FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
China.DieseAbhängigkeitistproblematisch. Europahat imMomentwenigzubieten. Sie irren sich. Es entstehen europäische Unternehmen, die sich insbesondere an datensensible europäische Branchen rich- ten, die US-amerikanische Lösungen ver- meiden möchten. KI-Investitionen indenUSAoder China sind umeinVielfacheshöheralsinEuropa.Haben wirgenugInvestoren,diesovielGeldbereit- stellenkönnen,ummitdenUSAmitzuhalten? Was nicht verstanden wird ist, dass die großen Entwicklungen auf den Ergebnis- sen von bestehenden, trainierten Model- len und Infrastrukturen aufbauen. Und das ist nicht so teuer. Dennoch sind wir in den großen Dingen abhängig, Beispiel Microsoft. Wird das so bleiben, oder müssen wir uns komplett lossagen? -D 8QG ZLU VLQG EHUHLW GDV ]X ljQDQ]LHUHQ Nehmen Sie die Gründer des chinesischen KI-Modells Deepseek, die haben es mit VHKU JHULQJHQ 0LWWHOQ JHVFKDȬW (V ZLUG eine Menge davon in Europa geben. Und das Wichtigste ist, dass die Daten dann in europäischen Rechenzentren liegen. WennSieauf 1989zurückblicken,wasglau- ben Sie: Wäre ein derart rascher Aufstieg einer kleinen, unabhängigen Investment- firmaheutegenausomöglich? Ich habe das Unternehmen mit meinem Partner Eric Helderlé gegründet, der sehr gut imMarketing und in der Verwaltung war – zwei Bereiche, in denen nicht wirk- lich meine Stärken liegen. So konnte ich mich auf das Fondsmanagement konzen- trieren. Ich hatte einen Buchhalter und einen Assistenten. Wir waren zu viert. Die Compliance-Vorschriften waren noch nicht das, was sie heute sind. ESG-Regu- lierungen gab es nicht. Jetzt sind wir 300 Leute, von denen mindestens 100 Ver- waltungsaufgaben übernehmen. Ohne sie können wir nicht mehr funktionieren. Vor 35 Jahren brauchten wir sie nicht. Es ist heute viel umständlicher, ein Unter- nehmen zu gründen. GabeseinenPunkt in IhrerUnternehmens- laufbahn, an dem es schwierig war, unab- hängig zubleiben? ZumBeispielwegender Regulierung. Oder weil eine Bank Ihnen ein verlockendesAngebot gemacht hat? Nein, nein. Schätzen Sie, wie vieleÜbernah- meangebote habe ich bisher bekommen? Vielleicht zehn? Exakt! Wir bekamen bisher ungefähr zehn Angebote. Ich habe allen gesagt: Wir sind zu teuer für euch. SiehabennieeinenPreisgenannt? 1HLQ LFK KDEH QLFKW HLQPDO GLH 7ĞU JHĆȬ- net. Hätte ich einen Preis gesagt, hätte ich riskiert, dass sie vielleicht mit „Einverstan- den!“ reagiert hätten. Im Ernst: Ich habe das große Glück, dass meine älteste Toch- ter ehrgeizig und kompetent ist und das Unternehmen weiterführen kann. HätteesIhnenwehgetan,wennkeinesIhrer Kinder sich interessiert hätte? Nein. Nicht, wenn ich kein Kind gehabt hätte, das in der Lage ist, die Firma zu übernehmen. Die Anleger geben uns viel Vertrauen, dem müssen wir entspre- chen. Bei der Nachfolge muss es um die richtige Person gehen – ich bin sehr froh, dass Maxime dafür so gut gerüstet ist. Ein Mechaniker aus Spanien hat sich einmal bei mir bedankt, weil er wegen uns Geld für den Ruhestand hat. Da ging es nicht um Millionen. Aber wenn ich an seine Grußkarte denke, berührt mich das noch immer. VielenDank für dasGespräch. EDITH HUMENBERGER-LACKNER FP KURZ-VITA: Édouard Carmignac Édouard Carmignac zählt mit seiner 1989 gegründeten Fondsboutique Carmignac zu den Pionieren der Branche. Besonders umdie Jahre 2008 und 2011 stieg die Bekannt- heit, weil der von ihmgemanagte Carmignac Patrimoine gut durch die Finanz- und später die Eurokrise tauchte. Seine Tochter Maxime gilt als Nachfolgerin. » Wir bekamen bisher ungefähr zehn Angebote. Ich habe allen gesagt, wir sind zu teuer für euch. « Édouard Carmignac, Carmignac fondsprofessionell.de 4/2025 367 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL | MARLENE.AT
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