FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

J apans langfristige Zinsen erreichten 1990 ihren Höchststand von acht Prozent und sanken anschließend über drei Jahrzehnte hin- weg kontinuierlich – bis sie 2016 schließlich in den negativen Bereich fielen. Diese anhaltende Entwicklungwar dasErgebnis einer tief verwur- zelten Deflation, die Wirtschaft und Preise glei- chermaßen lähmte. Erst mit demwirtschafts- politischen Kurswechsel ab 2012 – einer Kom- bination aus niedrigen Zinsen, gezielten Eingrif- fen gegen die übermäßige Yen-Aufwertung und wachstumsorientierten Reformen, bekannt als „Abenomics“ – gelangdie Trendwende. Bis 2020 erreichten die langfristigen Zinsen ihren Tief- punkt und haben sich seither auf rund 1,6 Pro- zent erholt; parallel dazu erhöhte die Bank of Japan den Leitzins auf 0,5 Prozent. Nach Jahr- zehnten der Preisstagnation hat Japan den Ausstieg aus der Deflation erzielt. Im Zuge dieser Entwicklung verbesserte sich die Ertragslage japanischer Firmen deutlich. Viele Firmen konnten gestiegene Importko- sten infolge der Yen-Abwertung erfolgreich an ihreKundenweitergeben, wodurchMargen sta- bil blieben und sich die Wettbewerbsfähigkeit erhöhte. Gleichzeitig beginnen nach Jahren der Lohnstagnation auch die Einkommenwieder zu steigen – ein deutliches Signal für den Beginn eines selbsttragenden, moderat inflationären Zyklus. Belastungen durch US-Zölle Im Jahr 2025 wird diese positive Dynamik jedoch durch neue Importzölle von US-Präsi- dent Donald J. Trump gebremst. Zwar lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine vollständigenQuartalsergebnisse für das zweite Geschäftsquartal vor, doch wird der Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt bereits auf rund –0,6 Prozent geschätzt. Besonders betroffen sinddieAutomobil- undElektronikindustrie, was weltweit Diskussionen über eine Neuordnung vonProduktions- undLieferkettenausgelöst hat. Diese Belastungen wirken sich nicht nur kurz- fristig auf die Produktion aus, sondern dämpfen auch Investitions- und Forschungsaktivitäten. Verstärkt wird der Druck durch die jüngste Auf- wertungdesYen, diealsFolgesteigender Zinsen unter Führung der Bank of Japan die Gewinne exportorientierter Unternehmen reduziert. Für das laufende Geschäftsjahr wird daher ein Rückgang der Unternehmensgewinne um 2,7 Prozent erwartet. Ab 2026 dürfte sich die Lage jedoch deutlich aufhellen: Prognosen gehen von einem kräftigen Gewinnanstieg um 10,7 Prozent und neuen Rekordwerten aus – ein Zeichen für die Widerstandskraft der japani- schenWirtschaft. Fortschritte bei Corporate Governance Auch im Bereich der Unternehmensführung schreitendieReformen voran. Die vonder Tokyo Stock Exchange eingeführten strengerenOffen- legungspflichten für Unternehmen mit einem Die Etablierung einer inflationsgetriebenen Wirtschaft in Japan JapansWirtschaft gelingt der nachhaltige Ausstieg aus der Deflation –moderates Preiswachstumund steigende Zinsenmarkieren den Beginn eines neuen Zyklus. Historische Entwicklung wiederkehrender Erträge japanischer Unternehmen Trotz leichter Belastungen durch US-Zölle wird mit einer kräftigen Erholung gerechnet. Quelle:DaiwaSecurities,SPARX 0 10 2008 2009 2010 Billionen Yen 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025E 2026E 20 30 40 50 60 70

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