FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
Das größte Risiko sind seiner Meinung nach die Bewertungsniveaus. „Ich könnte mir einen ‚Minsky-Moment‘ vorstellen, in dem plötzlich alle den Schalter auf Ver- kaufen umlegen. Ein solcher Rücksetzer wäre aber verkraftbar.“ Überhaupt seien die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren super gelaufen, während die Welt- wirtschaft eher mäßig zulegte. Dasselbe könnte sich Mayr auch andersherum vor- stellen: „Wenn wir an den Finanzmärkten Korrekturen von 20 bis 30 Prozent haben, wird das keine großen Auswirkungen auf die reale Wirtschaft haben. Das ist eher eine Angleichung von Märkten undWirt- schaft – die Märkte nähern sich wieder der Wirtschaft an, ohne dass die Wirt- schaft nach unten gezogen wird.“ In den vergangenen zwölf Monaten hat Eyb &Wallwitz die US-Allokation in den vermögensverwaltenden Portfolios den- noch aus Bewertungsgründen tendenziell reduziert und auch die Positionsgrößen in 0DJQLljFHQW 6HYHQ7LWHOQ YHUULQJHUW Ľ:LU wollen das Portfolio aus Rendite-Risiko- Sicht optimieren und haben in dem Zug die strategische US-Quote auf etwa 50 bis 60 Prozent festgelegt“, erläutert Mayr. Geopolitik mitdenken Auch die Hamburger Privatbank M.M. Warburg fährt in ihren vermögensver- waltenden Strategien derzeit eine eher hohe Aktienquote. Investmentchef Chris- tian Jasperneite sieht keine akuten Hin- weise auf eine drohende Finanzkrise oder schwere Rezession. Die besseren Wachstumschancen schreibt er den USA zu, für Europa ist er trotz des deutschen Infrastrukturpakets eher skeptisch. Noch vorsichtiger ist er mit Blick auf China: Hier warnt Jasperneite vor hohen Risi- NHQ GXUFK SRWHQ]LHOOH VWDDWOLFKH (LQJULȬH „Kann ich als Aktionär sicher sein, dass der Staat nicht in Eigentumsrechte und Geschäftsprozesse eingreift?“ Die Risiken, die ihn sonst noch umtrei- ben, sind die geopolitischen Umbrüche, die zwar jeder auf dem Schirm hat, aber in der Allokation oft ausblendet. „Eigent- lich kann ich in Zukunft nicht mehr guten Gewissens massiv in Aktien von Unternehmen investiert sein, die inner- halb weniger Wochen nahezu tot wären, ZHQQ VLH NHLQH NULWLVFKHQ 5RKVWRȬH PHKU bekämen“, sagt Jasperneite. „Solche qua- OLWDWLYHQ 7KHPHQ LP 6WRFNSLFNLQJ ]X berücksichtigen, die vor fünf Jahren noch keiner auf demRadarschirmhatte, ist eine echte Herausforderung.“ Das Stimmungsbild deckt sich mit dem „FundManager Survey“, für den die Bank of America regelmäßig Hunderte Portfo- liomanager befragt. Zuletzt gaben 69 Pro- zent der Experten an, dass sie keine Rezes- sion in den kommenden zwölf Monaten erwarten, im Vormonat waren sie noch deutlich pessimistischer. Zugleich fahren sie ihre Cashquoten weiter auf niedrigen Niveaus. Von Krisenangst ist also wenig zu spüren. Aber ist das vielleicht schon wieder ein Grund zur Sorge? Zum Schluss noch einmal kurz nachgefragt bei Ed Yardeni, seine Antwort kommt schnell und ist kurz: „10.000 Punkte bis Ende des Jahrzehnts.“ JOCHEN HÄGELE FP Voll ins Risiko Wo aktuell Ungemach droht Grund zur Sorge gibt es für Anleger aktuell genug, von geopolitischen Verwerfungen, dem Zollstreit und der Deglobalisierung gar nicht zu reden. Hier eine kleine Auswahl: Bewertungen: DieAktienmärkte preisen für vieleBereicheeinenormesGewinnwachstumein. Die Kehrseite ist das hohe Enttäuschungspoten- zial. Hoch bewertet sind auch Unternehmens- anleihen: Ihre Zinsprämien (Credit Spreads) sind auf Tiefststände gesunken. Staatsanleihen: Die Staats- schulden steigen rapide, allen voran in den USA und Frankreich. Fordern Investoren höhere Zinsen, drohen enorme Finanzierungskosten für Staaten – siehe die Eurokrise 2010. Inflation: Staatsausgaben treiben meist die Inflation. IndenUSAkönntedasdurcheine laxere Geldpolitik verstärkt werden, wie sie die Regie- rung fordert. Inflation treibt die Langfristrenditen undbelastet Aktien, wie zuletzt 2022geschehen. Private Debt: Der IWF warnt vor einer Zunahme der Finanzierungen abseits der Ban- ken: Private Debt könne unbekannte Risiken im System schaffen. Zuletzt ging beispielsweise der US-Autozulieferer First Brands unter seiner Schuldenlast in die Knie. Währungen: Der US-Dollar schwächelt, Gold undBitcoinerreichenRekordwerte: Das sinkende Vertrauen indasWährungssystemgibt Grund zur Sorgeund schafft potenzielleBewertungsblasen – gerade bei Gold und Kryptowerten. 120 fondsprofessionell.de 4/2025 MARKT & STRATEGIE Anlagestrategie FOTO: © SCHRODERS » Von einer euphorischen Stimmung bemerke ich trotz der gestiegenen Kurse wenig. « Ingmar Przewlocka, Schroders
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=