FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

echtes Interesse an einem prosperierenden Aktienmarkt. Das ist aus Anlegersicht an sich eine gute Sache – und die Märkte steigen ja, wenn auch bei erhöhter Vola- WLOLWÌW 'LHVHV JDQ]H 8PIHOG VFKDȬW JXWH Chancen für aktive Aktienmanager. Die Frage ist natürlich, ob die US-Regierung manchmal einen zu starken Fokus auf den kurzfristigen Erfolg legt und darüber die mittel- und langfristigen Perspektiven vernachlässigt. Etwa bei der Forderung an die US-Noten- bank, dieZinsen rascher zusenken? Das ist sicher ein Beispiel. Um das klar zu sagen: Die jüngsten Zinssenkungen der Fed halte ich für fundamental gerecht- fertigt. Aber natürlich schaden die politi- VFKHQ $QJULȬH XQG (LQPLVFKXQJVYHUVX- che der Reputation der Fed, und auch der Markt scheint das Vertrauen allmählich zu verlieren. Das signalisieren etwa die Renditen der langlaufenden US-Staats- anleihen, die auf recht hohem Niveau YHUKDUUHQ 2ȬHQEDU UHFKQHQ GLH 0ÌUNWH PLW ODQJIULVWLJ KĆKHUHU ,QijDWLRQ *OHLFK- zeitig mehren sich die Bremsspuren in der US-Konjunktur, für das kommende Jahr rechnen wir mit einem geringeren Wirtschaftswachstum. In Kombination PLW HLQHU KĆKHUHQ ,QijDWLRQ GHXWHW GDV LQ 5LFKWXQJ 6WDJijDWLRQ Die Aktienmärkte ließ das bis zuletzt kalt. NachdemLiberationDaysaheszwarkurze Zeit so aus, als würden die Kapitalflüsse in Richtung Europa drehen. Doch dann zogen die Kurse der großen US-Tech-Werte wie- der an. Die US-Börsen können sicher noch weiter zulegen, aber die fundamentalen Aussich- ten für Europa und vor allem für Asien sind besser, außerdem sind die Aktien dort günstiger bewertet. Die globale %HGHXWXQJ $VLHQV ZÌFKVW UDVFK *HUDGH vor diesem Hintergrund sollte man diese Region in seinen Anlageüberlegungen nicht außer Acht lassen. Hinzu kommt, dass gerade institutionelle Investoren mehr in Richtung Asien – übrigens ein- schließlich Japan und China – und auch Richtung Europa allokieren. Insbeson- dere asiatische Staatsfonds reduzieren ten- denziell ihre Abhängigkeit von den USA. Das sind tektonische Verschiebungen, die langsam in Fahrt kommen, ihre Wir- kung jedoch über lange Zeit entfalten. Ich JODXEH GDVV GD XQWHU GHU 2EHUijÌFKH GRFK einiges in Bewegung gekommen ist. SolltensichPrivatanlegerdieinstitutionellen InvestorenzumVorbildnehmen? Ich denke schon. Ein erfolgreicher Trade braucht auf Dauer immer zwei Zutaten: eine gute Bewertung und eine Story. Es hilft wenig, wenn eine Aktie sehr preis- wert, das Sentiment aber einfach schlecht ist. Tendenziell kommen bei Privatanle- gern eher Storys gut an – wie bei den Ľ0DJQLljFHQW 6HYHQĺ $NWLHQ ,QVWLWXWLR- nelle Anleger achten dagegen eher auf die Bewertungen. Früher haben die aktiven Fondsmanager solche Unterschiede aus- genutzt und damit einen Ausgleich her- beigeführt. Mit der Zunahme der passiven Strategien wird aber ein immer größerer Teil des Marktes immer weniger bewer- tungsgetrieben investiert. Das erklärt sicherlich zumTeil, warum sich die hohen Bewertungen in einigen Bereichen so hartnäckig halten. Kurzfristig performen » Unsere ganze westlich geprägte Sichtweise auf die Welt und das Macht- gefüge verschieben sich gerade – in ver- schiedenster Hinsicht. « Michael Krautzberger, Allianz GI fondsprofessionell.de 4/2025 139 FOTO: © SEBASTIAN WIDMANN FÜR FONDS PROFESSIONELL

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=