FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

sehen inzwischen, dass ein Mindestmaß an Verteidigungsfähigkeit auch nachhaltig sein kann – vor allem, wenn es umDemo- kratie und freiheitliche Werte geht. Abernichtalle IhrerKundinnenundKunden dürftendieseSicht teilen, oder? Da haben Sie recht, und das war auch nicht immer so. Aber wir stellen fest, dass sich die Haltung vieler Kunden verändert hat – gerade mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage und Europas neue Ver- antwortung für die eigene Sicherheit. Die allermeisten verstehen heute, dass Verteidi- gung keinWiderspruch zu Nachhaltigkeit sein muss. Bisher habe ich kaum Wider- spruch oder kritische Stimmen erlebt, im Gegenteil: Oft wird das Thema inzwi- schen aktiv adressiert. StichwortReindustrialisierung:Istdasmehr als ein wohlklingender Begriff? Oder ist es am Ende nur ein Etikett, unter dem alte Arbeitsplätze einfach „grün und digital“ lackiert zurückgeholtwerdensollen? Reindustrialisierung nach unserem Ver- ständnis heißt keineswegs, die alten Jobs eins zu eins zurück nach Europa holen ]X ZROOHQ (V JHKW YLHOPHKU XP (ȯ]LHQ]- steigerung und Automatisierung – darum, dass wir wieder selbstbewusst systemrele- vante Produktion vor Ort ermöglichen. Das wird Strukturveränderungen und sicherlich auch Jobverlagerungen mit sich mitbringen, keine Frage. Aber es entste- hen eben auch neue Arbeitsplätze, etwa in der Steuerung und Wartung von Pro- zessen, im Bereich Data Analytics und bei Energielösungen. Abhängigkeit von Billigproduktion in Asien ist jedenfalls keine Zukunftsstrategie mehr – und war es eigentlich auch nie. Aber bleibt da nicht ein Grundproblem? Dass europäische Aktien regelmäßig von Stimmungswellen abhängen und dass sich ein vermeintliches Megatrendthema auch schnell mal als vorübergehende Mode erweisenkann? Marktlaunen und Hypes gibt es natürlich immer. Aber ich glaube, dass die struktu- rellen Herausforderungen Europas somas- siv sind, dass sie uns auch in den nächsten zehn, wenn nicht zwanzig Jahren beschäf- tigen werden. Natürlich kann kurzfristig mal ein Teilsegment stärker laufen oder in Kritik geraten. Doch der Bedarf an Lösungen ist bleibend. Und selbst für die großen Pläne zur Modernisierung ist bis- lang nur ein Bruchteil der notwendigen Maßnahmen umgesetzt. Da ist der Nach- holbedarf enorm. EinBlickinIhreInvestorenlistezeigt:Vorwie- gend Privatanleger sowie Family Offices – Institutionellehaltensichnochstarkzurück. Was läuft da schief? Oder übersehen die InstitutionellenetwaeineChance? Die institutionellen Investoren sind oft einfach sehr regelgebunden und verlangen eine mehrjährige Historie, die es bei unse- rem Produkt naturgemäß noch nicht gibt. Aber – und das merken wir immer KÌXljJHU ł YLHOH GHQNHQ LQ]ZLVFKHQ XP die Nachfrage zieht an. Ich rate generell jedem Investor, sein Konzentrationsrisiko im klassischen Portfolio ehrlich zu prüfen. Unser Ansatz kann dabei helfen, unab- hängig von der Größe oder Ausrichtung des Investors. Die Stärke Europas bleibt jedenfalls ein spannendes Investment- thema – und das gilt für Privatanleger wie auch Institutionelle gleichermaßen. VielenDank für dasGespräch. HANS HEUSER FP KURZ-V I TA : Hilde Jenssen Hilde Jenssen ist Leiterin Fundamental Equities bei Nordea Asset Management und Co-Managerin der Empower-Europe-Strategie der Gesellschaft. Bevor sie 2018 zu Nordea kam, hat sie über zwei Jahrzehnte in den USA gearbeitet, wo sie unter anderem für Gesellschaften wie Credit Suisse und Goldman Sachs tätigwar. » Die strukturellen Herausforderungen Europas sind so massiv, dass sie uns auch in den nächsten zehn, wenn nicht zwanzig Jahren beschäftigen werden. « Hilde Jenssen, Nordea Asset Management MARKT & STRATEGIE Hilde Jenssen | Nordea Asset Management 154 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © JOE MORTENSEN FÜR FONDS PROFESSIONELL

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