FONDS professionell Deutschland, Ausgabe 3/2025

Theologen zusammen. Als Sozialethiker bin ich gewissermaßen das Schweizer Taschenmesser, ich kenne mich überall ein bisschen aus (lacht). Das Ethik-Komitee tagt jeden Monat, was docheinenerheblichenZeitaufwandbedeu- tet.BrauchtesdiesehoheFrequenzwirklich? Ja, denn es gilt nicht nur neue Anlage- ideen zu begutachten, sondern es gibt auch Updates zu den bekannten Unter- nehmen aus dem Investmentuniversum. Es reicht nicht, sich eine Firma einmal anzuschauen und eine Entscheidung zu WUHȬHQ %DOG NRPPW YLHOOHLFKW ]XVÌW]OLFKH Arbeit auf uns zu. Kürzlich hat Arete Lars Konrad zum neuen Chief Investment 2ȯFHU HUQDQQW :DKUVFKHLQOLFK ZLUG HU HLQLJH DQGHUH 3ULRULWÌWHQ VHW]HQ PLW GHU Folge, dass uns mehr neue Firmen vor- gelegt werden als sonst üblich. Fällt IhneneinBeispiel füreinUnternehmen ein, bei dem KI in der Diskussion im Beirat bereitseinewesentlicheRollegespielt hat? :LUNOLFK GRPLQLHUW KDW GLHVHU $VSHNW GLH Debatte bislang nicht. Aber es ist abseh- EDU GDVV HU DQ %HGHXWXQJ JHZLQQHQ ZLUG XQWHU DQGHUHPPLW %OLFN DXI GLH 'XDO 8VH Problematik, wenn es also um zivile Pro- GXNWH JHKW GLH DXFK PLOLWÌULVFK JHQXW]W werden können. Die Rüstungsinvestitio- nen nehmen bekanntlich deutlich zu, und LQ GLHVHP %HUHLFK VSLHOW ., HLQH LPPHU wichtigere Rolle. Da wird es zunehmend schwierig, klare Linien zu ziehen. Das zeigt sich auch bei Staatsanleihen. Inwiefern? Lange Zeit galt das harte Kriterium, dass die Verteidigungsausgaben eines Landes KĆFKVWHQV ]ZHL 3UR]HQW GHV %UXWWRLQODQGV - produkts ausmachen dürfen, um für ein Arete-Portfolio infrage zu kommen. Für GLH PHLVWHQ HXURSÌLVFKH /ÌQGHU ZDU GDV früher kein Problem. Doch mit Russlands $QJULȬ DXI GLH 8NUDLQH KDW VLFK GDV JHÌQ - dert. Es gab den Vorschlag, die Grenze auf drei Prozent zu erhöhen. Ich habe mich dann in einer langen Sitzung damit durchgesetzt, bei zwei Prozent zu bleiben. 'RFK LQ]ZLVFKHQ PXVVWHQ ZLU GDV DEÌQ - dern, die zwei Prozent sind nicht mehr zu halten, bei vielen Staaten geht die Quote MD HKHU 5LFKWXQJ IĞQI 3UR]HQW :LU PHV - sen daher anderen Aspekten mittlerweile HLQHQ JUĆĕHUHQ :HUW EHL HWZD GHU )UDJH RE HLQ 6WDDW 9HUWUÌJH ZLH GDV /DQGPLQHQ - DENRPPHQ YRQ 2WWDZD HLQKÌOW )LQQODQG die baltischen Staaten und auch Polen sind dort ausgestiegen. Eine Prozentzahl allein sagt wenig aus, man muss versu- FKHQ HLQ JDQ]KHLWOLFKHV %LOG ]X ]HLFKQHQ FürSchwarz-weiß-Entscheidungen,diesich anKennzahlenfestmachenlassen,bräuchte mandasKomiteewahrscheinlichauchnicht. Da haben Sie recht. WasdenkenSie:WelcheThemenwerdenbei IhrenDiskussionenkünftigwichtiger? Natürlich KI, schon weil der Umgang mit dieser Technologie gerade sehr viele Unter- QHKPHQ EHVFKÌIWLJW $XFK .HUQHQHUJLH GĞUIWH ZLHGHU DQ %HGHXWXQJ JHZLQQHQ ZHLO GLH (QWZLFNOXQJ LP%HUHLFK NOHLQHUHU Atomkraftwerke schnell voranschreitet. Für zahlreiche Diskussionen sorgt zudem der Medizinbereich, heute schon und sicherlich auch in Zukunft. Dort gibt es YLHOH KHLNOH 3XQNWH :HOFKH 0HGLNDPHQWH HUZHLVHQ VLFK EHLVSLHOVZHLVH WDWVÌFKOLFK als hilfreich? Und welche Entwicklungen dienen vor allem dem Marketing – auf Kosten der wirklich Kranken? Anleger, die ethische Aspekte bei ihren Investments berücksichtigen möchten, müssen sich solche Fragen stellen. Schnelle Antworten darauf gibt es nicht. VielenDank für dasGespräch. BERND MIKOSCH FP KURZ-V I TA : Wolfgang Palaver Wolfgang Palaver, Jahrgang 1958, studierte Theologie, Germanistik und Politikwissenschaft in Innsbruck. Nach seiner Promotion forschte er unter andereman der Stanford University. 1997wurde Palaver habilitiert, von 2002 bis 2023 hatte er eine Professur für christliche Gesellschaftslehre an der Universität Innsbruck inne. » Es ist wichtig, die ver- schiedenen Argumente zu hören. Entschleunigen statt beschleunigen lautet das Motto. « Wolfgang Palaver, Universität Innsbruck MARKT & STRATEGIE Wolfgang Palaver | Universität Innsbruck 124 fondsprofessionell.de 1/2026 FOTO: © CHRISTOPH HEMMERICH FÜR FONDS PROFESSIONELL

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