenzahlung her. Kein Problem, denkt sich der Berater, da- für bietet sich eine Leibrente an.Doch nun kommt der Knackpunkt: Der Ex-Unter- nehmer hat die stattliche Summe von zwei Millionen Euro zur Verfügung und möch- te daraus eine „ewige Rente“ in Höhe von jährlich 2,5 Prozent des eingezahlten Kapi- tals nach Kosten und Steuern erzielen – und zwar möglichst ohne Kapitalverzehr. Da der Kunde noch fit ist und sicher sein will, dass die monatliche Zahlung tatsäch- lich bis an sein Lebensende auf sein Konto fließt, soll die Rente frühestens enden, wenn er das 99. Lebensjahr erreicht. Im Todesfall soll am besten das gesamte Kapi- tal, zumindest aber ein großer Teil davon noch vorhanden sein, damit er das Geld seinen Kindern vererben kann. Dieser Musterfall ist selbstverständlich konstruiert, ähnliche Konstellationen kön- nen in der Praxis von Finanzplanern aber vorkommen. Daher ist es interessant zu betrachten, ob sich eine solche „ewige Rente“ohne Kapitalverzehr überhaupt dar- stellen lässt und, wenn ja, mit welchen Finanz- oder Versicherungsprodukten. Leibrente kommt nicht in Frage „Eine Leibrente kommt für diesen Fall nicht in Frage“, sagt Rolf Klein, Geschäfts- führer der Neutralis Kapitalberatung aus Krefeld. „Bei einer Rentenversicherung ge- neriert sich die Rente immer aus den Erträ- gen, die der Deckungsstock erzielt, und aus Teilen des eingezahlten Kapitals“, erklärt der Experte. Diese „inverse Tilgung“ ist stets vorgesehen; Produkte, die mit anderen Modellen arbeiten, gibt es am deutschen Markt nicht. „Damit liegt der Kapitalver- zehr in der Natur der Leibrente“, sagt Klein. Es gilt, andere Möglichkeiten zu prüfen. Da wäre zunächst ein Investmentport- folio. „Das Kapital sollte am besten in Fonds investiert werden, die regelmäßig möglichst hohe Erträge ausschütten“, rät Klein. Solche Sondervermögen ließen sich am Markt auf jeden Fall finden. „Das Pro- blem ist eher, dass der Anleger auch in der Lage sein muss, eine gewisse Volatilität auszuhalten“, sagt der Experte. Schwankungen hinnehmen „Auch wenn die Fonds immer ihre vier oder fünf Prozent an Erträgen ausschütten, bezieht sich der Satz schließlich stets auf den aktuellen Wert der Anteile“, gibt Klein zu bedenken. In schlechten Jahren können aus zwei Millionen schnell 1,5 Millionen Euro werden. Dann fällt die Ausschüttung geringer aus, in guten Jahren höher. „Wichtig ist auch, dem Anleger zu erläu- tern, dass es sich nicht um einen Kapitalver- zehr handelt, wenn sein Fonds zwischen- zeitlich an Wert verliert“, sagt Klein. Schließ- lich werden keine Fondsanteile verkauft, es kommt lediglich zu einem vorübergehen- den geringeren Depotwert, der sich über Entspannt auf einer Parkbank in der Sonne: Wer bei Rentenbeginn eine Millionensumme zur Verfügung hat, kann mit den richtigen Fonds oder Fondspolicen auch ohne Kapitalver- zehr eine „ewige Rente“ erzielen. FONDS & VERSICHERUNG Sofortrente 260 fondsprofessionell.de 4/2021 FOTO: © LJUPCO SMOKOVSKI | STOCK.ADOBE.COM

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