FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

Wie investieren Sie in Ihren Portfolios in französischeStaatsanleihen? Wir sind momentan untergewichtet in französischen Anleihen, aber das ist natür- lich immer auch eine Frage des Preises – und der ist deutlich günstiger geworden. An einen Ausverkauf französischer Staats- anleihen oder gar einen Ausfall glaube ich nicht. Überhaupt erwarte ich nicht, dass wir auf absehbare Zeit nochmals in eine Eurokrise wie ab 2010 geraten. VielleichtverliertjaauchDeutschlandeinmal das AAA-Rating, wenn die höheren Staats- ausgabennicht zumehrWachstumführen. Auch das erwarte ich nicht. Außerdem würde es für Investoren wenig Alternati- ven am Staatsanleihenmarkt geben, wenn am Ende nur noch kleinere Staaten wie Dänemark, die Schweiz und Norwegen ein Spitzenrating hätten. SehenSiediegrößerenGefahrenaktuellbei AktienoderAnleihen? Wir haben zumindest in den USA eine Kombination aus eher hoch bewerteten Aktien und einem eher steigenden Zins- niveau am Rentenmarkt. Das höhere Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist in der Niedrigzinsphase unproblematisch, aber bei höheren Zinsen wird es zunehmend fragil. Man muss das schon in Kombi- nation sehen. Die Risiken beider Märkte sind verbunden, und es kann ganz unter- schiedliche Zeitschienen geben. ZumBeispiel? Umdas amunwahrscheinlichen Fall einer Verschärfung der Lage in Frankreich zu erklären: Man darf sich nicht der Illu- sion hingeben, statt französischer Staats- anleihen etwa High-Yield-Anleihen und Aktien französischer Unternehmen zu kaufen. Eine Krise könnte am Staatsan- leihenmarkt beginnen und dann über die Banken oder schwächere Wachstumsaus- sichten auch auf den Aktienmarkt über- greifen. Dann aber reagiert oft wieder der Anleihenmarkt zuerst auf Maßnahmen der Notenbank. Auch international gibt es weitreichende Wechselwirkungen. Wer also nur in einzelnen, logisch getrennten Märkten denkt und handelt, der denkt womöglich zu kurz. Was ist Ihre Meinung zu Gold und Krypto- anlagen? Die gute Performance bei Gold hat sicher auch mit der Dollarschwäche und der allgemeinen Vertrauenskrise mit Blick auf die Institutionen zu tun. Diese Trieb- kräfte dürften weiter wirken. Gold ist ein KHUYRUUDJHQGHU 'LYHUVLljNDWRU ]X $NWLHQ und Anleihen. Auch das Kryptosegment KDW YRP 0LVVWUDXHQ LQ GLH ĆȬHQWOLFKHQ ,QVWLWXWLRQHQ SURljWLHUW ,P 8QWHUVFKLHG zum Gold gibt es allerdings viele Krypto- währungen. Wenn es aber jeden Monat ein paar neue Kryptowährungen gibt, dann fällt ja irgendwann das Prinzip der Verknappung weg. Das wäre vielleicht anders, wenn etwa Bitcoin der Standard für alle Zeiten wäre. Es gibt aber noch viele weitere Gründe, warumwir in unse- ren Produkten nicht in Kryptowährungen investieren. Wir haben viel über Risiken und Chancen gesprochen. Steht der Aktienmarkt Ihrer MeinungnachineinemJahrhöherodernied- riger alsheute? Trotz der Unsicherheiten stehen die Chan- cen gut, dass die Aktienkurse insgesamt höher liegen werden als heute. Wahr- scheinlich werden wir eine Rotation hin zu Marktsegmenten wie Quality Growth oder Small Caps sehen, und sehr wahr- scheinlich dürften Asien und Europa bes- ser performen als die USA. VielenDank für dasGespräch. JOCHEN HÄGELE FP KURZ-V I TA : M. Krautzberger Michael Krautzberger steht seit Juni 2025 als Chief Investment Officer (CIO) PublicMarkets an der Spitze der rund 475Milliarden Euro schweren Public-Markets- Plattformvon Allianz Global Investors. Krautzberger, ein erfolgreicher Rentenfondsmanager, ist imSommer 2024 als CIO Global Fixed Income von Blackrock zu der Tochter des Versicherungskonzerns Allianz gewechselt. » Wenn es jeden Monat ein paar neue Krypto- währungen gibt, fällt irgendwann das Prinzip der Verknappung weg. « Michael Krautzberger, Allianz GI MARKT & STRATEGIE Michael Krautzberger | Allianz Global Investors 142 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © SEBASTIAN WIDMANN FÜR FONDS PROFESSIONELL

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