FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
Digitalkonzept lässt sich eine internatio- nale Expansion relativ einfach vorantrei- ben.“ Und wenn das Geschäft in einem Land partout nicht anläuft, „dann kann das Institut den Ableger im schlimmsten Fall schließen“, ergänzt der Branchenken- ner. „Der Schaden fällt eher gering aus.“ Universalanspruch Ein „vernünftiges Geschäftsmodell“ sollte hinter einemMarkteintritt allerdings stehen, betont Capco-Mann Walkner. „Idealerweise werden mit eingesammel- ten Einlagen auch Kredite vergeben.“ Diese Kombination ist immerhin die Basis des Geschäftsbetriebs eines Geld- hauses. „Eine weitere Bank, die allein auf Tagesgeld-Zinshopping-Kunden zielt, wird langfristig keinen Erfolg haben“, meint der Branchenkenner. „Je mehr Wettbe- werb herrscht, desto mehr Druck entsteht bei den Konditionen. Die Verdrängung nimmt zu.“ Dies scheint den meisten Neueinstei- gern bewusst zu sein. „Mehrere interna- tionale Akteure haben deutlich signali- siert, dass sie einen Anspruch als Univer- salbank hegen“, berichtet Experte Behm. „Sie werden also nicht nur mit einem Tagesgeldkonto unterwegs sein, sondern auch Dienste wie Wertpapiergeschäft oder Wealth Management anbieten.“ Um das Geschäft wettbewerbsfähig betreiben zu können, sollten die Institute wiederum möglichst modern aufgestellt sein. „Eine Voraussetzung für eine neue Bank oder einen Auslandsableger ist eine funktionierende IT, die sich in ver- schiedene Richtungen erweitern lässt“, erläutert Capco-Experte Walkner. „Wenn etwa das Anfangsgeschäft mit Konto und Karte gut läuft, dann ließen sich Versi- cherungen oder Wertpapiere ergänzen.“ Dies sollte eine Banking-Plattform leisten können, bei der sich Module hinzuschal- ten lassen, so Walkner. Magpie-Projects- Berater Behm ergänzt: „Akteure wie J.P. Morgan, BBVA oder Santander mit der Openbank wären solche Initiativen nicht angegangen, wenn sie nicht über die tech- nologischen Möglichkeiten verfügten, das Geschäft hochgradig digital betreiben und entsprechend skalieren zu können.“ Mit Schwung Grundsätzlich können also auch auf dem gut abgedeckten deutschen Markt neue Spieler noch Fuß fassen. „Der deut- sche Markt hat ein gewisses Volumen“, erläutert Behm. „Wenn ein neuer Akteur diesen mit etwas Schwung angeht, dann lässt sich das Geschäft relativ schnell ska- lieren“, ist der Branchenkenner überzeugt. „Sicherlich ist die Konkurrenz groß. Doch wenn man sich im deutschen Markt durchsetzt, kann das eine Blaupause für weitere Märkte darstellen.“ SEBASTIAN ERTINGER FP 408 fondsprofessionell.de 4/2025 BANK & FONDS Retail Banking FOTO: © THOMAS EFFINGER | MCKINSEY & COMPAN Wende geglückt Ertragslage deutscher Banken Nach Jahrenmit schrumpfenden Erträgen bescherte die Zinswende den Instituten zuletzt Rückenwind. Quelle:DeutscheBundesbank 0 100 200 300 400 500 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 Zinserträge Provisionserträge Mrd. Euro Kosten nagen am Gewinn Ergebnisentwicklung deutscher Banken In den vergangenen beiden Jahren kletterten auch die Kosten nach oben, was den Gewinnanstieg dämpfte. Quelle:DeutscheBundesbank 0 30 60 90 120 150 2024 2023 2022 2021 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 Zinsüberschuss Provisionsüberschuss Mrd. Euro » Im deutschen Privatkundenmarkt ist viel Bewegung. « Max Flötotto, McKinsey
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