FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2022

Die britische Investmentgesellschaft Jupiter ringt seit Jahren mit Mittelabflüssen. Matthew Beesley löste im Oktober Andrew Formica an die Spitze des Hauses ab. In einem seiner ersten Interviews erklärt Beesley, wie er das Ruder herumreißen will. K aum im Amt, schon auf Tour: Erst imOktober hat Matthew Beesley die Führung der Fondsgesellschaft Jupiter übernommen. Schon reist er durch Europa und besucht auch das Jupiter-Deutschland- Büro in Frankfurt am Main – und gibt erste Interviews. Ein forsches Tempo hat Beesley, der zu Jahresbeginn zunächst als Investmentchef von Artemis zu dem Lon- doner Haus gestoßen war, bereits ein- geschlagen. So strich er die Produktpalette zusammen und setzte auch bei den Mit- arbeitern den Rotstift an. Denn Jupiter erleidet sei Jahren empfindliche Mittelab- züge. Das muss Beesley dringend ändern. Herr Beesley, in welcher Verfassung haben Sie Jupiter vorgefunden? Als ich bei Jupiter als Investmentchef an- fing, beeindruckte mich, wie viele talentier- te Manager und fähige Analysten hier arbeiten. Sie decken eine ganze Bandbreite an Anlageklassen, Regionen und Invest- mentstilen ab. Auf der anderen Seite erstaunte es mich, wie ausbaufähig das Geschäft noch ist.Wir haben das Potenzial, über alle Kundengruppen und alle Länder hinweg, in denen wir vertreten sind, zu wachsen. Das Haus erleidet seit 2018 unter dem Strich durchgehend Mittelabzüge. Wie wollen Sie das ändern? Von meinem Vorgänger habe ich drei stra- tegische Projekte geerbt: erstens das insti- tutionelle Geschäft ausbauen, zweitens die internationale Präsenz erweitern und drit- tens Aspekte der Nachhaltigkeit eingehen- der und umfassender bei allem einbezie- hen, was wir tun. Ich unterstütze alle drei Projekte vollständig, werde bei jedem aber eigene Akzente setzen. Dies genügt wirklich, um das Ruder her- umzureißen? Diese drei Projekte sind wichtig dafür, dass das Geschäft von Jupiter wieder wächst. Aber sie werden nicht die einzigen Berei- che sein, auf die wir uns fokussieren. Mir schweben noch weitere Ideen vor. Aber ich stehe erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Hauses. Ich bin noch in der Phase, Fragen zu stellen. Noch habe ich nicht alle Antworten parat. Nächstes Jahr werde ich wahrscheinlich aber näher darauf eingehen können. Wie genau wollen Sie das Geschäft in den drei Feldern vorantreiben? Wir wollen mit dem Markt wachsen, aber unseren Mitbewerbern auch Marktanteile abnehmen. Dafür müssen wir bessere Pro- dukte bieten als andere. Im internationalen Geschäft etwa erkenne ich große Chancen. In allen zwölf Märkten, in denen wir prä- sent sind, bauten wir eine Marke auf.Doch lediglich imHeimatmarkt Großbritannien hat Jupiter sein volles Potenzial entfaltet. Auch in Deutschland gelang das nicht, wo wir seit zehn Jahren aktiv sind und über die frühere Zugehörigkeit zur Commerz- bank manchem ein Begriff sind. Daher stehen wir vor der Frage, ob wir die Res- sourcen in Deutschland und Österreich ausbauen, um hier stärker wachsen zu kön- nen. Noch ist aber nichts entschieden. „Jupiter ist kein Fonds- Supermarkt “ » Wenn ich in meiner Rolle als Vorstandschef über die Märkte spreche, dann sollte das im Haus keinen interessieren. « Matthew Beesley, Jupiter FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH VERTRIEB & PRAXIS Matthew Beesley | Jupiter 350 fondsprofessionell.de 4/2022

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