FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
unterstellt auch dieses deterministische Modell für die Fondsperformance eine konstante Rendite, was natürlich unrea- listisch ist“, sagt Löwe. Daher hat die Alte Leipziger in einem gemeinsamen Fachbeitrag mit Morgen & Morgen gezeigt, dass sich mit einer stochastischen Hochrechnungsmethode $EODXijHLVWXQJHQ SURJQRVWL]LHUHQ ODVVHQ die der Realität näher kommen. Bei einer deterministischen Hochrech- nung wird angenommen, dass eine Geld- anlage mit einer konstantenWertentwick- lung läuft. In einem ersten Schritt legten die Alte Leipziger undMorgen &Morgen ihrer Untersuchung eine dynamische 3-Topf-Hybrid-Police zugrunde, also ein Produkt, bei dem der Versicherer je nach Kapitalmarktsituation das Vermögen zwi- schen Fonds, Sicherungsvermögen und einemWertsicherungsfonds umschichtet. Bei einer Laufzeit von 37 Jahren und einemmonatlichen Beitrag von 100 Euro wurde für den Fonds, das Sicherungsver- mögen und denWertsicherungsfonds eine Rendite von sechs Prozent angenommen. Analysiert wurde also, wie realitätsnah das vom GDV empfohlene Hochrechnungs- modell ist. Für das Rechenbeispiel unter- stellten die Experten einmal ein Garantie- niveau von 80 Prozent und ein weiteres Mal eine 60-Prozent-Garantie. Erstaunliches Ergebnis Das interessante Ergebnis: Beim 80-Pro- zent-Garantieniveau beliefe sich die $EODXijHLVWXQJ DXI (XUR %HLP 1LYHDX YRQ 3UR]HQW OÌJH VLH EHL Euro. Der Unterschied ist zwar gerade angesichts der langen Laufzeit nicht groß, dennoch stellt ein solches Resultat die Gesetze der Kapitalanlage auf den Kopf. „Bei einer geringeren Garantie ist das Risiko größer, und damit müsste sich natürlich auch eine höhere Rendite erzie- len lassen“, sagt Löwe. So wäre es normalerweise. „Bei einem höheren Garantieniveau ist davon auszu- Eine Methode, drei Varianten Die Ablaufleistung einer Fondspolice kann mit verschiedenen Verfahren prognostiziert werden. 1. Bruttomethode gemäß PIA: Bei die- ser Methodewird die Bruttowertentwicklung für die Gesamtanlage unterstellt. Sicherungs- und Fondsvermögenwerden nicht getrennt, sondern zusammengenommen mit einem bestimmten gesetzlich vorgegebenen Rechnungssatz hoch- gerechnet. Mögliche Gutschriften aus Kosten- überschüssen, diewesentlich aus Rück- vergütungen der Fondsanbieter an den Versicherer gespeist werden, dürfen bei der Kalkulation nicht berücksich- tigt werden. 2. Bruttomethode nach Empfeh- lung des GDV: Hier wird die Brutto- wertentwicklungebenfallsfürdasSiche- rungs- und das Fondsvermögen unter- stellt, die beiden Anlagetöpfe werden zusammen hochgerechnet. Anders als bei der Methode der PIA dürfen die Versiche- rer mögliche Kostenüberschüsse, die den Kun- den gutgeschrieben werden, aber berücksichti- gen. Das kann bei ansonsten identischen Para- metern zu einer höher erscheinenden Ablauf- leistung führen. 3. Bruttomethode mit getrennter Hoch- rechnung: Bei dieser Bruttomethodewerdendie Anlagetöpfegetrennt hochgerechnet: das Siche- rungsvermögen mit dem für die Überschuss- beteiligung geltenden Prozentsatz und nur der Fonds mit der unterstellten Bruttowertentwick- lung. Die errechneten Summen werden addiert. So ergibt sich die Ablaufleistung. Ergebnisse: Die Tabelle zeigt Ablaufleistungen von Fondspolicen zweier Anbieter (Fonds: Fide- lity European Growth, Laufzeit: 30 Jahre, monat- licher Beitrag: 100 Euro, 80 Prozent Beitragsga- rantie, Beitragsrückgewähr bei Tod inder Ansparphase). Anbieter A verwendet die vomGDVempfohleneBruttomethodemit gemeinsamerHochrechnungderAnlage- töpfe. Anbieter B verwendet dieMethode mit getrennter Hochrechnung. Je nach angenommener Bruttowertentwicklung kann die Berechnung mit der einen oder der anderen Methode auf dem Papier zu deutlich höheren Ablaufleistungen füh- ren. Ein realitätsnaher Produktvergleich ist damit nicht möglich. Beispielrechnung Ablaufleistung einer Fondspolice Versicherer Unterstellte Fondsperformance 3 % p.a. 6 % p.a. Anbieter A 43.615 Euro 71.522 Euro Anbieter B 44.544 Euro 64.999 Euro 256 fondsprofessionell.de 4/2025 FONDS & VERSICHERUNG Ablaufleistung FOTO: © PATRIARCH MULTI-MANAGER GMBH » Es ist zu begrüßen, dass mit dem neuen Vor- schlag etwas mehr Reali- tätsbezug in die Hoch- rechnungsmethoden kommen würde. « Dirk Fischer, Patriarch
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=