FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
ist die Nutzung des Onlinebankings in der Regel ab zwölf Jahren möglich. Vorreiter Die britsche Neobank Revolut besitzt schon viel Erfahrung mit den Jugendkon- ten. „Heute wird unser ‚Kids & Teens‘- Konto bereits von rund sechs Millionen Menschen weltweit genutzt. In Deutsch- land ist die Zahl der Konten allein von 2024 auf 2025 um 46 Prozent gestiegen“, so ein Sprecher des Instituts, das sein EU- Geschäft mit einer litauischen Banklizenz betreibt. „Unsere Erfahrung zeigt, dass wir PLW XQVHUHP $QJHERW 9HUWUDXHQ VFKDȬHQ und den Grundstein für eine langfristige Kundenbeziehung legen.“ Ihm zufolge bleibt die große Mehrheit der jungen Kun- den Revolut nämlich auch nach dem 18. Geburtstag treu – und nutzt neben dem Konto dann weitere Bankprodukte. 'DV .RQWR WULȬW DQVFKHLQHQG HLQHQ Nerv. „Wir beobachten ein großes Inter- esse von Eltern und Jugendlichen an einer sicheren und modernenMöglichkeit, früh Verantwortung im Umgang mit Geld zu übernehmen“, teilt das Institut mit. Eine Besonderheit des Revolut-Kontos: Es läuft quasi als Unterkonto des Elternkontos. 'HVKDOE LVW ]XU (UĆȬQXQJ DXFK QXU GLH Zustimmung eines Sorgeberechtigten erforderlich. „Das Kind bekommt zwar =XJULȬ GDUDXI ł PLW HLJHQHU .DUWH XQG App –, aber die Eltern behalten die volle Kontrolle“, erläutert der Sprecher. Auch die N26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal fokussierten sich einst auf die ganz junge Genera- tion: Mit der Firma Papayer wollten sie eine Prepaidkartenlösung für Jugendliche anbieten. Dann kam jedoch ein Strate- gieschwenk, man konzentrierte sich auf ein Angebot für Erwachsene – und N26 entstand. Jetzt kooperiert die Berliner Neobank mit dem Anbieter Bling, der eine „Taschengeldkarte“ herausgibt. Dabei handelt es sich um eine Prepaid-Master- card für Kinder ab sieben Jahren ohne das Risiko, Schulden zu machen. Im günstigs- ten Abo-Tarif kostet die Karte 2,99 Euro pro Monat, dazu gibt es eine App, die über eine Kinder- und eine Erwachsenen- ansicht verfügt. Die luxuriöse Variante mit der Wahl aus über 100 Kartenmotiven und der Möglichkeit, verschiedene Spar- töpfe anzulegen, kostet knapp zehn Euro – wohlgemerkt imMonat. Taschengeld in Echtzeit Auch Bling möchte die Finanzkompe- tenz junger Menschen steigern. Um dem Nachwuchs beizubringen, dass man für Geld auch arbeiten muss, bietet die App eine besondere Funktion an: Eltern kön- nen Aufgaben für ihren Nachwuchs ein- stellen – vom Rasenmähen übers Auto- waschen bis hin zum Abwasch – und legen dafür eine monetäre Belohnung fest. Wenn Mutter oder Vater die Aufgabe in der App als erledigt markieren, erfolgt die Zahlung auf die Taschengeldkarte des Kindes – in Echtzeit. Fraglich bleibt, ob die Konten von der Zielgruppe auch tatsächlich genutzt werden. Für Kinder im Vorschulalter HLQ *LURNRQWR ]X HUĆȬQHQ LVW ĞEHUijĞV- sig: Über sein eigenes Konto verfügen darf man im Rahmen des sogenannten Taschengeldparagrafen ohnehin frühes- tens mit sieben Jahren. Da erscheinen ein Ansparkonto, ein Fondssparplan oder ein kostenfreies Kindergelddepot sinnvoller. Aber auch bei älteren Kindern kom- men Zweifel auf. Marie Lenz, 14-jährige Gymnasiastin aus dem Rhein-Erft-Kreis, besitzt seit rund vier Jahren ein eigenes Girokonto mit Karte bei der örtlichen Volksbank. Genutzt hat sie es bisher kaum. „Mein Taschengeld wird mir in EDU DXVEH]DKOW %HVRQGHUH $QVFKDȬXQJHQ bezahlen meine Eltern direkt. Das Konto brauche ich ehrlich gesagt gar nicht“, sagt die Schülerin. Dies scheint kein Einzelfall zu sein. So hat Bling eine Inaktivitätsge- bühr von rund 25 Euro eingeführt, wenn man die Karte innerhalb von zehn Mona- ten gar nicht nutzt. „Geringer Mehrwert“ Auch Verbraucherschützer begrüßen das Jugendkonto nicht uneingeschränkt. „Ob ein Kind ein eigenes Girokonto braucht, sollten die Erziehungsberech- tigten individuell entscheiden. Wenn die Konten aber nicht genutzt oder nicht pädagogisch begleitet werden, bleibt der Mehrwert für die Kinder gering“, meint Niels Nauhauser von der Verbraucher- zentrale Baden-Württemberg. „Banken werben mit Sonderkonditionen, um früh- zeitig Kunden zu binden – mit dem Ziel, ihnen später eigene Produkte wie Kredit- karten, Konsumkredite, Versicherungen oder Wertpapierdepots zu verkaufen.“ Wenn Eltern das Konto jedoch dazu nutzen, ihren Kindern den verantwor- tungsvollen Umgang mit Geld beizubrin- gen, und somit eine aktive Rolle bei der Finanzbildung spielen, kann es durchaus sinnvoll sein. MARCUS HIPPLER FP fondsprofessionell.de 4/2025 429 FOTO: © WOLFRAM SCHEIBLE | VERBRAUCHERZENTRALE BADEN-WÜRTTEMBERG » Banken werben mit Sonderkonditionen, um frühzeitig Kunden zu binden. « Niels Nauhauser, Verbraucher- zentrale Baden-Württemberg
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