FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2022

Während seiner Zeit als Vermögensverwalter hat Jens Ehrhardt, der Gründer und Chef von DJE Kapital, schon so manche Krise an den Kapitalmärkten durchlebt. Daher sollte man aufhorchen, wenn er die aktuelle Entwicklung als „unheimlich“ beschreibt. S eit mehr als 50 Jahren beschäftigt sich Jens Ehrhardt mit demGeschehen an den internationalen Kapitalmärkten. Seine Sporen imManagement von Wertpapieren hat sich der heute 80-Jährige als Partner der damals größten deutschen Vermögensver- waltungsgesellschaft verdient. Nach seiner 1974 absolvierten Promotion über „Kurs- bestimmungsfaktoren am Aktienmarkt“ legte er mit der anfangs unter demNamen Dr. Jens Ehrhardt Vermögensverwaltung firmierenden Gesellschaft noch im selben Jahr den Grundstein für den Aufbau der heutigen DJE Kapital AG, die er von Beginn an leitete. Den ihm eigenen Ansatz im Manage- ment von Wertpapieren setzt Ehrhardt in dem vor über 35 Jahren aufgelegten Multi- Asset-Produkt FMM-Fonds um.Die Abkür- zung steht für die Berücksichtigung von fundamentalen,monetären und markttech- nischen Kriterien, die der Erfolgsmanager als die wesentlichen Bestimmungsfaktoren für die Kursentwicklung an den Kapital- märkten ausgemacht hat. Wir haben mit ihm über seine Erwartungen gesprochen. Herr Ehrhardt, es gibt nur wenige Fonds- manager, die so lange aktiv sind wie Sie. Haben Sie eine Entwicklung wie die seit Jahresanfang schon einmal erlebt? Jens Ehrhardt: An manche Korrekturphase an den Kapitalmärkten erinnere ich mich, als sei es erst gestern gewesen. Aber ich muss zugeben, dass mir die Entwicklung, die wir seit dem Ausbruch des Ukraine- kriegs erleben, im Vergleich geradezu unheimlich erscheint. Unheimlich, weil eine geopolitisch extrem schwierige Situa- tion, ausgelöst durch den russischen Ein- marsch in die Ukraine, mit einer restrik- tiven monetären Politik zusammentrifft, über die die Notenbanken eine weit aus dem Ruder gelaufene Inflation einzudäm- men versuchen. Eine solche Kombination ist nach meiner Erinnerung einzigartig und in dieser Verbindung noch nie in der jüngeren Börsengeschichte vorgekommen. Sie wäre allenfalls vergleichbar mit dem ersten Halbjahr 1962, gut zehn Jahre vor meinem Beginn als Vermögensverwalter. Inwiefern? Abgesehen vom laufenden war 1962 das einzige Jahr der Nachkriegszeit, in dem es während der ersten Jahreshälfte zu einem Kursrückgang an den Märkten um fast 30 Prozent gekommen ist. Damals braute sich gerade die Kubakrise als Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion zusammen, die aber erst imOktober ihren Höhepunkt erreichte. Nur gab es eben zwei wichtige Unterschiede zur heutigen Situation. Was meinen Sie konkret? Zum einen ist es damals am Ende nicht zu einem Krieg gekommen, auch wenn die beiden Supermächte während dieser Zeit einer direkten militärischen Auseinander- setzung, besser gesagt: einem möglichen Atomkrieg, am nächsten gekommen sind. Zudem standen die Notenbanken nicht auf der monetären Bremse. Daher haben wir es heute zum ersten Mal mit dieser Doppelbelastung aus Inflationsbekämp- „Die Zeit echter Kaufkurse ist noch nicht gekommen“ » Eine einzigartige Kombination, die so noch nie in der jüngeren Börsengeschichte vorgekommen ist. « Jens Ehrhardt, DJE Kapital 122 fondsprofessionell.de 3/2022 MARKT & STRATEGIE Jens Ehrhardt | DJE Kapital

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