FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
die Technologiewerte vielleicht weiterhin besser, und gerade wenn der Markt gut läuft, haben die USA oft das höhere Beta. Das Potenzial in Asien und Europa wird aber früher oder später gehoben. Die Aktienmärkte hatten der Bundesregie- rung einiges an Vorschuss gegeben, vor allem wegen des Infrastrukturpakets. Nun scheint viel Geld eher in das Stopfen von HaushaltslöchernstattinZukunftsinvestitio- nen zu fließen. Wie viel dieses Vertrauens- vorschusses der Investoren hat die Regie- rungschonaufgebraucht? Man muss sehr optimistisch gewesen sein, um jetzt schon desillusioniert zu sein. Es war ja von Anfang an klar, dass diese Pro- jekte teils über mehrere Jahre laufen und HV .RPSURPLVVH JHEHQ ZLUG ,FK ljQGH GLH Entscheidung aber grundsätzlich richtig, als Staat mehr Geld in die Hand zu neh- men. Die deutsche Politik war lange Zeit stark auf ihre schwarze Null fokussiert. Das war auf der einen Seite gut, aber es zeigen sich auch nachteilige Folgen. Mit der Schuldenbremse hat man über die Jahre nicht nur die Schuldenquote stabili- siert, sondern sie sogar gesenkt. Angesichts der wirtschaftlichen und sicherheitspoliti- schen Herausforderungen ist die Politik QXQ UHDOLVWLVFKHU JHZRUGHQ ,FK ljQGH HV richtig, dass wir nicht nur rein reaktiv die Verteidigungsausgaben erhöht haben, sondern auch ganz bewusst Infrastruktur mit in die Ausgabenplanung aufgenom- men haben. Mehr Investitionen hat ja auch der Draghi- Bericht vergangenes Jahr angemahnt. Genau, der Draghi-Bericht kritisierte den zu rigiden Stabilitäts- undWachstumspakt der EU. Zu Recht: Wenn man ein festes numerisches Fiskalziel vorgibt, ohne nach Investitionen und laufenden Ausgaben zu unterscheiden, dann werden die poli- tischen Entscheider am Ende die Investi- tionen zurückfahren. Denn das tut kurz- fristig am wenigsten weh. Wenn man das aber über eine längere Zeit macht, wird der Investitionsrückstand immer größer. Das erklärt auch, warum Europa bei der Produktivität gegenüber den USA immer weiter zurückgefallen ist. In der deutschen Entscheidung sehe ich den Pragmatismus, Fehlentscheidungen der Vergangenheit angesichts eines geänderten Umfelds zu korrigieren. Das Gute ist, dass wir uns das auch leisten können. Deutschland ist einer der solidesten Schuldner weltweit. Das kann man von unserem Nachbarn FrankreichimMomentnichtbehaupten:Das Land ist ohne stabile Regierung auf einem steilen Verschuldungspfad. Das Kreditra- ting hat sich deutlich verschlechtert. Trotz- demhält sich der Zinsaufschlag für franzö- sischeStaatsanleiheninGrenzen.HabenSie eineErklärungdafür? Das liegt zum großen Teil an der Europäi- schen Zentralbank (EZB), die seit der Eurostaatsschuldenkrise und während der Pandemie sich selbst und damit auch dem Euro mit ihren verschiedenen Instru- menten und Programmen eine hohe 5HSXWDWLRQ YHUVFKDȬW KDW 'LHVHU 5HVSHNW trägt sicher dazu bei, dass die Märkte viel weniger nervös sind, als sie es sonst wären. Zugleich sind Instrumente wie das Trans- missionsschutzinstrument (TPI) ja an strenge Bedingungen gebunden, etwa in %H]XJ DXI 'Hlj]LWH (LQ )UHLIDKUWVFKHLQ LQ die Verschuldung ist das sicher nicht. Viele Experten erwarten eine Vergemein- schaftung der Staatsschulden in Europa. Sieauch? Auf lange Sicht will ich das nicht aus- schließen. Wenn es so kommt, dürfte das an Themen gebunden sein. In der Covid- Krise hatten wir ja schon die gemein- schaftliche Finanzierung der Krisenmaß- nahmen über EU-Anleihen. Nehmen wir aber mal an, die geopolitische Bedro- hungslage würde sich weiter verschärfen, dann könnte man irgendwann auch gemeinschaftliche Mittel für Verteidi- gung aufnehmen. Das könnte der Einstieg in gemeinschaftliche Schuldenaufnahme sein, aber das ist meiner Meinung nach eine sehr langfristige Perspektive. » Glauben Sie, dass die EU ein großes US-Unter- nehmen heute noch so hart angehen würde wie vor zehn Jahren? « Michael Krautzberger, Allianz GI MARKT & STRATEGIE Michael Krautzberger | Allianz Global Investors 140 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © SEBASTIAN WIDMANN FÜR FONDS PROFESSIONELL
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