FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
KI kommt bei uns im Tagesgeschäft regelmäßig zum Einsatz, etwa wenn es darum geht, Informationen zu sammeln und auszuwerten, bei der Erstellung von Factsheets oder im Reporting. Sie kann sicherlich dabei helfen, unsere Analysten HȬHNWLYHU XQG VPDUWHU ]X PDFKHQ 1RFK ist es aber nur ein kleiner Teil der tägli- chen Arbeitszeit, in der KI zum Einsatz kommt. So weit, dass ganze Arbeitsplätze oder Abläufe im Unternehmen von einer künstlichen Intelligenz übernommen wer- den könnten, sind wir noch nicht. Das wird eines Tages sicherlich passieren, dürfte gerade in der Finanzbranche aber noch einige Zeit brauchen, schon wegen der regulatorischen Anforderungen. Wis- sen Sie, welcher Punkt mir in dieser Dis- kussion oft zu kurz kommt? Sie verratenesmir sicherlich. Ironischerweise wird es den Unterneh- men, die KI am schlauesten einsetzen, gelingen, die besten Talente anzuziehen. Denn es braucht Menschen, die wissen, wie sich KI wirklich sinnvoll nutzen lässt. KI allein bringt wenig, wenn es nieman- den gibt, der damit umzugehen weiß. LassenSie uns nocheinengenerellenBlick auf die Entwicklungen in den USA werfen. Sie gehören dem obersten Führungsgre- mium von AB an. Als Topmanager brau- chen Sie eine gewisse Planungssicherheit und müssen sich auf den Rechtsstaat ver- lassen können.Wie gehenSiemit der erra- tischenWirtschaftspolitikvonUS-Präsident DonaldTrumpumundmitderTatsache,dass seine Regierung einige höchstrichterliche Urteile ignoriert? Wir haben es auf jeden Fall mit einem Umfeld erhöhter politischer Unsicherheit ]X WXQ QHKPHQ 6LH QXU 7UXPSV $QJULȬH DXI GLH 8QDEKÌQJLJNHLW GHU 86 1RWHQ- bank Fed oder die Änderungen mit Blick auf die Migrationspolitik. Für Manage- mentteams stellt es ohne Frage eine echte Herausforderung dar, mit diesen neuen Risiken umzugehen. Allerdings werden sie auch dafür bezahlt, ihr Unternehmen durch solch ein unsicheres Gewässer zu navigieren. Außerdem bietet die Agenda der US-Administration auch Chancen, etwa mit Blick auf die geplante Deregulie- rung – insbesondere auch in der Finanz- branche, die in Teilen zu stark reguliert war oder ist. Wenn Pensionspläne bei- spielsweise für alternative Investments JHĆȬQHW ZHUGHQ WXW VLFK HLQ JDQ] QHXHU Markt auf. Erlauben Sie mir zum Abschluss eine per- sönliche Frage: Sie wurden in der Türkei geboren, leben und arbeiten aber schon seit mehr als 25 Jahren in den Vereinigten Staaten. Fühlen Sie sich nach wie vor will- kommen? Ich persönlich habe noch keine gravie- rende Veränderung zu spüren bekommen. 'DV PDJ DXFK GDUDQ OLHJHQ GDVV 1HZ York natürlich immer noch eine sehr kos- mopolitische Stadt ist. Außerdemwurden meine beiden Kinder in den USA geboren und sind dort aufgewachsen, schon des- halb ist unsere Familie gewissermaßen „amerikanisiert“. Aber ich halte die Augen RȬHQ XQG EHNRPPH PLW ZDV XP PLFK herum passiert. Die Spaltung der Gesell- schaft hat zugenommen, übrigens nicht nur in den USA, sondern in weiten Tei- len der Welt. Im Ergebnis bedeutet das ein weniger komfortables Umfeld für alle Menschen. Das ist ein gefährlicher Trend. VielenDank für dasGespräch. BERND MIKOSCH FP KURZ-V I TA : Onur Erzan Nach seinemWirtschaftsstudium in Ankara durchlief Onur Erzan einMBA-Programman der Columbia Business School in NewYork. Von 2001 an arbeitete er fast 20 Jahre lang bei McKinsey, zuletzt als Senior-Partner und Co-Leiter der Beratungseinheit Wealth&Asset Management. Seit Januar 2021 steht Erzan der Global Client Group von Alliance Bernstein (AB) vor, seit Juli 2022 verantwortet er zudemden Geschäftszweig Bern- stein PrivateWealth. Erzan sitzt zudem imManagement Committee des AB-Mehrheitseigners Equitable Holdings. » Es braucht Menschen, die wissen, wie sich KI wirklich sinnvoll nutzen lässt. KI allein bringt wenig. « Onur Erzan, Alliance Bernstein VERTRIEB & PRAXIS Onur Erzan | Alliance Bernstein 324 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=