FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2023

Echter. Denn selbst kleine Schwankungen können eigendynamische E ekte auslösen. Große Unternehmen sind aber lebendige Organismen. Sie entwickeln sich, müssen auf Ein üsse von außerhalb reagieren und gegebenenfalls Strukturen und Prozesse anpassen. Manchmal entstehen dadurch neue Geschäftsbereiche, die die Unterneh- men aber nicht weiter ausbauen können oder wollen und links liegen lassen, weil sie nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören oder weil schon die Kommunika- tion über Strukturveränderun- gen des Unternehmens zum Risiko werden kann. Vor diesem Hintergrund gibt es immer wieder soge- nannte Carve-outs, die Ausglie- derung von Unternehmenstei- len. Bringt man einen solchen Geschäftsbereich als eigen- ständiges und privat gehaltenes Unternehmen in einen Ziel- fonds ein, der über einschlägige Expertise und ein spezi sches Netzwerk verfügt, dann kann die Positionierung des Unter- nehmens amMarkt vergleichsweise schnell funktionieren. „Carve-outs, bei denen neue und erfolgreiche Unternehmen entstehen, sind ein wesentliches Betätigungsfeld, um Wertsteigerungen zu generieren“, sagt Echter und nennt das Beispiel eines klei- nen Familienunternehmens, das Skijacken herstellte, bevor es ein Private-Equity-Inves- tor zu einer weltweit tätigen Modemarke um- und ausbaute. „Das ist eine zentrale Quelle für Wertschöpfung. Private-Equity- Investoren können sich über einen länge- ren Zeitraum auf Wertsteigerungsstrategien konzentrieren.“ Buy and Build Ein Private-Equity-Investor kann bei- spielsweise in einem fragmentierten Markt, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sich noch kein Großunternehmen darin markt- bestimmend hervortun konnte, gezielt Unternehmen zukaufen und damit Fir- menwerte steigern. „Er hat im Vergleich zu einem börsennotierten Konzern häu g mehr Freiheiten und ist incentiviert, Maß- nahmen, die den Wert eines Unterneh- mens erhöhen, gezielt und langfristig zu betreiben und umzusetzen“, sagt Echter. Auch hier unterscheiden sich Techniken der Mehrwertschöpfung zwischen Private und Public Equity deutlich. Richtige Haltung und Größe Innerhalb des Private-Equity-Universums muss ebenfalls di erenziert werden. „Wir unterscheiden passives und aktives Private Equity“, sagt Markus Pimpl und geht mit zum Selbstzweck gewordenen Automatis- men ins Gericht:, „Zwei Drittel der Anbieter sind transaktions- getrieben, die machen einen Deal um des Deals willen, ha- ben aber weder die Ressour- cen,Unternehmen aktiv weiter- zuentwickeln, noch ist es Teil der Investmentstrategie.“ Zu guter Letzt verweist Zor- nig noch auf eine „Paradoxie“ von Private Equity, speziell bei KMU: „Kleinere Unternehmen bergen zwar ein höheres Ren- ditepotenzial, weil deren ope- ratives Verbesserungspotenzial viel größer ist, interessanter- weise geht damit aber kein grö- ßeres Verlustrisiko einher.“ TILMAN WELTHER FP Julien Zornig, Astorius: „Kleinere Unternehmen bergen ein höheres Renditepotenzial, ohne dass damit ein größeres Verlustrisiko einherginge.“ Markus Pimpl, Partners Group: „Zwei Drittel der Anbieter sind transaktionsgetrieben – die machen einen Deal um des Deals willen.“ Wann Private Equity haussiert Überperformance in verschiedenen Marktphasen (2000–2021) Auch und gerade in Krisenphasen kann Private Equity die Aktienmärkte outperformen. *UmdieVergleichbarkeitherzustellen,werdenBrancheneffekteherausgerechnet.Eskommen jeweilsspezifisch erstellteVergleichsindizeszumEinsatz. Quelle:GoldingCapital,StudiezumAlphavonPrivate-Equity-Investments | 2022 0 5 10 15 20 25 30 35 Boom >+15%p.a. Wachstum +5 bis +15%p.a. Stabil -5 bis +5%p.a. Abschwung <-5%p.a. Alpha (Überrendite in Prozentpunkten) 4,99 10,87 25,73 Phasen vergleichbarer* Aktienmärkte SACHWERTE Private Equity 224 fondsprofessionell.de 1/2023 FOTO: © DOMENIC DRIESSEN, ASTORIUS, PARTNERS GROUP

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