FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
Matthias Beenken beschäftigt sich als Professor an der FH Dortmund mit demVersicherungsvertrieb. Im Interview äußert er sich zumschlechten Image der Branche, zu den Angriffen auf die Unabhängigkeit der Makler und zur Gewinnsituation der Vermittler. M atthias Beenken arbeitete selbst als Versicherungskaufmann, bevor er den Weg in die Wissenschaft fand. FONDS professionell traf den intimen Kenner der deutschen Assekuranz, der seit vielen Jahren auch als Fachjournalist tätig ist, in seinemBüro an der Fachhochschule Dortmund zum Interview. HerrBeenken,SiebeobachtendenVersiche- rungsmarkt seit vielen Jahren, haben das Geschäft von der Pike auf gelernt und auch häufig darüber geschrieben. Ist der klassi- sche Versicherungsvertrieb für die Zukunft gerüstet? Matthias Beenken: Ja, denn er ist sehr anpassungsfähig. Sein Pfund sind die per- sönlichen Kontakte zu den Kunden. Sein Vorteil ist, dass Kunden selten eigeninitia- tiv Versicherungen nachfragen und daher Beratung benötigen. Die Branche kämpft seit Jahren mit hefti- ger Regulierung, schlechtem Image und nun auch Fachkräftemangel. Sind Versi- cherungsmakler von der EU-Kleinanleger- strategie betroffen und damit deren Provi- sionengefährdet? Reguliert war die Branche schon immer, das Image war schon immer schlecht. Gute Fachkräfte gab es nie genug, beson- ders im Vertrieb. Aber die Regulierungs- dichte steigt, das stimmt. Mit der Klein- anlegerstrategie will die EU-Kommission paradoxerweise Anleger zu rentierlichen und riskanteren Anlagen ermuntern, schreckt aber Anbieter und Vermittler mit LPPHU WLHIHUHQ (LQJULȬHQ LQ LKUH XQWHU- nehmerische Freiheit ab und reduziert so den Wettbewerb. Versicherungsmakler sollen aber weiterhin Courtagen erhalten dürfen, sofern Deutschland sie nicht über die Richtlinie hinaus verbietet. Damit rechne ich aber nicht. Die EU-Kleinanlegerstrategie könnte aber ein partielles Provisionsverbot für die Ver- mittlung von Versicherungsanlageproduk- tenbringen, soferndieBeratungauf „unab- hängiger“ Basis erfolgt. Damit wärenCour- tagen für Makler, die sich ja bekanntlich als unabhängigverstehen,zumindestindiesem Bereichgefährdet.WiewertenSiedenaktu- ellenStandder Trilog-Verhandlungen? Es gibt dazu Textvorschläge, die meiner Meinung nach nicht konsistent sind. Da ZHUGHQ GLH %HJULȬH ĽXQDEKÌQJLJĺ XQG ĽXQJHEXQGHQĺ YHUZHQGHW DOV ZÌUHQ GDV zwei völlig verschiedene Ausdrücke. Rein von der Wortbedeutung her sind sie das aber nicht. Nach jetzigem Planungsstand soll es analog dem Anlagevertrieb nach 0LljG ,, EHL 9HUVLFKHUXQJVDQODJHSURGXN- WHQ XQ]XOÌVVLJ VHLQ VLFK DOV ĽXQDEKÌQJLJĺ zu bezeichnen und trotzdem Courtagen anzunehmen. Wer dann Courtagen – es geht hier nur um die Lebensversicherung – haben will, muss dem Kunden mittei- len, er sei Versicherungsmakler und nicht an ein oder mehrere Versicherungsunter- nehmen gebunden, werde aber von den Versicherern bezahlt. Kommt aus Brüssel womöglich doch der „abhängige“ Versicherungsmakler, den einer Ihrer Kollegen aus der Wissenschaft beschwört?DaswürdeLaienbei derSuche nach neutraler Beratung noch mehr ver- unsichern. Da wird – glaube ich – manchmal etwas übertrieben. Lebenspolicen werden seit Langem schon und aktuell noch fast aus- „ Blinder Fleck bei Nettopolicen“ » Wer für den Kunden intransparent mit einem Versicherer Courtagen aushandelt, ist nicht ›neutral‹. « Matthias Beenken, FH Dortmund FONDS & VERSICHERUNG Matthias Beenken | Fachhochschule Dortmund 248 fondsprofessionell.de 4/2025
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