FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
„Es kommt immer auf die Kunden- nachfrage an“, betont etwa FFB-Chef Jan Schepanek. Sein Haus habe 800 Ver- mittler, die eng mit der Fondsplattform zusammenarbeiten, im vergangenen Jahr zur Relevanz von ELTIFs befragt. „Das Ergebnis: Während grundsätzlich Inter- esse an ELTIFs besteht, haben diese aktuell jedoch nicht oberste Priorität“, so Schepa- nek. Entsprechend hat die FFB andere Projekte vorgezogen. Die Bank Zweiplus verweist ebenfalls auf die mangelnde Nachfrage. Damit beißt sich die Katze jedoch selbst in den Schwanz: Ohne Ange- bot kann die Nachfrage kaum steigen. Komplexe Abwicklung Die Zurückhaltung der Fondsplattfor- men hat weitere gute Gründe, denn die Abwicklung der ELTIFs stellt für sie eine große Herausforderung dar. „Die Abläufe bei semi- oder illiquiden Private-Markets- Fonds unterscheiden sich in den meisten Fällen deutlich von denen bei liquiden UCITS-Produkten“, erläutert Jamal El Mallouki, Geschäftsführer der Private- Market-Plattform Portagon. „Bei einem klassischen Wertpapierfonds laufen die Orders über einen Zentralverwahrer und eine Depotstelle, bei den Private-Markets- Produkten dagegen wird die Order direkt bei der Kapitalverwaltungsgesellschaft eingereicht.“ Bei einem solchen Ablauf kann man individuelle Mindesthalte- und Kündigungsfristen sowie Einzahlungs- und Rückgabefenster relativ problemlos berücksichtigen. Depotbanken, deren Pro- zesse an klassischen Fondsorders ausge- richtet sind, haben damit ein Problem. El Mallouki verweist zudem darauf, dass ELTIFs wie UCITS-Fonds eine ISIN haben. Ordern Anleger mehrmals einen UCITS-Fonds, werden die Orders auf die eine ISIN „aggregiert“. Das darf bei ELTIFs wegen der verschiedenen Rück- gabezeitpunkte nicht passieren. Depot- banken benötigen ferner zum Kauf eines Fonds den aktuellen Preis, den Nettoin- ventarwert (Net Asset Value, NAV). Bei vielen ELTIFs werden die NAVs aber nur monatlich oder gar vierteljährlich gestellt. „Man hat mit dem ELTIF 2.0 ein nicht standardisiertes Produkt geschaf- fen, das über Depotbanken abgewickelt werden soll, die standardisierte Prozesse benötigen“, fasst El Mallouki zusammen. Viele Branchenteilnehmer hätten sich standardisierte Halte- und Rückgabe- IULVWHQ JHZĞQVFKW ł DQDORJ GHQ RȬHQHQ Immobilienfonds. Lösungen der Depotbanken Dennoch: Die Probleme sind lösbar – allerdings ist es nicht billig: „Es gibt Depotbanken, die über die nötige IT-Infra- struktur verfügen, wenngleich die Systeme klassischer B2B-Institute weniger auf die- sen Bereich ausgelegt sind. Eine Umpro- grammierung ist möglich, aber im Zwei- fel aufwendig und kostenintensiv. Die- sem Aufwand muss ein Nutzen in Form von ausreichend Assets gegenüberstehen“, berichtet Michael Patzelt, Vertriebsleiter für die DACH-Region bei Moventum. Sein Haus wickle Kauforders digital ab, für Verkäufe sei der Prozess (teil)manuell. Daher werde man ab 2026 mit Portagon zusammenarbeiten, um eine volldigitale Abwicklung zu ermöglichen. Die FNZ und die DAB BNP Paribas, die seit 2023 ELTIFs abwickelt, gehen pragmatisch vor. „Die Kaufprozesse sind fast automatisiert, da keine großen Unter- schiede zu den Prozessen bei UCITS- Fonds bestehen“, sagt Sebastian Seeberger, stellvertretender Leiter Produktmanage- ment im Investmentbereich der DAB BNP Paribas. Die Prozesse bei Rückgaben seien bislang nur teilautomatisiert: „Hier ist noch Zeit, da die allermeisten ELTIFs eine Mindesthalteperiode vorsehen.“ Die FNZ Bank, die seit 2024 ELTIFs führt und diese ins Standard-Onlinedepot einbucht, digitalisiert die Prozesse eben- falls kontinuierlich – aktuell sind sie noch nicht vollständig automatisiert. Außerdem nimmt sie nur ausgewählte ELTIFs auf: Sie müssen „fully funded“ sein, also ohne „Cash Calls“ auskommen, und beimZen- tralverwahrer Clearstream geführt wer- den. JENS BREDENBALS FP Die Tabellen zumArtikel finden Sie auf den nächsten Seiten. 288 fondsprofessionell.de 4/2025 VERTRIEB & PRAXIS Fondsplattformen FOTO: © OLAF DENEBERGER & NATALIE FAERBER | PORTAGON, CHRISTOPH HEMMERICH | FONDS PROFESSIONELL Jamal El Mallouki, Portagon: „Man hat mit demELTIF 2.0 ein nicht standardisiertes Produkt geschaffen.“ Michael Patzelt, Moventum: „Eine Umprogram- mierung ist möglich, aber imZweifel aufwendig und kostenintensiv.“
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