FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
W er die Berichterstattung über die Börsen verfolgt, dürfte die Vielzahl an Warnun- gen, die derzeit hinsichtlich einer historisch hohen Aktienbewertung kursieren, kaum über- hört haben. Täglich melden sich Kommentato- ren zu Wort, die auf die extreme Konzentration GHU *HOG]XijĞVVH DXI HLQLJH ZHQLJH 8QWHUQHKPHQ hinweisen und die – berechtigte – Frage stellen, ob wir es beimThema „KI“ nicht mit einer Blase zu tun haben, die an die Ereignisse rund umdie Jahrtausendwende erinnert. Nun sind derleiWar- nungen tendenziell beruhigend, denn solange viel Skepsis imMarkt ist, kann man nicht von Euphorie sprechen. Trotzdem steht fest, dass wir früher oder später eine schärfere Gegenbewegung an den 0ÌUNWHQ VHKHQ ZHUGHQ 8QG RE XQV GDV JHIÌOOW RGHU QLFKW HV VLQG diese Negativphasen, die die vergleichsweise höheren Renditen an den Aktienbörsen überhaupt erst möglich machen. Man darf bei ausreichend langemAnlagehorizont und einer ausreichend breiten Streuung bei Aktienfonds damit rechnen, im langjährigen Schnitt zwischen fünf und zehn Prozent jährlichen Ertrag zu erwirtschaf- ten. Wer die Nerven hat, am Ende einer Baisse zu kaufen, kann auchmehr erzielen; wer sich amHöhepunkt einer Hausse von der Euphorie anstecken lässt, kann auch darunter liegen. Aber sicher ist GDEHL JDU QLFKWV 8QG LQ GLHVHU 8QVLFKHUKHLW LVW GLH KĆKHUH 5HQWD- bilität von Aktien begründet. Wenn von einemTag auf den ande- ren sicher wäre, dass manmit einer Aktie garantiert zehn Prozent Ertrag erzielt, müssteman sich beeilen. Binnen Stundenwürde der infolge einer sprunghaft gestiegenen Nachfrage höhere Kurs die Rendite auf Geldmarktniveau senken.Mit anderenWorten:Wermit Aktien oder Fonds Geld verdienenwill, muss das Risiko, das damit untrennbar verbunden ist, begrüßen. Darumist auch jeder Versuch, diesesRisikomithilfe ausgeklügelterAbsicherungs- strategien oder durchMarket Timing zu senken, 8QVLQQ 'DV 5LVLNR NDQQXQGPXVV QDWĞUOLFKNRQ- trolliert werden, aber die Instrumente dafür hei- ĕHQ 'LYHUVLljNDWLRQ XQG *HGXOG +LVWRULVFK OLH- fernAktien, gemessen anweniger riskantenAnla- JHQ DXV ljQDQ]ZLVVHQVFKDIWOLFKHU 6LFKW ]X KRKH Renditen. Nach der klassischen Theorie müssten Anleger extrem risikoavers sein, umeine so hohe Zusatzrendite zu verlangen. Dieses als „Equity PremiumPuzzle“ bezeichnete Paradoxon wurde 1985 von RajnishMehra und Edward C. Prescott beschrieben. Die Verhaltensökonomen Richard Thaler und Shlomo Benartzi liefer- WHQ ]ZHL SV\FKRORJLVFKH (ȬHNWH DOV (UNOÌUXQJ (UVWHQV HPS- ljQGHQ $QOHJHU GHQ 6FKPHU] HLQHV 9HUOXVWHV HWZD GRSSHOW VR VWDUN ZLH GLH )UHXGH ĞEHU HLQHQ JOHLFK KRKHQ *HZLQQ 8QG ]ZHLWHQV kontrollieren sie ihre Portfolios zu oft. Wer täglich prüft, sieht in rund 46 Prozent Verluste, die – gefühlt – doppelt so schmerzhaft sind wie die Gewinne, die man in 54 Prozent der Fälle sieht. Als .RPSHQVDWLRQ IĞU GLHVHV 8QEHKDJHQ YHUODQJHQ $NWLRQÌUH HLQH hohe Risikoprämie. Übrigens: Wer sein Depot nur einmal jähr- lich betrachtet, sieht – statistisch – in 70 Prozent der Fälle ein Plus. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie Ende Januar wieder in Mannheim begrüßen dürften. Gerhard Führing Mamdouh El-Morsi Gerhard Führing, Mamdouh El-Morsi Das Rendite- Rätsel Wieso bringen Aktien eigentlichmehr Ren- dite als andere Anla- geklassen? Die Verhal- tensökonomie lieferte schon vor 30 Jahren eine Erklärung. 4 fondsprofessionell.de 4/2025 MEINUNG Brief der Herausgeber FOTO: © MARLENE FRÖHLICH | LUXUNDLUMEN
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