FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
zehn und 15 Jahren und möglicher- weise Verlängerungsoptionen. Anders als im Non-Food-Einzelhandel haben sie in der Regel keine umsatzabhängige Komponente, sind dafür aber normaler- weise indexiert. „Für den Anleger sind auskömmliche Fixmieten, wie sie im Lebensmitteleinzelhandel üblich sind, in jeder Hinsicht als günstiger zu bewerten. Sowohl der Mieter als auch der Vermie- ter haben eine langfristige Kalkulations- grundlage“, sagt Weinrich. Während die großen Lebensmittelket- ten sowohl im Einkauf als auch im Ver- kauf über erhebliche Preissetzungsmacht YHUIĞJHQ WULȬW GDV IĞU 0LHWYHUWUDJVYHU- handlungen mit den Immobilieneigen- tümern so nicht zu. „Die großen Lebens- mittelhändler sind füreinander zu sehr Konkurrenz, wenn sie um gute Standorte kämpfen, sodass sie da auch zu Kompro- missen bereit sind“, sagt Brinker. Wertschöpfung Je nach Investmentstrategie des Manage- ments kann es Sinn ergeben, kürzere Mietvertragslaufzeiten anzustreben. „Wer in einen Standort investiert, kann bei Verlängerung eher Anpassungen im Mietvertrag vornehmen. Das sind die Momente, in denen Wert- VFKĆSIXQJ VWDWWljQGHQ NDQQĺ erläutert Brinker, nennt aber auch Maßnahmen, die unab- hängig von der Laufzeit des 0LHWYHUWUDJV JHWURȬHQ ZHU- den können: Photovoltaikanla- gen und E-Ladesäulen bauen, Paketstationen einrichten oder den Parkplatz wochenends für einen Flohmarkt nutzen. „Manage to green“ nennt Weinrich die bevorzugte Stra- tegie zur Renditeoptimierung bei Habona: „Die Ausstattung der Dächer mit Photovoltaik senkt den Strompreis des Mie- ters, erhöht dadurch seine Wirtschaftlichkeit am Standort und gibt mehr Spielraum für zukünftige Mietstei- gerungen.“ Außerdem könne man auch gezielt Standorte ankaufen, bei denen zwischen dem gebauten Zustand und der JHVHW]OLFK PĆJOLFKHQ 9HUNDXIVijÌFKH QRFK Potenzial besteht. Onlinekonkurrenz Während weite Teile des allgemeinen Einzelhandels durch die Onlinekonkur- renz beeinträchtigt oder gar in ihrer Exis- tenz bedroht sind, hat der Handel mit Gütern des täglichen Bedarfs von dieser Seite kaum etwas zu befürchten. Liefer- dienste und Onlinehandel vereinen der- zeit nicht einmal einen Anteil von drei Prozent am Gesamtumsatz auf sich. „Ursächlich hierfür sind strukturelle Vor- teile des stationären Lebensmitteleinzel- handels wie die gute Erreichbarkeit, die Erlebbarkeit des Einkaufes, eine markt- verteidigende Margenstruktur der sta- tionären deutschen Einzelhändler sowie deren hohe Innovationskraft“, erläutert Christian Huber, Vertriebsleiter bei der auf Einzelhandelsimmobilien spezialisier- ten ILG-Gruppe. Während der Corona-Pandemie schie- nen mobile Lebensmitteldienste eine Marktlücke zu besetzen, inzwischen haben sich die meisten Investoren aber wieder zurückgezogen. „Nahezu alle Kon- zepte scheiterten an mangelnder Perspek- tive, absehbar in die Gewinnzone zu kom- men“, sagt Weinrich. „Das wird sich nicht durchsetzen“, ist auch Brinkler überzeugt, „die Rücksendungsquote ist extrem hoch, und die Kühl- kette nicht zu unterbrechen, lässt sich bei der Lieferung kaum bewerkstelligen.“ Weil der Gewinn der Lebensmittel- einzelhändler nicht margen-, sondern umsatzgetrieben ist, der Onlineumsatz deswegen aber nicht weiter ins Gewicht fällt, wird dem Handel mit Gütern des täglichen Bedarfs in naher Zukunft aus dieser Ecke keine Konkurrenz dro- hen. TILMAN WELTHER FP 214 fondsprofessionell.de 4/2025 SACHWERTE Nahversorgungsimmobilien FOTO: © CHRISTOPH VOHLER | ILG VERTRIEBS GMBH Oligopoly Marktanteile deutscher Lebensmittelhändler Die vier größten deutschen Lebensmittelhändler vereinenmehr als drei Viertel des Umsatzes auf sich. Quelle:NIQTradeDimensions|Stand:März2025 Edeka/Netto 25,8 % Rewe/Penny 21,4 % Lidl/Kaufland 17,9 % Aldi 11,2 % Rest 23,7 % » Der stationäre Lebensmitteleinzelhandel hat strukturelle Vorteile wie die gute Erreichbar- keit und die Erlebbarkeit des Einkaufs. « Christian Huber, ILG
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=