FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

mistischer man beim Thema KI ist, desto weniger sollte man Tech-Aktien überge- wichten und stattdessen auf Value-Titel setzen. Der Grund: In der zweiten Phase dieser großen technologischen Revolution – wenn sich die Basistechnologie gewis- sermaßen im Markt etabliert hat und die euphorische Überbewertung abgeebbt ist – werden vor allem die anwendenden %UDQFKHQ SURljWLHUHQ QLFKW PHKU GLH Anbieter der Technologie selbst. Man kann auch das mit der Entwicklung bei Internetunternehmen vergleichen: In den ersten Jahren stiegen die Tech-Aktien mas- siv, danach holten Banken, Einzelhandel und andere auf, weil sie die Technologie nutzten. Die Phase, in der die Tech-Produ- zenten ihre Privilegien ausspielen, dauert selten länger als fünf bis sieben Jahre. Also lieber aussteigenausTech-Werten? Ich werde mich in dieser Form nicht fest- legen. Aber jeder am Markt kann sehen, dass US-amerikanische Tech-Konzerne derzeit enorme Bewertungsprämien genie- ßen. Und unser Modell zeigt, dass diese „Überrenditen“ langfristig zu den Nicht- Tech-Bereichen und vor allem zu Value- Aktien wandern – mit der Chance einer Outperformance von durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr über sieben Jahre hinweg. Das heißt: Aus Sicht eines lang- fristigen Investors ist es sinnvoll, Value zu VWÌUNHQ XQG UHJLRQDO ]X GLYHUVLlj]LHUHQ insbesondere inMärkte hinein, die derzeit HKHU XQWHUJHZLFKWHW VLQG DEHU GHQ =XJULȬ auf diese neuen Technologien haben. Eine Frage, die ich Ihnen in diesemZusam- menhang nicht ersparen kann, betrifft das Portfoliomanagement an sich.Wie sieht die Zukunft einesFondsmanagersaus? Eines ist aus meiner Sicht sicher: Künst- liche Intelligenz wird den Portfoliomana- ger nicht vollständig ersetzen können. Um tatsächlich Outperformance zu erzielen, werden wir auch künftig darauf angewie- sen sein, dass kompetente Manager neue Trends rechtzeitig erkennen und auch umsetzen. Aber Technologie wird den Fondsmanager inmannigfaltiger Hinsicht ergänzen. KI entlastet ihn bei der Daten- analyse und beimResearch sowie bei Rou- tineprüfungen. Und sie wird mehr Raum IĞU VWUDWHJLVFKH (QWVFKHLGXQJHQ VFKDȬHQ Das bedeutet auch: Wer den menschli- chen Erfahrungswert und die Fähigkeit zur kritischen Bewertung mit KI-gestütz- ter Analyse gut kombiniert, wird sich langfristig gut behaupten können. Ande- rerseits bleibt eine mögliche Outperfor- mance strukturell begrenzt – Märkte sind nun einmal, wie wir alle wissen, ein Null- summenspiel. Wassich inderFolgewiegenauausdrückt? Die Daten zeigen in allen Segmenten, ob Aktien, Anleihen oder Private Equity und Private Debt: Es gewinnen nur wenige Topmanager systematisch, eben nicht nur imAktiensegment, auch in den Anleihen- märkten. Aber mit KI und Innovation steigen die Chancen für gezielte Strate- JLHQ XQG ĞEHUOHJHQH 'LYHUVLljNDWLRQ $OV Vanguard, einer der weltweit größten aktiven Anleihenmanager, konnten wir schon mehrfach zeigen, dass die Out- performance auf längere Sicht mit der richtigen Mischung aus menschlichem Urteilsvermögen und technologischer Unterstützung gelingen kann. Aber, und das ist mir wichtig zu betonen: Nicht jeder wird durch KI gewinnen – individuelles Geschick und nicht zuletzt Erfahrungs- wissen bleiben elementar. VielenDank für dasGespräch. HANS HEUSER FP KURZ-V I TA : Joe Davis Bereits23JahrearbeitetJoeDavisfürdieUS-Gesellschaft Vanguard, seit 2007 ist er deren Global Chief Economist und Leiter der Investment Strategy Group. Zuvor war er Ökonombei Moody’s, nachdemer in Volkswirtschafts- lehre an der Duke University promoviert hatte. » Nicht jeder wird durch KI gewinnen – individuelles Geschick und nicht zuletzt Erfahrungswissen bleiben elementar. « Joe Davis, Vanguard MARKT & STRATEGIE Joe Davis | Vanguard 174 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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