FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
wählen. Das ist arbeitsintensiv, aber ziel- führend. Heuser: Gibt es Beispiele für Unternehmen, dieSieausdemFondsentfernt haben? Palthe: Das Unternehmen Nike zum Bei- spiel. Trotz Fortschritten im Supply Chain Management ist der Fast-Fashion-Aspekt zu dominant. Auch Bridgestone haben wir ausgeschlossen, da das Geschäftsmo- dell letztlich auf möglichst viele Autokilo- meter setzt. Bei Japan Railways überwo- gen fundamentale Schwächen trotz posi- tiver Impact-Grundgedanken. Heuser: Wie steht es um Firmen aus dem BereichfossilerEnergiewieTotalEnergies? Rojas: Solche Unternehmen sind strikt ausgeschlossen, solange sie im fossilen Bereich aktiv sind. Sollte sich das irgend- wann radikal ändern, wäre das vielleicht diskussionswürdig. Kölsch: Die EU diskutiert neue Produktkate- gorien wie „Transition“- und „Sustainable“- Funds.WoordnenSie IhrenFondsein? Palthe: Unser Ansatz entspricht klar dem nachhaltigen Bereich: thematisch mit klarem Bezug zu Transitionsthemen und SDGs. Wir investieren nicht in soge- nannte „Transitioner“, also Unternehmen, die sich selbst wandeln, sondern in aktive Vorreiter, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Wir wollen die Schrittmacher unterstützen. Kölsch: Ein zentraler Aspekt der Wirkungs- erzielung ist Engagement – wie gehen Sie dasan? Palthe: Engagement beginnt bei der Erst- prüfung einer potenziellen Beteiligung. Wir stellen Fragen, bevor wir investie- ren, und führen intensive Dialoge. Das geschieht auf drei Ebenen: erstens im individuellen Austausch mit jeder Gesell- schaft mindestens einmal jährlich, wobei unsere Expertise und nachhaltige Best- 3UDFWLFH 9RUVFKOÌJH JURĕHQ $QNODQJ ljQ- den. Zweitens sprechen wir über gezielte Projekte – etwa zu Klima, Vergütung oder Plastikverpackung –, bei denen wir über drei Jahre Verbesserungen sehen wollen. Erfolgt hier keine Reaktion, kann das zum Verkauf einer Aktie führen. Drittens das Engagement über Kooperationspro- jekte mit anderen Asset Managern. Rojas: Im Bereich der Vorstandsvergütung arbeiten wir mit zwei Schwellenwerten: Das Verhältnis von CEO-Gehalt zum Medianeinkommen der Belegschaft darf maximal 100:1 betragen. Und absolute Vergütungen werden – je nach Firmen- größe und Anzahl der Mitarbeitenden – überprüft und bei Überschreitung in den Engagement-Prozess übergeleitet. Heuser: ÜberwelcheKennzahlensteuernSie dasEngagement imBereichKlima? Palthe: Um Fortschritte messbar zu machen, engagieren wir uns insbeson- dere bei den fünf größten Emittenten im Fonds. Dabei spielt die Validierung der Emissionsziele nach der „Science Based Targets“-Initiative SBTi eine zentrale Rolle. Aktuell haben 71 Prozent unserer Betei- ligungen von der SBTi validierte Reduk- tionsziele, ein sehr hoher Wert. Kölsch: Ist ein hoher Fondsbestand ein Vor- teil beimEngagement, etwa für Gespräche direktmit demCEO? Rojas: Es ist nicht allein der Volumen- faktor entscheidend, sondern die Quali- tät unserer Vorbereitung. Wir sind in der Lage, den Managern die richtigen Fragen zu stellen. So erzielen wir bei Unterneh- men aller Größenordnungen eine sehr hohe Gesprächsbereitschaft und haben (LQijXVV » Wir konzentrieren uns auf Bereiche, die einen besonders hohen Bedarf an einem systemischen Wandel aufweisen. Wir adressieren so 16 von 17 SDG-Zielen und beziehen dabei immer auch neue Unterthemen ein. « Arjan Palthe, Triodos Investment Management 110 fondsprofessionell.de 4/2025 MARKT & STRATEGIE Nachhaltig nachgefragt | Arjan Palthe + Sebastian Rojas | Triodos Investment Management FOTO: © GIJS DE KRUIJF PHOTOGRAPHY FÜR FONDS PROFESSIONELL NACHHALTIG NACHGEFRAGT
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