FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2022

bereits inflationsausgleichend gegenüber einer privaten Kapitalanlage ohne Zu- schuss und kostet den Arbeitnehmer gar nichts“, sagt er. Die staatliche Förderung durch Steuer- und Sozialversicherungsersparnisse in der Sparphase helfe zusätzlich, so der Makler. Das Argument, dass die Inflation zur Bei- tragsfreistellung bei Entgeltumwandlungen zwinge, zieht für ihn daher nicht. Eine vom Arbeitgeber bezahlte bAV sei für die meisten Firmen trotz Wirtschaftskrise finanzierbar – und auch nötig, um sich Fachkräfte zu sichern. Zum einen helfen moderne Produktkonzepte der Lebens- versicherer, durch Anlageklassen mit „Infla- tionsschutz“ höhere Betriebsrenten zu erzielen. Zum anderen tragen beitragsori- entierte Leistungszusagen der Arbeitgeber ebenfalls zu mehr Betriebsrente bei. Lohnende Matching-Modelle Da nahezu jeder Firmenkunde als Ar- beitgeber bei der Entgeltumwandlung So- zialversicherungsbeitrag spart, lohnten gera- de jetzt sogenannte Matching-Modelle. Da- bei leistet der Arbeitgeber einen Beitrag zur Betriebsrente,wenn sich der Mitarbeiter im Rahmen der Entgeltumwandlung eben- falls an deren Finanzierung beteiligt. Mak- ler Wetzel erklärt dies an einem Beispiel: Die Molkerei Ehrmann im Allgäu ordnete ihre bAV im Jahr 2021 neu und wurde da- bei von Martens & Prahl beraten. Bei der „Ehrmann-Betriebsrente“wurde das bereits 2015 installierte Matching-System für die Belegschaft stark verbessert. Zahlten beide Seiten zuvor je 50 Prozent des Beitrags, so übernimmt die Firma nun 75 Prozent. „Damit kann jeder Mitarbeiter für rund 12,50 Euro pro Monat netto einen Spar- beitrag von 100 Euro finanzieren“, erklärt Wetzel. Dies helfe Mitarbeitern, auch in Zeiten hoher Inflation und steigender Kosten eine angemessene Altersversorgung finanzieren zu können. Matching wirke sich für Arbeitnehmer besser aus als jede Barlohnerhöhung, die bei Tarifverhand- lungen stets imMittelpunkt steht, wenn es um einen „Inflationsausgleich“ geht. Mit modernen betrieblichen Versor- gungssystemen können Arbeitgeber gerade in Zeiten hoher Inflation Arbeitnehmer zu mehr Vorsorge animieren, wenn sie neben der bAV auch BU-Absicherungen sowie Gesundheitsvorsorge im Rahmen der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) ermöglichen. „Die betriebliche Vorsorge bietet viel mehr als nur Rente, man muss es nur zu nutzen wissen“, betont Wetzel. „Passgenaue Angebote schonen das Budget der Arbeitnehmer und ersparen ihnen auch die Marktvergleiche und die Kosten für die private Vorsorge.“ Höherer Selbstbehalt Wenn das Geld knapp wird, wollen manche Kunden auch bei Sachversicherun- gen sparen, etwa bei den teuren Wohnge- bäudepolicen. „Das dürfte schwierig wer- den“, sagt Andreas Vollmer, Geschäftsführer des Bielefelder Versicherungsmaklers Hasen- clever + Partner. Als Beispiel nennt er den gleitenden Neuwertfaktor im Wohnungs- bau, der in den Versicherungsbeitrag bei der Wohngebäudeversicherung einfließt. Über Jahre habe er nur um ein bis drei Prozent zugelegt, im vergangenen Jahr ist er schon um 5,6 Prozent gestiegen. In die- sem Jahr betrug der Zuwachs 14,7 Prozent, Tendenz weiter stark steigend. „Eine solche Steigerung gab es noch nie“, weiß Vollmer. „Man muss mit dem Kunden über sein Versicherungskonzept nachdenken“, so Vollmer. Womöglich müssten höhere Selbstbehalte oder neue Absicherungen her. „Eine manuelle Kürzung wäre der größte Fehler, denn die Risiken werden durch den Klimawandel nicht geringer“, warnt Vollmer. Andreas Vollmer, Hasenclever + Partner: „Gekündigt gehören lediglich Policen, die nicht der Existenzsicherung dienen.“ Frank Dietrich, Fachmakler: „Letztlich muss es immer ein Abwägen geben, doch der Berufsunfähig- keitsschutz ist quasi alternativlos.“ » Die Trennung von Absicherung und Geldanlage ist eine überlegenswerte Alternative. « Volker Looman, Finanzanalytiker FONDS & VERSICHERUNG Vorsorge 284 fondsprofessionell.de 4/2022 FOTO: ©HASENCLEVER + PARTNER, DETLEF POHL

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