FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 4/2025
Schmitt: Wir sind beide gleichwertig für sämtliche Portfoliounternehmen verant- wortlich. Es gibt keine klassische Arbeits- teilung nach demMotto „Der eine macht Consumer Staples, der andere Tech“. So können wir alle Argumente für, aber auch gegen eine Beteiligung an einem Unternehmen auf Augenhöhe diskutieren. Dabei geht es mitunter auch kontrovers zu, aber das ist gut so! AmEnde fällen wir eine gemeinsame Entscheidung. Glow: Ihr Fonds hat sich zuletzt deutlich schwächer entwickelt als sein Vergleichs- index.WiegehenSiedamit um? Wagner: Wir haben, was das Kurzfristige EHWULȬW NHLQ VWUXNWXUHOOHV 7KHPD VRQ- dern ein temporäres. Kurzfristig hat der schwächere US-Dollar die Performance deutlich gebremst. Der schwache Dollar aber – das zeigt sich in der Regel erst mit Verzögerung – wirkt in den US-Bilan- zen wie Rückenwind. Für global auf- gestellte US-Firmen werden die in US- Dollar umgerechneten Auslandsumsätze wertvoller: Das stärkt den Bilanzgewinn, und Unternehmenswert wie auch Aktien- kurs steigen. Unsere Kompensation für den Gegenwind durch den US-Dollar werden wir also noch erhalten. Schmitt: Eine weitere Performancebremse sind unsere Consumer Staples, die zirka 40 Prozent des Portfolios ausmachen. Ganz ehrlich: Die Kursschwäche gerade wett- bewerbsüberlegener US-Consumer- Staples nervt uns. Trotzdem gibt es Grund, gelas- sen zu bleiben. Denn diese Unternehmen liefern allen Widrigkeiten zum Trotz ab. Deshalb halten wir in jedem Fall auch an XQVHUHQ SURljWDEOHQ /DQJZHLOHUQ IHVW Glow: Was sind Ihre Kernkriterien bei der Auswahl von Unternehmen? Gibt es typi- scheBeispiele? Schmitt: Wir suchen Firmen, die auch in VFKZLHULJVWHQ0DUNWODJHQ IUHLHQ &DVKijRZ erwirtschaften und hohe Kapitalverzin- sungen verdienen. Bei genauem Hin- schauen bleiben weltweit nicht mehr als 100 Kandidaten übrig. Typische Beispiele ljQGHQ VLFK XQWHU GHQ VRJHQDQQWHQ &RQVX- mer Staples – Procter & Gamble, Colgate RGHU DXFK &KXUFK 'ZLJKW /Ĺ2UÝDO XQG /LQGW 6SUĞQJOL +LQ]X NRPPHQ Tech-Giganten wie Google, Apple oder Microsoft, deren Software und Geräte jeden Tag milliardenfach genutzt werden und die als „Konsumgüterhersteller des digitalen Zeitalters“ für enorme Stabilität stehen: Ihre Produkte und Dienstleistun- gen sind selbst in Rezessionsjahren im Grunde unersetzbar, die Kostenstruktur LVW VFKODQN XQG 6NDOHQHȬHNWH VRUJHQ IĞU KRKH 3URljWDELOLWÌW Heuser: ZumStichwortWatchlist:Werkommt wiedrauf, undaufwenverzichtenSie? Wagner: Wir sind zum einen extrem kon- servativ und nehmen nur Unternehmen auf, die unsere Qualitätskriterien erfüllen, bei denen es aber noch Fragen gibt, etwa hinsichtlich des Geschäftsmodells oder der Bewertung. Firmen, die den Nach- ZHLV LKUHU ODQJIULVWLJHQ 3URljWDELOLWÌW XQG Ertragskraft in Krisenzeiten nicht erbracht haben, kommen dagegen nicht auf die Watchlist. Glow: Sprechenwir über Bewertung. Wann verkaufenSie,wannstockenSieauf? Wagner: Wir kaufen sehr gute Firmen zu angemessenen Preisen. Im Idealfall kaufen wir oder kaufen nach, wenn eine Beteiligung zu einem Preis zu haben ist, der unter dem Wert der Firma liegt. Die Bewertung ist für uns auch beim Verkauf von Beteiligungen relevant, aber nur im Zusammenspiel mit anderen, wichtigeren Gründen. Wir verkaufen etwa, wenn der langfristige Gewinntrend bricht oder die Geschäftserwartungen sich grundlegend ändern. Ein Beispiel dafür war unsere » Wir verstehen uns als langfristige Investoren, die sich als Eigentümer dauerhaft an einem Unternehmen beteiligen, und weniger als Manager eines Wertpapierkorbs. « Dominikus Wagner, Wagner & Florack 84 fondsprofessionell.de 4/2025 MARKT & STRATEGIE Fondsmanager im Kreuzverhör | Dominikus Wagner + Dirk Schmitt | Wagner & Florack FOTO: © CORNELIS GOLLHARDT FÜR FONDS PROFESSIONELL KREUZ VERHÖR
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