FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

Rückkehr zu den Wurzeln Vor 86 Jahren haben die Nationalsozialisten die Schließung der ehe- maligen Bank Jacob S.H. Stern erzwungen. Jetzt kehrt die Familie mit der Fondsboutique J. Stern & Co. nach Deutschland zurück. E in kühler Wintermorgen im Frank- furt des Jahres 1805: Im Dämmer- licht, das sich zaghaft über die Dächer der Stadt legt, steigt Rauch aus den Schorn- VWHLQHQ DXI GHU GLH HQJH JHSijDVWHUWH Judengasse in silbrigen Nebel taucht. Pas- VDQWHQ GUÌQJHQ GXUFK GLH *DVVH .DXijHXWH und Handwerker, dicht in Mäntel gehüllt gegen die winterliche Kälte, eilen vorbei anMarktfrauen, die ihreWaren anpreisen. 0LWWHQ LQ GLHVHP 7UXEHO ĆȬQHW VLFK die schwere Holztür eines Hauses, dessen blendende Zukunft noch im Ungewissen liegt. Auf dem schlichten Messingschild am Eingang steht: „Jacob S.H. Stern, Weinhandlung“. Drinnen stapeln sich Fäs- ser und Flaschen, in einer Ecke hat man 3ODW] JHVFKDȬHQ IĞU HLQHQ 7LVFK DXI GHP kleine Stapel von Handelswechseln, Quit- tungen und Depositenscheinen liegen. Ob sich die Szene so abgespielt hat, kann heute niemand sagen. Aber zumin- dest so ähnlich könnte die Geburtsstunde des Frankfurter Bankhauses Jacob S.H. Stern im Jahr 1805 ausgesehen haben, das zu einem der bedeutendsten Finanzinsti- tute des 19. und frühen 20. Jahrhunderts werden sollte. Jacob Samuel Hayum Stern war Weinhändler in dritter Generation. Bereits sein Vater hatte deutschlandweit Kunden und war dank des lukrativen Weinhandels ein vermögender Kauf- mann. Waren-, Geld- und Kreditgeschäfte waren schon damals eng miteinander verknüpft. Über die Jahre wandelte sich der Wein- handel so zum Bankhaus. Aber damals ahnte noch niemand, dass das Handels- KDXV HLQPDO GLH %DVLV IĞU HLQH HLQijXVVUHL- che europäische Bankiersdynastie legen würde. Jacobs Söhne gründeten in den 30er-Jahren des 19. Jahrhunderts Bankhäu- ser in Paris und London. Sie beteiligten sich an den Anleihen zur Finanzierung der französischen Reparationen 1871/72 und begleiteten Emissionen quer durch Europa, Staatspapiere für Portugal, Argen- tinien, das Osmanische Reich und China. Eine bedeutende Privatbank Als eine der inzwischen bedeutends- ten Privatbanken erhielt Jacob S.H. Stern 1876 einen Sitz im Zentralausschuss der Deutschen Reichsbank und im Frank- furter Bezirksausschuss. Selbst nach den Turbulenzen des ErstenWeltkriegs erfuhr GLH %DQN HLQHQ QHXHQ +ĆKHQijXJ ZHLO VLH aufgrund ihrer Vernetzung in den Nach- barländern dringend gesuchtes Kapital aus dem Ausland nach Deutschland zurück- holen konnte. Als wichtige Zahlstelle für Dividenden von Aktiengesellschaften zählte das Haus noch 1933 zu den 25 größ- ten deutschen Privatbanken. Aber nach der Machtergreifung durch die Nazis 1933 wurde der letzte Inhaber Paul Stern aus Aufsichtsräten und zur Liquidation der Bank gedrängt. Er starb nach misslungener Flucht 1939. Dem Pari- Jérôme Stern, Mitgründer von J.Stern&Co.:„AmEnde haben auch in unserer Familie alle den Blick nach vorn gerichtet auf die Chan- cen, diemit einer Rückkehr nach Deutschland verbunden sind.“ » Die Entscheidung hätte früher nicht fallen können, weil die Voraussetzungen noch nicht erfüllt waren. « Jérôme Stern, J. Stern & Co. 314 fondsprofessionell.de 4/2025 VERTRIEB & PRAXIS J. Stern & Co. FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH | FONDS PROFESSIONELL

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