FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025

Umfeld auf Dauer nicht gesund ist und in der Vergangenheit auch nicht zu dem geldpolitischen Erfolg geführt hat, den PDQ VLFK HUKRȬW KDWWH Wenn wir über Zinsen sprechen, taucht fast automatisch das Thema Staatsver- schuldung auf. Viele Länder in Europa sind stark verschuldet und haben natur- gemäß wenig Interesse an hohen Zinsen. Wie beurteilen Sie diese Gemengelage? Es ist unbestritten, dass das Niveau der Staatsverschuldung weltweit in den ver- gangenen Jahren deutlich gestiegen ist – YRU DOOHP DXIJUXQG GHU .ULVHQ (XURSD LVW KLHU NHLQH $XVQDKPH :HQQ PDQ LQ GLH 86$ RGHU DQGHUH 7HLOH GHU :HOW EOLFNW sieht man teilweise sogar noch stärkere $QVWLHJH DOV LQ (XURSD )ĞU GLH )HVWOHJXQJ der Leitzinsen spielt das allerdings keine GLUHNWH 5ROOH 8QVHUH $XIJDEH LVW NODU :LU KDEHQ IĞU 3UHLVVWDELOLWÌW LP(XURUDXP ]X VRUJHQ ,QGLUHNW LVW GHU 6FKXOGHQVWDQG aber natürlich relevant, etwa für die Stabi- OLWÌW GHU )LQDQ]PÌUNWH RGHU IĞU GLH )ÌKLJ- keit von Regierungen, im Krisenfall mit LKUHU )LVNDOSROLWLN JH]LHOW JHJHQ]XVWHXHUQ Deshalb haben Notenbanken ein großes ,QWHUHVVH GDUDQ GDVV GLH .RQVROLGLHUXQJV- schritte, die in vielen Ländern angekün- digt oder eingeleitet wurden, auch tatsäch- OLFK NRQVHTXHQW XPJHVHW]W ZHUGHQ Gleichzeitig steht an der Spitze der EZB mit Christine Lagarde eine Französin – also jemand aus einem Land mit sehr hoher Verschuldung. Kritisch gefragt: Spielt da nicht doch auch nationale Inter- essenpolitik eine Rolle, wenn es etwa um Zinsschritte geht? Genau aus diesem Grund ist die Unab- hängigkeit der EZB und der nationalen 1RWHQEDQNHQ VR ZLFKWLJ 6LH VROO YHUKLQ- GHUQ GDVV VLFK )LVNDOSROLWLN ł DOVR GLH Budgetpolitik der Regierungen – und *HOGSROLWLN LQ HLQHU :HLVH PLWHLQDQGHU verweben, die nicht im langfristigen ,QWHUHVVH GHU %ĞUJHULQQHQ XQG %ĞUJHU LVW :HQQ GLH *HOGSROLWLN DXV 5ĞFNVLFKW DXI KRKH 6FKXOGHQVWÌQGH GLH ,QijDWLRQ QLFKW ausreichend bekämpft, ist das am Ende WHXUHU IĞU GLH %HYĆONHUXQJ .DXINUDIWYHU- OXVWH WUHȬHQ DOOH LQVEHVRQGHUH DEHU MHQH die keine Möglichkeit haben, sich dagegen DE]XVLFKHUQ :LU KDEHQ LQ GHQ OHW]WHQ Jahren gesehen, dass die EZB – trotz der politischen Rahmenbedingungen – sehr HQWVFKORVVHQ JHKDQGHOW KDW Das Wirtschaftswachstum ist in Europa im Moment eher verhalten. Woher kommt dieseWachstumsschwäche Ihrer Meinung nach? Viele Expertinnen und Experten würden VDJHQ 'LH DNWXHOO HKHU QLHGULJHQ :DFKV- tumsraten in Europa haben nur teilweise mit den Krisen der letzten Jahre oder mit GHU *HOG RGHU )LVNDOSROLWLN ]X WXQ (LQ ZHVHQWOLFKHU 7HLO LVW VWUXNWXUHOO EHGLQJW :LU VHKHQ WLHIJUHLIHQGH 9HUÌQGHUXQJHQ LP:HOWKDQGHO LQ GHU 'HPRJUDljH ł 6WLFK- wort Alterung der Bevölkerung – und in GHU WHFKQRORJLVFKHQ (QWZLFNOXQJ $OO GDV erfordert Anpassungen in unseren Volks- ZLUWVFKDIWHQ ,Q GHQ YHUJDQJHQHQ IĞQI Jahren standen wir stark im Zeichen der .ULVHQEHZÌOWLJXQJ ł 3DQGHPLH (QHUJLH- NULVH JHRSROLWLVFKH 6SDQQXQJHQ 'DGXUFK ist die Aufmerksamkeit für Struktur- reformen teilweise in den Hintergrund JHUĞFNW $EHU HV LVW NODU GDVV ZLU GLHVH 5HIRUPHQ EUDXFKHQ DXI QDWLRQDOHU (EHQH aber auch auf Ebene der Europäischen 8QLRQ (V JHKW EHLVSLHOVZHLVH XP )UDJHQ GHU :HWWEHZHUEVIÌKLJNHLW XP ,QYHVWLWLR- nen in Digitalisierung und Energiewende, XP $UEHLWVPDUNW XQG 6WDQGRUWSROLWLN Die Geldpolitik kann dafür nur stabile » Wir wissen, dass ein solches Umfeld auf Dauer nicht gesund ist. « Martin Kocher, OeNB-Gouverneur KURZ-V I TA : Martin Kocher Martin Kocher absolvierte sein Diplom- und Doktorats- studiuman der Universität Innsbruck. Danachwar er anmehreren internationalen Universitäten tätig. Über vier Jahre lang hat er als Direktor am Institut für Höhere Studien inWien gearbeitet undwar Präsident des Fiskal- rats. 2021 wurde er als parteifreier Experte Bundes- minister für Arbeit inWien. 2022wurde ihmzusätzlich dasWirtschaftsressort übertragen. Seit September 2025 ist er Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. BANK & FONDS Martin Kocher | Oesterreichische Nationalbank 436 fondsprofessionell.de 4/2025 FOTO: © MARLENE FRÖHLICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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