FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 1/2026

PAI-Werte. Die Daten kommen von den externen Anbietern und werden in unsere Systeme überspielt. Daraus berech- nen wir verschiedene Kennzahlen, etwa die gewichtete Emissionsintensität. Diese Kennzahlen nutzen wir als Steuerungs- größen in unseren Systemen. Gleichzei- tig achten wir auf das Gesamtbild: Unser Negativscreening, das gilt insbesondere für den Ausschluss fossiler Energie, sorgt ceteris paribus für ein niedrigeres Emis- sionsniveau gegenüber einem breiten Marktindex. Kölsch: Trotzdem liegen Ihre Umwelt- und Nachhaltigkeitsscores eher im Mittelfeld. WieerklärenSiedasAnlegern, diebei „Glo- balWarming“Best-in-Classerwarten? Keidel: Indem wir wahrheitsgemäß und im Anlegerinteresse sagen, dass Maximie- rung von ESG-Scores nicht unser einziges Ziel ist. Würden wir ausschließlich nach den besten Umweltwerten sortieren, hät- ten wir am Ende vielleicht ein vor allem aus Wind- und Solaraktien bestehendes Portfolio – aber auch mit einer sehr hohen Volatilität sowie entsprechenden Sektorklumpenrisiken. Unsere Anleger, darunter viele institutionelle Investoren, wollen ein thematisch klar ausgerichtetes und umweltbewusstes, aber dennoch breit GLYHUVLlj]LHUWHV XQG HUIROJUHLFKHV $NWLHQ - produkt, das sich auch im Wettbewerb über den Nachhaltigkeitsaspekt hinaus behauptet – und das nach Möglichkeit in allen Marktphasen. Dass das funktio- niert, beweist der Fonds seit 2007. Damals sind wir als Pionier gestartet. Das starke Wachstum des Fondsvermögens seither verdeutlicht die große Nachfrage der Anle- ger. Mittlerweile verzeichnet der LBBW Global Warming ein Fondsvermögen von mehr als zwei Milliarden Euro. Kölsch: Sie sprechen von „Outside-in“, also von Klimarisiken für das Geschäftsmodell eines Unternehmens. Wie wichtig ist Ihnen die„Inside-out“-Perspektive,dertatsächliche BeitragvonUnternehmenzumKlimaschutz? Keidel: Die Outside-in-Perspektive ist für unseren Publikumsfonds zentral: Wir PĞVVHQ YHUVWHKHQ ZLH &2Ȅ %HSUHLVXQJ physische Risiken oder Regulierung Cash- ijRZV XQG %HZHUWXQJHQ EHHLQijXVVHQ 'DV ist die Grundlage jeder langfristigen Anla- geentscheidung. Inside-out, also die Wir- kung der Unternehmen auf Klima und Umwelt, spielt selbstverständlich ebenso eine Rolle, etwa bei SDG-Zuschreibun- gen oder bei Impact-Kennzahlen für bestimmte Kundenmandate. Heuser: Wie sehr begrenzt die wachsende Regulierung – Stichworte sind SFDR, Taxo- nomie, ESMA-Namensleitlinie – Ihren Handlungsspielraum? Hünseler: Wir sehen die Regulierungs- welle ambivalent. Einerseits zwingt sie die Branche, Kriterien und Prozesse sauber zu GHljQLHUHQ $QGHUHUVHLWV HQWVWHKW PLWXQWHU der Eindruck, man könne Komplexität mit immer neuen Kennzahlen wegregu- lieren. AmEnde braucht es beides: robuste Mindeststandards und Asset Manager, die erklären können, welche Ziele sie tatsäch- lich verfolgen und welche nicht. Keidel: Als Portfoliomanager würde ich mich dann unwohl fühlen, wenn durch Regulierung das investierbare Universum so stark schrumpft, dass ich meine Auf- JDEH HLQ GLYHUVLlj]LHUWHV 3RUWIROLR ]X HUVWHO - len, kaum noch erfüllen könnte. So ist es aber nicht: Die Vorgaben erhöhen die Komplexität, nehmen uns aber nicht die Steuerungsfreiheit. Heuser: EinpersönlicherBlickzumSchluss: Wie viel RenditewärenSiebereit zuopfern, umzusätzlicheKlimawirkungzuerzielen? Keidel: Klimaschutz und Rendite gehö- ren für uns im LBBW Global Warming » Inside-out, also die Wirkung von Unter- nehmen auf Klima und Umwelt, spielt selbstver- ständlich eine Rolle, etwa bei SDG-Zuschreibungen oder bei Impact-Kenn- zahlen für bestimmte Kundenmandate. « Christoph Keidel, LBBW Asset Management 110 fondsprofessionell.de 1/2026 MARKT & STRATEGIE Nachhaltig nachgefragt | Christoph Keidel + Michael Hünseler | LBBW Asset Management FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL NACHHALTIG NACHGEFRAGT

RkJQdWJsaXNoZXIy ODI5NTI=