FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2022

Angriff aufs Sparschwein Die Deutschen schlachteten angesichts von Negativzinsen ihre Sparschweine und investierten in Fonds und Aktien. Doch die neu entdeckte Kapitalmarktliebe droht schon wieder zu erlöschen. D as Sparschwein gilt den Deutschen als heilig, Kapitalmarktinvestments um- weht hingegen ein anrüchiger Ruf. Diese tief in der Volksseele verwurzelte Überzeu- gung war zuletzt gefallen. Eingedenk der jahrelangen Niedrig- und Negativzinsen so- wie der dräuenden Inflation wandten sich die Bundesbürger zusehends von Bankein- lagen ab und anderen Geldanlageformen zu. Diese aufkeimende Bereitschaft spielt Finanzberatern, Vermögensverwaltern und Private Bankern zunächst in die Hände. Doch über der Wende lauern Schatten. Zunächst einmal stand das Jahr 2021 noch ganz unter dem Eindruck der Coro- na-Pandemie. Gerade zu Jahresbeginn wa- ren die Konsummöglichkeiten reduziert. Entsprechend wanderte mehr Geld aufs Konto. Das Wachstum bei den Bankeinla- gen erreichte imMärz 2021 die Marke von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Rekordwert. Doch im Sommer drehte das Bild, zeigt eine Studie der Deutschen Bank. „Schon im zweiten Quartal stieg mit den Lockerungen der Konsum wieder an“, berichtet Autorin Heike Mai von der Researchabteilung des Instituts. „Im Som- merquartal scheinen viele das verpasste Leben nachgeholt zu haben.“ Demgegenüber verlor das Einlagen- wachstum bei Banken im zweiten Halb- jahr 2021 an Fahrt und schmolz bis Juni 2022 nur noch auf ein Plus von einem Pro- zent zum Vorjahr (siehe Grafik „Neugeld- aufkommen bricht ein“ auf der nächsten Seite). Die Konsumeuphorie allein kann das nicht erklären. Zwei weitere Faktoren kamen hinzu. „Die Negativzinsen und die anziehende Inflation führten 2021 zu einer Abkehr von der großen Präferenz der Privathaushalte für Liquidität“, beobachtet Mai. „Bankeinlagen machten das erste Mal seit 15 Jahren nicht mehr den größten Teil der Ersparnisbildung aus.“ Freude an Fonds Angesichts der um sich greifenden Ver- wahrentgelte, wie die Banken die Strafzin- sen für Kontoguthaben umschreiben, und der immer rasanteren Teuerung flohen die Kunden zusehends Richtung Kapitalmarkt- anlagen. So verzeichnete die Geldanlage abseits der Bankkonten 2021 ein Mittelauf- kommen in Höhe von 287,5 Milliarden Euro – ein Spitzenwert. Besonders hohen Zuspruch bei Privathaushalten verzeich- neten dabei Investmentfonds mit 104,6 Milliarden Euro. „Die Zahl der neuen Fondssparpläne stieg besonders stark“, ergänzt Deutsche-Bank-Analystin Mai. Den Banken mit ihren Strafzinsen, beflü- gelt vom Rückenwind der sich verschärfen- den Inflation, gelang es also schließlich, den Deutschen das Kapitalmarktsparen nahezubringen. Doch ist diese Geldanlage- form angesichts des seit dem Frühjahr anhaltenden Kursverfalls bei Aktien wie bei Anleihen tatsächlich noch erstrebenswert? Zumindest mittelfristig gesehen schon – zu » Die Zahl der neuen Fondssparpläne stieg besonders stark. « Heike Mai, Deutsche Bank Research Die Bundesbürger horteten ihr Geld lange Zeit im Sparschwein oder auf dem Konto, selbst als es dort keine Zinsen mehr gab. Erst zuletzt entdeckten sie Fonds und Aktien als Ausweg aus der Strafzinswelt. VERTRIEB & PRAXIS Geldanlage 324 fondsprofessionell.de 3/2022 FOTO: © STUDIO ROMANTIC | STOCK.ADOBE.COM

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