FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

der Markt tut. Aber man verlangt von Ihnen eine höhere Gebühr. Die Mehrzahl der aktiven ETFs ist ein Witz, noch dazu ein kostspieliger Witz. Sie bezahlen einen Manager fürs Nicht-viel-Tun. Und man bietet Ihnen keinen Schutz im Fall eines Marktabschwungs. Trotzdem kaufen Anleger momentan ETFs in großem Ausmaß. Nehmen wir an, ein Berufsneuling fragt Sie, ob er Fondsmana- ger werden soll? Sagen Sie: „Ja, da haben Sie eine gute Zukunft!“ Oder eher: „Es ist nicht sicher, dass Sie in zehn Jahren noch gebrauchtwerden.“ Ich bin über 70 Jahre alt. Warum komme ich immer noch ins Büro oder gehe zu Interviews? Weil es mir Spaß macht! Das ist der aufregendste Job der Welt. Man muss vorausdenken, die Welt so gut ver- stehen, dass man die Gestalt der Zukunft erahnen kann. Also nur zu! Ja. Aber es wird kein Spaziergang werden. Es ist ein sehr harter Job – gut bezahlt, aber stressig. Vielleicht merken Sie, dass Sie dazu nicht in der Lage sind. Möglicherweise haben Sie einen Burn-out. Vielleicht werden Sie so besessen sein von dem, was Sie tun, dass Sie Ihre Familie vernachlässigen. HabenSiedasinIhrerKarriereselbsterlebt? Dass Sie gesagt haben, es wird zu viel. Ich mussetwasändern? Ja. Wenn jemand eine Pause braucht, gönnen wir ihm eine Pause. Manchmal ist es zu spät. Einige Leute sind gegangen. Man braucht Ausdauer, Nerven und muss Stress bewältigen können. Diese Fähigkei- ten sind nicht so alltäglich. Wie gut können das junge Menschen heute überhaupt noch – verglichen mit Ihrer Anfangszeit? Nun, das ist eine gute Frage. Ich meine, dass die Covid-Pandemie viel Schaden angerichtet hat. Viele Menschen sind durch diese Erfahrung geschwächt wor- den. Aber es ist wie überall: Es gibt einige, die dadurch härter geworden sind. Siesagten,manmüsse inderLagesein, die Zukunft zuantizipieren.AlsCarmignac 1989 anfing, gab es den Zusammenbruch der Sowjetunion, den Fall der Berliner Mauer, es gab die Gewissheit: Europa würde in eine demokratischere Zukunft gehen, in eine offenere Wirtschaft. Momentan ero- dieren demokratische Werte, Volkswirt- schaften schotten sich ab. Ist es heute für Investmentprofis schwieriger, die Zukunft einzuschätzen? Das Tolle an diesem Job ist, dass man mit zunehmendem Alter schlauer wird – vor- ausgesetzt, dass die grauen Zellen funktio- nieren. Natürlich muss man die komple- xen technologischen Veränderungen, die wir durchmachen, verstehen. Sie müssen also von klugen Leuten umgeben sein. Europa, die USA und China teilen sich in Blöcke auf. SindSie optimistisch, dass alles gut ausgeht? Ich bin ein konstruktiver Optimist, und KRȬHQWOLFK QLFKW QDLY ,FK JHKĆUWH ]XU Generation von 1968. 1968 wurde Frank- reich durch Proteste für einen ganzen Monat lahmgelegt. Unsere Generation hatte das Selbstbewusstsein, dass die Welt ihr gehört. Das war eine Ermächtigung. Jetzt ist das anders. Was du tun kannst, ist das, was dir nicht verboten ist. Über- all Verbote! Glauben Sie, dass die junge Generation das heutesowahrnimmt? Aber natürlich! Wir haben uns mit Vor- schriften vergiftet. Vorschriften ersticken uns in jeder Aktivität. Aber wissen Sie was? Mit KI lässt sich vieles lösen. Mit den +DXVKDOWVGHlj]LWHQ GLH ZLU PLW XQV KHUXP- schleppen, können wir uns all die Büro- kraten um uns herum nicht mehr leisten. Viele fürchten sich vor den technischen Veränderungen, sehen aber nicht, wie posi- tiv diese für die Produktivität sein können. Im Moment kann ich hauptsächlich KI aus denUSAverwendenoder,wennichwill,aus » Wir haben uns mit Vorschriften vergiftet. Vorschriften ersticken uns in jeder Aktivität. Aber mit KI lässt sich vieles lösen. « Édouard Carmignac, Carmignac VERTRIEB & PRAXIS Édouard Carmignac | Carmignac 366 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL | MARLENE.AT

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