FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

Mit Höhen und Tiefen 75 Jahre ist es her, dass in Deutschland die ersten Fonds aufgelegt wurden. Seither hat die Branche eine wechselvolle Geschichte erlebt. Zeit für einen Rückblick bis in die Fünfzigerjahre. D eutschland schreibt das Jahr 1950. Es ist die Zeit von Rock ’n’ Roll und Petticoats, von Feierstimmung und stren- gen Anstandsregeln. Konrad Adenauer ist Kanzler der 1949 gegründeten Bundesre- publik, das Wirtschaftswunder wirft seine Schatten voraus. Die Bundesbürger entdecken Italien als neues Urlaubs- ziel und immer neue Haushaltsgeräte als praktische Helfer. Was sie zu dieser Zeit noch nicht wissen: In Zukunft sollen sie auch Investmentfonds als Kapitalanlage für sich entdecken. Denn im Jahr 1950 beginnt sie, die wechselvolle Geschichte der deut- schen Fondsindustrie. Es ist der 30. Oktober 1950, der zu Recht als Geburtstag der hiesigen Fonds- branche gelten darf. Denn an diesem Tag legte die 1949 gegründete All- gemeine Deut- sche Investment- gesellschaft (Adig) Deutschlands ersten Aktienfonds, den Fon- dak, auf. Gut, er war nicht der erste Fonds überhaupt, der hierzu- lande auf den Markt kam. Schließlich hatte die Adig kurz zuvor den Fondra heraus- gebracht, den „Fonds für deutsche Ren- ten und Aktien“. Doch über die Jahr- zehnte hat sich der Fondak deutlich besser geschlagen. Heute verwaltet er gut 21-mal so viel Geld wie der Fondra. Die Adig ist die erste Kapitalanlage- gesellschaft des Landes. In der Finanz- welt wird sie zunächst skeptisch beäugt. Viele Banken lehnen eine Beteiligung ab, denn noch halten sie die Einführung eines Investmentwesens in Deutschland für wenig aussichtsreich. Doch die Adig trotzt allen Zweifeln. Ohne dass es in der Bundesrepublik einen Rechtsrahmen für Kapitalanlagegesellschaften gibt, nimmt sie ihre Tätigkeit tapfer auf – und soll schon bald Unterstützung bekommen. Regulierung gewünscht Denn bis Mitte der 1950er-Jahre wächst in Politik und Wirtschaft das Interesse an einem gesetzlich geregelten Invest- mentwesen. Kapitalanlagegesellschaften erscheinen als geeignetes Instrument, um die Nachfrage an denWertpapier- märkten zu beleben. Unternehmen verzeichnen einen steigenden Kapi- talbedarf und machen sich für eine gesetzliche Rege- lung stark. So verabschiedet der Bundestag im Dezem- ber 1952 in einem ers- ten Schritt das Kapital- marktförderungsgesetz. Nur ein Jahr spä- ter beginnt das Wirtschaftswun- der die Aktien- PÌUNWH ]X EHijĞ- geln. Ab März 1953 nimmt der CDU- Abgeordnete August Neuburger das Heft in So sahWerbung in den 1970er-Jahren aus: Mit der freundlich lächelnden Dame wollte die DWS Anleger für ihren 1956 aufgelegten Aktienfonds Investa gewin- nen. 368 fondsprofessionell.de 4/2025 VERTRIEB & PRAXIS Geschichte der deutschen Fondsbranche FOTO: © DWS ARCHIV

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