FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

Auf alles gefasst Viele Anleger fürchten eine heraufziehende Krise. Doch noch größer ist die Angst, den Anschluss zu verpassen. Wie Multi-Asset-Manager aktuell die Märkte sehen – und ihre Portfolios ausrichten. S tatt mit der drohenden Krise ins Haus zu fallen, scheint eine kleine Warnung angebracht: „Wer immer pes- simistisch ist, verliert an der Börse auf Dauer.“ Daran erinnerte Staranalyst Ed Yardeni im Interview in Ausgabe 3/2024 von FONDS professionell (Seite 112). Damals stand der S&P 500 bei 5.300 Punkten – und Yardeni rief ein Kursziel von 8.000 bis Ende des Jahrzehnts aus. Fast Forward in die Gegenwart: Aktuell steht der S&P 500 bei rund 6.800 Punk- ten, und auf dem Weg dahin bügelten die Anleger alle Kursrückschläge inner- halb kürzester Zeit aus: Liberation Day, US-Shutdown, Zollstreit, Gazakrieg, und – ach ja – Ukrainekrieg ist ja auch noch. Erfolgreich war, wer investiert blieb und nach Möglichkeit jeden Rücksetzer für Aufstockungen nutzte. Aber was treibt die Märkte immer höher und vor allem: Wie geht es weiter? FONDS professionell hat Multi-Asset-Manager gefragt, die sich diese Frage täglich stellen müssen. Finanzielle Repression Thomas Romig ist Multi-Asset-Chef des Vermögensverwalters Assenagon. Spricht man mit ihm, dann erscheint die Situa- tion einerseits durchaus dramatisch. Vor allem der staatliche Schuldenkurs ärgert ihn; Besserung sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Schauen Sie sich doch die Politiker an, da ist keiner auf Sparkurs“, sagt Romig. Schuldenkrise oder nicht ist für ihn gar keine Frage: „Wir sind schon längst in der Staatsanleihenkrise, aber da läutet eben keiner die Glocke und sagt: Jetzt ist Krise!“ Frankreich oder die USA seien Beispiele dafür. Auch dass Deutsch- land die Schuldenbremse über Bord geworfen hat, hält er für einen Fehler. Trotzdem erwartet er keine Staatspleite. Spätestens seit der globalen Finanzkrise sei klar, dass die Zentralbanken immer einspringen werden, wenn es hart auf hart kommt. Seine Prognose: Die Staaten wer- den sich schleichend entschulden, indem sie die Nominalzinsen dauerhaft unter der ,QijDWLRQ KDOWHQ Ľ'DV LVW HLQH NODVVLVFKH ljQDQ]LHOOH 5HSUHVVLRQĺ VR 5RPLJ $XV diesemGrund glaubt er auch nicht daran, GDVV GLH (XUR ,QijDWLRQ GDXHUKDIW XQWHU GLH Zwei-Prozent-Marke sinken wird. In seinen Multi-Asset-Portfolios setzt Romig auf die Flucht nach vorn – und die Aktienquote vergleichsweise hoch. Aktien ZĞUGHQ LQ HLQHP LQijDWLRQÌUHQ 8PIHOG reale Erträge liefern, betont er. Und wenn schon Aktien, dann richtig: Daher baut der Assenagon-Manager in den USA vor allem auf die Schwergewichte, vor denen andere angesichts der augenscheinlich hohen Bewertung schon länger warnen. Romig ist anderer Meinung: „Abseits der 0DJQLljFHQW 6HYHQ VHKHQ GLH 86$ WHXHU aus“, sagt er. Deshalb hat er auch den US- Anteil innerhalb der globalen Aktienallo- kationen auf etwa 50 Prozent gesenkt, deutlich tiefer als im MSCI World, wo die USA aktuell mehr als 70 Prozent aus- Anfang April erschütterten die Zoll- pläne von US-Präsident Donald Trump dieWall Street – hier Händler an der NewYorker Börse. Doch der Schockwar schnell verdaut, zumin- dest an den Aktienmärkten. » Es wäre sehr teuer gewesen, nicht investiert zu sein. « Fabian Leicht, Metzler AM 114 fondsprofessionell.de 4/2025 MARKT & STRATEGIE Anlagestrategie FOTO: © MICHAEL NAGLE | BLOOMBERG.COM

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