FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
auf Finanzunternehmen spezialisierten Beratungsunternehmen Zeb laufen der- zeit mehrere Mandate, in denen an der organisatorischen Ausrichtung und ersten konkreten Lösungen für autonomes Ban- king gearbeitet wird, sagt Zeb-Manager Sebastian Brecht. Dazu kommen zahl- reiche Anfragen, bei denen die Banken wissen wollen, wie und wann sie sich im erwarteten Boom der KI-Agenten positio- nieren sollen. Denn der Trend verspricht für Institute nicht nur Chancen, sondern auch die Gefahr, abgehängt zu werden. Denkbar sind Dienste wie Konto- oder Depotwechsel-Agenten, die günstigere Alternativen erkennen und für ihre Kun- den umsteigen; KI-Bank-Agenten, die beim Streaming- oder Stromanbieter auf passende Tarife umsteigen; Anlage-Agen- ten, die auf veränderte Risikoneigungen oder Nachhaltigkeitsbedürfnisse reagie- ren; oder Services, die Schulden auf einem Konto mit Überschüssen aus anderen Depots ausgleichen. „Autonomes Banking ist kein reines Zukunftsszenario mehr“, betont Brecht. Die technologischen Grundlagen für sol- che Agenten existieren. In vielen Fällen müssten diese nur noch auf den Anwen- dungsfall angesetzt werden. „Es ist wie beim autonomen Fahren: Durch Kom- ponenten wie Tempomat und Spur- oder Abstandhalteassistent ist das Vertrauen in die Autonomie schrittweise gewach- sen, bis der Weg für selbstfahrende Autos aufbereitet war“, ergänzt Brechts Kollege Benjamin Winter. Wie schnell könnten erste durchschlagende Anwendungsfälle kommen? „Sobald einer angefangen hat, HLQH /ĆVXQJ ijÌFKHQGHFNHQG HLQ]XVHW]HQ können solche Entwicklungen schneller kommen, als manche das heute erwarten“, meint der Zeb-Experte. Es gibt indes einen Einwand gegen zu viel KI-Euphorie: Bereits vor acht Jahren weckte die zweite Zahlungsdienstericht- OLQLH 36' JURĕH +RȬQXQJHQ 6LH YHU- VFKDȬWH 'ULWWDQELHWHUQ =XJDQJ ]X .RQWR- informationen und Zahlungsauslösediens- ten, sofern vom Kunden gewünscht. Der (ȬHNW EOLHE ĞEHUVFKDXEDU $P HKHVWHQ merkt man heute davon wohl bei Lösun- gen wie „Pay by Bank“, wo das Geld GLUHNW YRP .RQWR ]XP +ÌQGOHU ijLHĕW Ende des Kontrollreflexes Doch die neuen analytischen KI- Modelle und vor allem die Kundennach- frage danach bringen nun eine ganz andere Qualität ins Spiel, meint Brecht. Jüngere Nutzer hätten ein höheres Ver- trauen in die KI. Sie schauen weniger auf die Links, die ihnen die Google-Suche liefert, sondern auf die KI-Interpretation, oder sie verlassen sich gleich auf ChatGPT- Antworten. „Unsere Generation, die noch glaubt, sie müsse die letzte Entscheidung VHOEVW WUHȬHQ ZLUG DQWHLOVPÌĕLJ LPPHU kleiner werden“, so Brecht. Sein Kollege Winter betont, dass die wenigsten Finanz-KI-Anwendungen der- zeit wirklich autonom sind; eher handelt es sich um unterstützende Automatisie- rungstools – also umAssistenten, weniger um Agenten (siehe Kasten nächste Seite). Im Bereich Investment geht es da oft um strukturierte Informationsaufbereitung, Datenanalysen als Entscheidungshilfen. Als Beispiel nennt Winter den momentan viel beachteten KI-Assistenten Cortex der Onlinetrading-Plattform Robin Hood. Er liefert Anlegern auf Sprach- oder Schrift- eingabe hin personalisierte Wertpapier- analysen in Echtzeit. Das System wertet Ratings, Research oder Nachrichten aus und kann den User auf Tradingchancen hinweisen. Als Robin Hood das Invest- menttool dieses Jahr vorstellte, sprang der Aktienkurs spontan an – auch der $NWLHQPDUNW VDK RȬHQEDU GDV 3RWHQ]LDO „Bis solche Tools tatsächlich autonom entscheiden, ist es sicher noch ein großer Schritt“, sagt Winter. „Aber es wäre der nächste logische.“ Das wirft die Frage auf, was mit den Roboberatern passiert, die viele Banken aufgebaut haben, deren Volumen aber oft hinter den Erwartungen blieb. Moderne KI, die zahllose Datenpunkte verarbeiten und Empfehlungen stärker individualisie- ren kann, könnte zur Konkurrenz wer- den. Der Einsatz von KI beim Algorith- mic Trading, wo Systeme je nach Preis oder anderen Vorgaben automatisch kau- fondsprofessionell.de 4/2025 431 FOTO: © MIKE HENNIG | ZEB I MORSEY & STEPHAN GMBH, ZEB | MORSEY & STEPHAN GMBH Sebastian Brecht, Zeb: „Unsere Generation, die glaubt, siemüsse die letzte Entscheidung selbst treffen, wird anteilsmäßig kleiner.“ Benjamin Winter, Zeb: „Sobald einer angefangen hat, können solche Entwicklungen schneller kommen, alsmanche das heute erwarten.“
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