FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
Frank Fischer hat Shareholder Value Management vom klassischen Value-Ansatz in Richtung „Modern Value“ gedreht – eine Reise mit Reibungsverlusten, Stilbruch und Teamumbau. Im Interview erklärt er, warum das kein ganz einfacher Weg war. F rank Fischer investiert seit über vier Jahrzehnten und sagt: Klassisches Value funktioniert – aber es gibt etwas Besseres. Gemeint sind „wunderbare Fir- men“ mit Burggraben, hoher Kapitalren- dite und verlässlicher Kultur. Inspiriert YRQ &KDUOLH 0XQJHU XQG :DUUHQ %XȬHWW hat Fischer den Fokus von Small und Micro Caps schrittweise auf Qualitäts- führer mit ausreichender Liquidität ver- lagert. Das brachte einen Stilwandel, Ver- unsicherung bei Anlegern und einen tief- greifenden Umbau des Teams. Zwischen 2017 und 2020 wurden viele Prozesse neu aufgesetzt. Im Gespräch erklärt Fischer, warum er überzeugt ist, den richtigen Weg gewählt zu haben. ShareholderValueManagementhatüberdie vergangenen Jahre einen deutlichen Stra- tegiewechsel vollzogen, derdasTeam, Pro- dukte und Investorenbeziehungen durch- einandergewirbelt hat.Wiekamesdazu? Frank Fischer: Weil ich seit über 40 Jahren im Geschäft bin und wir uns weiterent- wickeln mussten. Ich wollte zeigen, wie vielversprechend die Weiterentwicklung des klassischen Value Investings ist. Wenn es einemValue-Investor gelingt, die Quali- tätsaktien zu verstehen, dann kann er den Trick anwenden, von dem Charlie Mun- JHU DXFK :DUUHQ %XȬHWW ĞEHU]HXJW KDW Klassisches Value funktioniert, aber es gibt etwas Besseres – schwieriger, doch loh- nender: die „wunderbaren Firmen“, wie %XȬHWW VDJW *HPHLQW VLQG 8QWHUQHKPHQ PLW VSH]LljVFKHQ &KDUDNWHULVWLND GLH PDQ akademisch demQuality-Faktor zuordnen könnte. Entscheidend ist die Qualität der Firma – das habe ich früh gelernt. Was genau unterscheidet „Modern Value“ vonklassischemValue? Klassisches Value ist preisgetrieben: niedri- ges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), nied- riges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Asset-Werte. „Modern Value“ fokussiert Qualität: hohe und stabile Kapitalren- diten als Hinweis auf strukturelle Wett- bewerbsvorteile, Burggräben, herausra- gende Kultur und Fähigkeiten in der Kapitalallokation. Wir grenzen uns klar von Growth ab, denn wir achten sehr auf den Preis und teilen mit dem klassischen Value Investing die Sicherheitsmarge – nur suchen wir sie bei hochwertigen Geschäftsmodellen. Wann begann der Umbau – und wann war er abgeschlossen? Die Weichen haben wir 2017 gestellt, durch waren wir 2022. Wir haben 2020 einen Index als Proof of Concept gestar- tet und wollten darauf einen ETF lancie- ren. Durch Covid und die Koordination vieler Outsourcing-Verträge verzögerte sich der Start des Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value bis Mitte 2022. Parallel begannen wir, den Frankfurter Aktien- fonds für Stiftungen schrittweise umzu- bauen: Heute machen große Mid und Large Caps zirka 80 Prozent aus, Neben- werte nur noch 20 Prozent – bewusst, aber limitiert. Dieser Kurswechsel von Micro Caps zu QualityLeadernwareinStilbruch.Wiehaben dieAnleger reagiert? » Die Weichen haben wir 2017 gestellt, durch waren wir 2022. « Frank Fischer, Shareholder Value „Der Umbau war schmerz- haft, aber notwendig“ MARKT & STRATEGIE Frank Fischer | Shareholder Value Management 162 fondsprofessionell.de 4/2025
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