FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
Platz im Gedränge Der deutsche Bankenmarkt gilt gemeinhin als gesättigt. Dennoch nehmen neue Akteure das Geschäft mit Privatkunden ins Visier. Sie sehen Chancen – und bauen auf einen Vorteil. D icht drängen sich die Geldhäuser auf dem deutschen Markt. Neben Spar- NDVVHQ VRZLH 9RONV XQG 5DLȬHLVHQEDQ- ken buhlen private Institute um Kunden. Damit nicht genug: Neue Akteure steigen ebenfalls ins Geschäft ein. Die hierzu- lande bereits etablierte spanische Santan- der-Gruppe etwa weitet über die Digital- tochter Openbank ihr Angebot aus. Die ebenfalls iberische BBVA hat jüngst den Markt betreten. Auch der US-Riese J.P. Morgan bereitet seinen Deutschland-Start vor. Daneben stoßen Neobanken wie N26 in bestehende Lücken vor. Warum streben all diese Akteure auf den bereits gut besetzten Retailmarkt? Immerhin sperren bedeutende Akteure wie Deutsche Bank und Commerz- bank im großen Stil Niederlassungen zu. Ebenso schreitet im genossenschaftlichen ZLH LP ĆȬHQWOLFK UHFKWOLFKHQ 6HNWRU GDV Filialsterben voran. Zudem gewinnt die Konsolidierung an Fahrt. Institute schlie- ßen sich zusammen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Die maue Wirt- schaftslage und die Flaute im Immobilien- sektor lasten zusätzlich auf den Aussichten für die Geldhäuser. Diese Faktoren stellen jedoch keinen Bremsklotz dar. „Im deutschen Privatkun- denmarkt ist viel Bewegung“, sagt etwa Max Flötotto, Senior Partner und Leiter Banken bei der Unternehmensberatung McKinsey in Deutschland und Öster- reich. „Die klassischen Universalbanken beschränken sich nicht darauf, Markt- anteile zu verteidigen, sondern bauen ihr Geschäft mit bestehenden und neuen Kunden aus.“ Gleichzeitig würden sich neue Wettbewerber wie Direkt- und Neo- banken etablieren. In Lücken vorgestoßen Auch ausländische Institute erkennen Potenzial, wie die Beispiele BBVA und J.P. Morgan zeigen. „Der deutsche Markt ist nach wie vor attraktiv“, meint Thomas Walkner, Bankenexperte der Beratungs- gesellschaft Capco. „Als wohlhabendes Land lässt sich hier etwas mehr Ertrag einfahren als in anderen Ländern.“ Dass Neueinsteiger versuchen, auf demhiesigen Markt Fuß zu fassen, sei auch kein gänz- lich neues Phänomen. „Nahezu jede Phase im deutschen Retail Banking bot ihre Chancen und Möglichkeiten“, erinnert Walkner. „Immer wieder versuchten neue Akteure, sich zu etablieren. Einige waren damit auch erfolgreich.“ Ľ,P GHXWVFKHQ 5HWDLO %DQNLQJ ĆȬQHWHQ sich immer wieder Lücken, in die neue Akteure vorgestoßen sind“, berichtet auch Christian Behm von der IT-Strategiebera- tung Magpie Projects. „Waren dies früher Direktbanken und Onlinebroker, treten nun die Neobroker auf den Markt.“ Für die ausländischen Institute wiederum zähle ein Aspekt: „Deutschland ist eine Weihnachtsmarkt in Heidelberg: Menschenmassen schieben sich durch die historische Altstadt. Auch der deutsche Bankenmarkt ist beliebt, bei Neulingenwie bei ausländischen Akteuren. » Die Wechselbereit- schaft unter deutschen Bankkunden hat deutlich zugenommen. « Christian Behm, Magpie Projects 406 fondsprofessionell.de 4/2025 BANK & FONDS Retail Banking FOTO: © SMILEUS | STOCK.ADOBE.COM
RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=