FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

die Hand und bringt den Entwurf eines Gesetzes über Kapitalanlagegesellschaf- ten in den Bundestag ein. Dieser sieht vor, die von den Gesellschaften verwalteten Gelder von der Körperschaft-, Gewerbe- und Vermögensteuer zu befreien. Die Investmenthäuser sollen auf das Prinzip GHU 5LVLNRPLVFKXQJ YHUSijLFKWHW ZHUGHQ und das eingezahlte Kapital getrennt von ihrem eigenen Vermögen treuhänderisch verwalten. Es vergehen noch vier Jahre, bis am 16. April 1957 das Gesetz über Kapital- anlagegesellschaften verabschiedet wird. Die Neuen am Markt Als ab 1955 die Chance auf ein Invest- mentgesetz immer größer wird, erkennt ein Geldinstitut nach dem anderen, dass es an der Zeit ist, eine Fondsgesellschaft zu gründen. Innerhalb von nur zwei Jah- ren entstehen der Deutsche Investment Trust (Dit), Union Investment, die Deut- sche Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS) und die Deutsche Kapitalanlage- gesellschaft (Deka). Es ist im Frühjahr 1956, als der Dit sei- nen ersten Aktienfonds herausbringt. Die- ser wartet mit einer Besonderheit auf. Der Fonds mit Namen „Thesaurus“ schüttet als Erster in Deutschland Erträge nicht aus, sondern reinvestiert sie. Die Krux an der Sache: Nicht ausgeschüttete Erträge sind zu dieser Zeit steuerlich nicht erfass- bar. Das sorgt für heftige Reaktionen in der Branche, die dem Dit vorwirft, er würde Kapitalerträge bewusst der Besteue- rung entziehen. Die „Lex Thesaurus“ Nun herrscht Unklarheit, bis der Bun- destag 1960 auf Initiative von August Neu- burger die „Lex Thesaurus“ verabschiedet. Seither sind thesaurierende Fonds aus- schüttenden steuerlich gleichgestellt, auch wenn zuletzt die Reform des Investment- steuergesetzes für die beiden Varianten in der Praxis neue Regeln aufgestellt hat. Bis in die Mitte des neuen Jahrzehnts hinein liefert sich die Branche geradezu ein Wettrennen. Der Dit bringt wenige Monate nach dem Thesaurus den ersten Fonds für europäische Aktien, den Indus- tria, auf den Markt. Die DWS kontert mit dem Investa, der Dit legt den Transatlanta auf, der auch in US-amerikanische Titel investiert. Spannend geht das Kopf-an-Kopf-Ren- nen um den ersten deutschen Renten- fonds aus. Am 24. Januar 1966 präsentiert der Dit seinen Deutschen Rentenfonds. Nur einen Tag später kommt die DWS mit dem Inrenta heraus. Die Einführung der Rentenfonds ist wichtig, denn trotz anhaltend hoher Wachstumsraten brechen die Aktienkurse zeitweise ein. So avancieren Rentenfonds schnell zum neuen Lieblingsprodukt der Bundesbürger und bringen bis in die 1970er-Jahre hinein Schwung in die Branche. Diese erkennt so langsam, dass sie eine Interessenvertretung braucht. So wird am 25. März 1970 der Bundesverband Deutscher Investmentge- sellschaften (heute BVI) gegründet. Ölpreis und Arbeitslosigkeit In den Jahren bis 1980 müssen Aktien- fonds mehrere Belastungsproben bestehen. Die deutsche Wirtschaft kämpft in den frühen 1970er-Jahren mit einer ZDFKVHQGHQ ,QijDWLRQ DXFK GHU HUVWH Ölpreisschock drückt die Aktienkurse. Die steigende Arbeitslosigkeit und der zweite Ölpreisschock von 1979 lassen das Jahr- zehnt für Aktienfonds enttäuschend blei- 370 fondsprofessionell.de 4/2025 VERTRIEB & PRAXIS Geschichte der deutschen Fondsbranche Auch Senioren sollen sich für Fonds interessieren: Mit diesemWerbefoto aus demJahr 1973 richtete sich die DWS an gut situierte Bundesbürger imRuhestand. Die Rente war zu dieser Zeit noch auskömmlich. Fonds- investments waren auch damals schon eine guteMöglichkeit, Geld für die Kinder und Enkel anzulegen. Ideenreichtum: Selbst mit Szenen aus Kinofilmen versuchten Fondsgesellschaften vor Jahrzehnten, Kunden zu gewinnen. FOTO: © DWS ARCHIV, UNION INVESTMENT ARCHIV

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